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"Fire Down Below" verzeichnet eindeutig den Beginn des Niedergangs von Steven Seagal (Exit Wounds), aus dem er sich später nur kurzzeitig mit "Submerged" wieder hochziehen konnte. Schon in "Auf brennendem Eis" begab sich der Zöpfchen-Rambo auf seine Öko-Mission, was dort dank der harten Action und Gegner noch nicht so sehr störte. Bei "Fire Down Below" kann man hingegen nur den Kopf schütteln, wobei die Öko-Einlagen hier noch nicht das größte Problem sind. Das ursprünglich für Bruce Willis verfasste Skript von "Stirb langsam"-Autor Jeb Stuart befördert Seagal direkt ins Hillbillie-Land, wo er für Recht und Ordnung sorgen soll. Allerdings wird das Ganze ziemlich überraschungs- und spannungslos über die Bühne gezogen, zumal man hier versucht hat den Menschen in dem sonstigen Brutalo Seagal zu zeigen. Im Gegensatz zu Arnold Schwarzenegger (End of Days) und Jean-Claude Van Damme (Maximum Risk) will das bei Seagal einfach nicht klappen. Der Mensch in Seagal hat mich auch nie wirklich interessiert.

Ein mysteriöser Mordfall führt den Bundesmarschall Jack Taggert (Steven Seagal) in eine Kleinstadt im US-Staat Kentucky. Doch bei seinen Ermittlungen stößt er auf eine Mauer des Schweigens. Angst beherrscht die Stadt, und alle Spuren führen zu dem undurchsichtigen Minen-Tycoon Orin Hanner (Kris Kristofferson). Offenbar werden in der friedlichen Berglandschaft gigantische Mengen Giftmülls verschoben, mit unkalkulierbaren Risiken. Um eine Katastrophe zu verhindern, räumt Taggert gnadenlos auf...

Statt den knallharten Knochenbrecher und Terroristen-Killer lässt Steven Seagal in "Fire Down Below" den gutherzigen Samariter mit Agenten-Feedback raushängen. Funktionieren tut das nichtmal ansatzweise, wenngleich Seagal sich ansonsten recht solide schlägt. In den kurzen Action-Sequenzen zeigt er aber wieder das, was man von ihm sehen will. Kris Kristofferson (Payback) wirkt als lokaler Finsterling verschwendet und agiert ziemlich klischeebeladen. "C.S.I."-Star Marg Helgenberger (Bad Boys) mimt die Country-Schnitte mit dunkler Vergangenheit, weshalb sie in ihrer Gemeinde nicht gern gesehen ist. Dabei spielt Helgenberger ihren Part passabel. Ansonsten läuft einem noch Harry Dean Stanton (Alien) als alter Kauz durchs Bild.

Anders als in großen Seagal-Kalibern wie "Under Siege 1 + 2", "Zum Töten Freigegeben" und "Auf brennendem Eis" ist die Action hier rar gesät und fällt auch bei weitem nicht mehr so brutal aus. Hin und wider bekommt Taggert ein paar Hinterwäldler-Hackfressen vor die Faust, die ihm ständig ans Leder wollen, weil er einen Störfaktor in ihren Plänen bildet. Dementsprechend wird Taggart auch ziemlich schnell und unspektakulär mit ihnen fertig. Denn die Hillbillies sind zwar ständig auf Krawall aus, doch hat es sich bis ins Hinterwäldler-Ländchen noch nicht rumgesprochen, dass so was bei einem Seagal stets zur Gegengewalt führt. Im Actionbereich gibt es ansonsten noch eine solide Truck-Verfolgungsjagd sowie eine mäßigen Showdown. Hier hatte ich einfach mehr erwartet. Zudem stinkt die Handlung noch stärker wie des Hinterwäldlers Unterputze. Kaum hat sich Taggert in die holde Sarah verschossen, angelt er sie sich mit seinen Samariter-Taten und nagelt fortan nicht nur Holzbretter fest. Desweiteren streift Taggert durchs Kaff und kann dessen Bevölkerung mit seinen Taten (jene bestehen meistens nur aus dem Verprügeln böser Halunken) für sich begeistern. Ist die Katze mal aus'm Sack, schon ruft er die Bürger zur Mobilmachung gegen den fiesen Minen-Tycoon auf. Ich brauche hier wohl nicht erwähnen, dass Regisseur Félix Enriquez Alcalá (Pelham Bay Park) diese miefige Story mit allerlei Backwood-Klischees zuschüttet. Darum sehen einige der hinterwäldlerischen Bevölkerung auch so aus, als wäre Inzucht die normalste Sache der Welt. Nebenbei will Taggert natürlich auch noch die Ursache für die Umweltverseuchung finden. Als er einen Bengel beim Pinkeln in den Waldbach erwischt, scheint der Verursacher gefunden zu sein, doch es kommt eh anders als Taggert es erwartet hat. So muss er nicht nur irgendwelche Marihuhana-Anbauer, sondern auch noch ein paar Provinz-Bullen, Backwood-Hackfressen und des Oberschurkens Schlägersleut verdreschen. Wie schon erwähnt kommt da im Actionbereich aber nicht allzu viel bei rum. Der Höhepunkt der Peinlichkeit bildet dann Seagals Einsatz als Country-Sänger. Zwar nicht so mies wie Tom Cruise kürzlich in "Krieg der Welten", dennoch nicht mein Geschmack. Wenigstens können da die ordentlichen Landschaftsaufnahmen etwas entschädigen.

Kurzum gesagt ist "Fire Down Below" eine Enttäuschung. Die Action entspricht nicht den harten Seagal-Standards und die klischeehafte Handlung sowie der Versuch Seagal als Menschen zu zeigen, schlagen allesamt fehl. Für Fans des Zöpfchen-Rambos mag der Film noch akzeptabel sein, doch ich als Nicht-Bewunderer Seagals bleibe dann doch bei "Under Siege 1 +2", "Zum Töten freigegeben" und "Auf brennendem Eis".

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