Kommen wir mal zu einem Film, der bei den meisten Steven Segal-Fans oder Action-Fanatikern durchfällt. Die Rede ist von "Fire Down Below". Ich denke, dass das in erster Linie an der Umsetzung liegt, die nicht soviel Action und Blut wie andere Filme von ihm zu bieten hat. Der gute Mann hatte bis dato immerhin solche Kracher wie "Zum Töten Freigegeben", "Hard To Kill" und vorallem den Megakracher "Alarmstufe Rot" vorzuweisen.
In "Fire Down Below" spielt er wieder seinen für ihn typischen Charakter, der diesmal auf den Namen Jack Taggart hört - und ein Bundesmarschall der Umweltbehörde ist. Dieser wird undercover in eine Kleinstadt geschickt, um den mysteriösen Mord von einem anderen Marschall zu untersuchen. In dem verschlafenen Nest entpuppen sich die Einwohner als recht schweigsam, dennoch kommt Taggart dem wahren Grund auf die Spur: Die Berglandschaft des kleinen Ortes entpuppt sich als riesiger Ablageplatz von Giftmüll, der auch die Bewohner krank macht. Alle Spuren führen zu dem zwielichtigen Orin Hanner (Kris Kristofferson), der die Bewohner jedoch unter Kontrolle hat...
Natürlich ist es für viele ärgerlich, dass es trotz gewohntem Charakter nur Action light und Tote light gibt. Doch in meinen Augen besticht der Film durch ganz andere Eigenschaften. In erster Linie sind das dicke Plus die schrägen Einwohner, die scheinbar alle einen an der Klatsche haben und so zaubern sie, zumindest bei mir, öfters ein Schmunzeln unter die Nase. Vorallem der (scheinbar) komplett verwirrte Cotton Harry (Harry Dean Stanton) spielt seine Rolle gnadenlos gut.
"Fire Down Below" fühlt sich nicht wie "Alarmstufe Rot" an, sondern erinnert eher an einen deutschen Heimatfilm, in dem Heintje seine Ergüsse trällern darf (übrigens darf Segal auch in einer kurzen Szene als Country-Sänger sein Bestes geben).
Ja, man kann behaupten, dass der Plot reichlich spannungsarm ist. Und ich sage: Jupp, ist er auch!
Aber die Kombination aus Landschaft (ohje, jetzt fang ich auch schon mit den wunderschönen Landschaftsaufnahmen an), den schrulligen Charaktern, dem gut aufgelegten Ohrwurm-Soundtrack und auch der netten Lovestory mit der einsamen Sarah Kellog (Marg Helgenberger), die seit dem Tod ihres Vaters von den meisten Kuhkaff-Bewohnern gemieden wird, machen den Film zu dem, was er ist: Gut.
Ach, gerade die Lovestory ist so schön schmalzig geraten. Und immer wenn es schmalzig wird, werde ich immer vom Berserker zum handzahmen Hundewelpen...
Damit nicht der letzte Actionfanatiker einschläft, darf Segal hier und da auch mal ordentlich mit seinen Handkantenschlägen austeilen. Jedoch sind diese Szenen rar dosiert und das Ganze endet immer unblutig. Immerhin darf man hier noch ordentlich choreographierte Kämpfe begutachten, was man ja von dem Segal nach dem Jahr 2005 nicht mehr sagen konnte. Doch auch wenn die Kampfwurst heutzutage nur noch B-Actiongülle abdreht, in denen er noch in den Kämpfen gedoubelt wird oder einen Bauchweg-Gürtel verpasst bekommt, macht das diesen Film nicht besser. Er hat mir schon damals gut gefallen.
Was mir dann selber nicht zusagt, ist ein Paradoxon. Denn genau ab dem Zeitpunkt, wenn "Fire Down Below" auf´s Gaspedal drückt, wirkt das deplaziert und zu sehr nach dem Motto: Jetzt muss der Zuschauer aber mal flotte Action und Leichenberge bekommen. Keine Ahnung wie man dieses Teil hätte enden lassen sollen, dennoch drückt dieses hektische Durcheinander (bei dem das Script auch ordentlich auf die Logik-Kacke haut) die Bewertung einen Punkt nach unten.
Okay, das sieht jeder anders. Allerdings zählt für mich "Fire Down Below" zu Segal´s stärkeren Produktionen, den ich mir immer wieder anschauen kann. Yiiehhaaa!
8/10