"Star Trek: Enterprise" konnte nie an den Erfolg der anderen Serien aus dem "Star Trek"-Universum anknüpfen und wurde nach nur vier Staffeln vorzeitig abgesetzt. Auch die Resonanz der Trekkies war weltweit eher verhalten, dabei hatte Schöpfer Rick Berman ein gutes Konzept am Start, mussten sich aber bereits in der vorliegenden zweite Staffel eingestehen, dass sie nicht wirklich wussten, wohin die Reise gehen soll....
Das Problem einer Prequel-Serie liegt u. a. darin, dass die Abenteuer der Enterprise den Kanon des "Star Trek"-Universums nicht verletzen dürfen, und das tut die Serie leider ständig. Abgesehen davon, dass die "erste" Enterprise eigentlich unter dem Kommando von Captian Kirk und nicht Captian Archer flog, werden gerade in der zweiten Staffel viele Bezüge zum restlichen Teil des Universums gezogen, was auf den ersten Blick zwar fantastisch ist und Fan-Herzen durchaus höher schlagen lässt, doch leider meist nicht stimmig wirkt, zumindest, wenn man sie im Kontext zu den anderen Filmen und Serien sieht. So traf die Enterprise-Crew z. B. in der Episode "Regeneration" auf die Borg, was zwar durchaus cool, jedoch nicht "kanonisch" ist. Man nimmt Bezug zu "Der erste Kontakt", jedoch entstehen Widersprüche, die nur damit zu erklären wären, dass durch den Eingriff ins Raum- und Zeitgefüge in "Der erste Kontakt" ein Paralleluniversum entstanden ist und "Star Trek: Enterprise" eine neue Zeitlinie verfolgt.
Unter diesem Aspekt gesehen, scheinen viele Einfälle durchaus gelungen, jedoch war es von den Machern nicht so geplant. Deshalb stoßen den Fans gerade immer die Sachen sauer auf, die eine Brücke zu späteren Serien schlagen wollen. Es ist in der Borg-Episode z. B. nicht klar, wie nach der Explosion in "Der erste Kontakt" Trümmerteile und Borg-Drohnen unversehrt einen Eintritt in die Erdatmosphäre überstanden haben sollen. Zudem hatte man in "The Next Generation" einen Erstkontakt mit den Borg, es gab in "The Next Generation" aber keine Aufzeichnung über einen früheren Kontakt mit der Rasse. Auch werden Figuren eingeführt, die man in den älteren Serien erstmals traf und hier vom Kanon her nicht hinein passen.
Das Set-Design wurde zudem deutlich moderner gewählt als in den alten Serien, wodurch die Technologie oftmals fortschrittlicher wirkt, als z. B. in "The Next Generation". Es gibt viele solcher "Probleme", und man kann selbstverständlich über alles hinweg sehen und trotzdem seinen Spaß an der Prequel-Serie haben. Denn die Episoden sind stark geschrieben, überraschend actionlastig und überzeugen mit guten Dialogen. Man fokussiert sich weiterhin auf die Charakterentwicklung der einzelnen Crew-Mitglieder und verleiht den Personen tiefe, um sie dem Zuschauer zugänglicher zu machen.
Der Zuschauer lernt mehr über das klingonische Volk, und in "Das Urteil" steht Archer vor einem klingonischen Tribunal und muss sich verteidigen. Dies erinnert aber leider zu stark an "Mission Farpoint", als Picard von Q vor ein Tribunal gestellt wird. Archer ist aber nicht nur den Klingonen ein Dorn im Auge. Selbst der Sternenflotte und den Vulkaniern missfällt Archers Ungehorsam sowie seine unkonventionellen Art Probleme zu lösen. Im Mittelpunkt steht auch Sub-Commander und Vulkanierin T´Pol und die Fähigkeit der vulkanischen Gedankenverschmelzung, bei der sich Vulkanier mit einem unheilbaren Virus infizieren können. Passiert dies, werden die Vulkanier wie Aussätzige behandelt. Bezüge zu einer HIV-Infektion kommen nicht von ungefähr. Zudem spürt man eine starkes Knistern zwischen Archer und T´Pol, und man hofft permanent, dass die beiden sich näher kommen. Aber auch die anderen Crew-Mitglieder werden in der zweiten Staffel mit interessanten Geschichten honoriert, wobei Commander Charles 'Trip' Tucker III ein wenig zu sehr in den Mittelpunkt gestellt wird. Überall tritt er ins Fettnäpfchen oder fällt durch seine starke emotionale Art auf. Das wirkt irgendwann etwas aufgesetzt und einfallslos, wobei die Episode "Dawn" im positiven Sinne an "Enemie Mine" erinnert.
Unterm Strich ist die zweite Staffel durchweg unterhaltsam und Hardcore-Star-Trek-Fans werden die oben erwähnten Mängel sicherlich sauer aufstoßen. Ungeachtet der nicht kantonischen Bezüge zu der späteren Zeitlinie ist das Gezeigte spannend und sehr gut inszeniert. Leider bietet das Ende der Serie diesmal einen etwas unspektakulären Cliffhanger...