Jean-Jacques Beineix’ Film ist irgendwie alles & nichts. In ihm findet man Elemente der RomCom, des Musikfilms, des Thrillers, des Dramas, der Komödie, des Gangsterfilms, des Polizeifilms & des Kunstfilms, ohne dass man das Werk als Gesamtes auf etwas davon festnageln könnte, das kann man in keine Schublade pressen. Diva wirkt wie ein Vorläufer von Tarantino, ist dabei, auf eine ganz beiläufige Weise, saucool & so anziehend, dass man bis zum Ende gefesselt ist, obwohl das Gebotene nicht wirklich spannend oder gar packend ist.
Es geht um zwei Tonbänder. Auf dem einen Band singt die Opern-Diva Cynthia Hawkins (Wilhelmenia Fernandez in ihrem einzigen Film), ein Konzertmitschnitt, den der Postbote Jules (Frédéric Andréi) angefertigt hat. Der ist ein großer Fan der Sopranistin & die Aufnahme ist Gold wert, weil die Diva sich beharrlich weigert, eine Schallplatte aufzunehmen. Zwei Bootlegger aus Asien sind hinter diesem Tape her.
Auf dem zweiten Band ist die Aussage eines Call-Girls, welche den Kopf eines Mädchenhändlerrings enttarnt. Die Frau hat das Band kurz vor ihrer Ermordung in die Tasche auf dem Moped des Postboten gesteckt, ohne dass er was davon mitgekriegt hat. Zwei Killer sind hinter diesem Tape her, einer wird gespielt von Dominique Pinon.
Und zwischendrin flaniert Brigitte Lahaie vorbei, einfach mal so, Marilyn-Monroe-style, mit nach oben wehendem Rock, ihren Schlüpfer präsentierend. Allein für diese Szene muss man den Film mögen.
Das exzentrische Killer-Duo ist ebenfalls klasse, wie auch die kleine, freche & langfingrige Asiatin. Für den Klau von LPs hat sie eine eigene Masche. Sie steckt sie mitten in die Mappe ihres Portfolios & als der Verkäufer nachschauen will, lässt sie ihn, ganz der Unschuldsengel, durch die ersten paar Fotos blättern, alles Aktfotos von ihr, bis sie meint, ob er genug gesehen hätte & er ihr die Mappe beschämt zurückgibt. Die Bude des Postboten ist auch ein Hit, mit den Schrottkarren & Bildern von flotten Schlitten.
Also ja, die Geschichte, die erzählt wird, riss mich überhaupt nicht mit & die Figuren blieben distanziert, aber der Film hat so eine lässige Stimmung, so einen eigenwilligen Stil & so eine Wahnsinns-Coolness, das rockt einfach. Dazu die sympathische & leicht schräge Figurenzeichnung, die tollen Gespräche untereinander, die angenehme Atmosphäre, der entwaffnende Charme & der entspannte Flow, das ist als Gesamtes zwar alles etwas merkwürdig, aber es fühlt sich dennoch richtig an. Verdammt richtig sogar.
8,5/10