Nach seinem Ökospektakel „Auf brennendem Eis“ schlug Steven Seagal mit „Fire Down Below“ noch mal in die gleiche Kerbe – aber viel harmloser.
Gleich zu Beginn wird jeder Ansatz von Verschwörungstheorie unterdrückt, da man sofort fast alle Fakten erfährt: Jack Taggart (Steven Seagal), Marschall bei der Umweltbehörde, soll in einer Kleinstadt ermitteln, in deren Nähe ein großer Konzern seinen Giftmüllabfall lagert. Bei Ermittlungen wurden bereits zwei FBI-Beamte und Jacks bester Freund, ebenfalls Marschall bei der Umweltbehörde, ermordet. Dass Seagals Filme nie so komplex ist, ist man auch als Fan gewöhnt, aber hier ist man aufgrund der Simplizität erst mal gerädert. Aber einige wunderbare Naturaufnahmen während des Fluges versüßen den Beginn.
Jack wird als Gemeindehandwerker vorgestellt, aber die Bösewichte blicken eh nach wenigen Minuten hinter seine Fassade. Doch sie lassen ihn vorerst in Ruhe, so dass die ersten Leute, denen Taggart einen vor die Birne brezeln darf, einige Marihuanafarmer; diese lässt er aber laufen. Die Bösen versuchen es subtiler und stecken ihm zwei Schlangen ins Zimmer, die Taggart jedoch souverän aus dem Fenster werfen kann. Hier kommt eigentlich der interessanteste Punkt an „Fire Down Below“ auf: Nämlich das Szenario. Wie verhalten sich beide Parteien in einem derartigen Film, wenn sie schon nach wenigen Minuten die Tarnung des anderen durchschauen.
Jack beginnt zu ermitteln, stößt aber auf eine Mauer aus Schweigen. Doch über Außenseiter wie den alten Cotton Harry (Harry Dean Stanton) und die im Dorf verpönte Sarah Kellogg (Marg Helgenberger) gelangt Jack an Informationen, die dem Konzernchef Orin Hanner Sr. (Kris Kristofferson) gefährlich werden könnten...
„Fire Down Below“ ist leider kein Seagalfilm der alten Schule mehr; anscheinend sind kriminelle Hinterwäldler weniger zahlreich und aggressiv als jamaikanische Drogendealer oder Terroristen. So geht „Fire Down Below“ mehr ins Thrillergenre.
Doch für das Drehbuch zeichnet sich immerhin Jeb Stuart verantwortlich, der bereits „Stirb langsam“ schrieb. So ist der Plot von „Fire Down Below“ durchaus solide geraten. Die Spannung hält sich zwar in Grenzen, da es kaum Wendungen im Script gibt, aber das Szenario ist recht interessant erdacht worden (siehe oben). Kleine Subplots lockern die Geschichte auf; allerdings sind nicht alle gelungen (z.B. wird auf die Geschichte um Sarah und ihren Bruder Earl zu viel Wert gelegt).
Die Action ist die eigentlich Krux von „Fire Down Below“, denn davon gibt es einfach zu wenig. Die Fights und Shoot-Outs sind zwar nicht schlecht, aber viel zu kurz. Außerdem setzt Regisseur Félix Enríquez Alcalá zu oft eine Art Zeitraffer ein, der die Actionszenen eher schmälert als aufpeppt. Wirklich gelungen ist die Szene in der Seagal sich in einer Verfolgungsjagd á la „Duell“ gegen einen Truck durchsetzen muss. Leider kommt die Action zu kurz und der Showdown ist enttäuschend schnell zu Ende.
Steven Seagal setzt seine übliche „In sich gekehrter Actionheld“ Miene auf und wirkt dabei wie immer solide. Marg Helgenberger („Bad Boys – Harte Jungs“) und Harry Dean Stanton („Die rote Flut“) erbringen gute Leistungen und Kris Kristofferson („Blade“) gibt einen ironisch überzogenen, wenn auch etwas unglaubwürdigen Fieslingen ab. Die restlichen Darsteller sind routiniert.
„Fire Down Below“ ist im Endeffekt leider nur Durchschnitt trotz guter Ansätze; für Seagalfans wie mich aber immer noch zumindest einmal guckbar.