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Ein Angestellter wird gefeuert - vom Papagei des Chefs. Der befindet sich gerade wohl bei einer bequemeren Tätigkeit. Auf Nachfrage bei der Sekretärin wird ihm eine Waffe ins Gesicht gehalten - es solle doch auch bitte mal einer der Arbeitnehmer an den Chef denken, jede Entlassung sei schließlich ein Sargnagel für dessen Grab.
Der Verlierer (seines Jobs und überhaupt) hält auf dem Nachhauseweg an einer Tankstelle. Die gehört Verlierer Nummer Zwei; zumindest wird er das in wenigen Sekunden sein. Denn Verlierer Nummer Eins fährt zu allem Unglück ein Auto aus amerikanischer Produktion. Der Tank ist undicht und alles läuft auf den Asphalt. Da liegt eine brennende Zigarette, und WUMM - da ist der Titel “Verlierer” auch für Nummer Zwei in trockenen Tüchern.
Verlierer Nummer Zwei muss sich nun mit der Versicherung herumschlagen und gerät dabei in die unlogischen Mühlen der Demokratie. Er steht stundenlang an und wenn er endlich an der Reihe ist, kann oder will ihm niemand helfen, und vor allem scheint keiner dieser “White Collars” seine Sprache zu verstehen.
Verlierer Nummer Eins jammert inzwischen in einer Raststätte jedem die Ohren voll, ob sie es nun wollen oder nicht. Verlierer Nummer Zwei ist im gleichen Raum. Und in einer Sekunde suhlen sie noch beide in Selbstmitleid und erkennen ihre Gemeinsamkeiten, da geht das Übel schon weiter: ein maskierter Mann überfällt den Laden, will das ganze Geld haben und befiehlt, alle sollen ihre Klamotten ausziehen.
Amerika, du verkommenes Land...

Was wie eine treffend beobachtete, satirische Abrechnung mit der aufkommenden Reagan-Ära beginnt, noch dazu vorangetrieben von dem herrlich ungleichen Komikerpaar Williams / Matthau, verwandelt sich leider allzu schnell in eine wenig logische Komödie, in der sich zwei Trottel in einem verschneiten Wald ein Duell mit einem eiskalt berechnenden Killer geben. Würde Robin Williams nicht einen halbpsychopathischen und an totaler Selbstüberschätzung leidenden Waffennarren spielen, würden sich die gesellschaftskritischen Aspekte leider schon nach rund eine Viertelstunde vollends verabschieden zugunsten einer leidlich amüsanten, auf Zufällen basierenden, gewöhnlichen Buddy-Komödie.

Insbesondere die Charakterzeichnungen werden ziemlich vernachlässigt, so dass es auch mal vorkommen kann, dass der sonst so abgeklärte Killer Jack (Jerry Reed, an Rutger Hauers “Hitcher” erinnernd) seinen beiden schrägen Opfern verspricht, sie nicht zu töten, wenn sie denn nur der Polizei nichts verraten. Und dass Williams’ Figur auf diese Chance, die wahrlich nicht jedem Opfer geboten wird, gelinde gesagt scheißt, trägt auch nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei. Nicht die einzigen irrationalen Anwandlungen diverser Charaktere, die weiterhin Walther Matthaus Filmtochter (eine hübsche Kristen Vigard, die wohl nur des Schaufaktors wegen dabei ist) und die komplette US-Armee betreffen. So trägt das Drehbuch die Geschichte in absonderliche Bahnen, die am Ende kaum mehr so richtig Sinn ergeben.

Dabei bemühen sich Williams (in seiner dritten Filmrolle) und Matthau sehr, das merkwürdige Geschehen in den richtigen Bahnen zu halten. Insbesondere Matthau überzeugt mal wieder als knotteriger alter Sturkopf, der eigentlich nur seine Haut heil aus dem Schlamassel befördern und dann in Ruhe gelassen werden will.
Das Verhältnis des recht klassisch gehaltenen Buddy-Couples zum Killer bietet einen Fixpunkt, da die Dreierkonstellation mit dem beinharten, aber doch nicht ganz unmenschlichen Killer die Spannung aufrecht erhält. Das macht phasenweise richtig Laune, wenn sich Täter und Opfer kurz vor der Hinrichtung noch so schön kumpelhaft austauschen. Interessant ist es, dass er im weiteren Verlauf grundsätzlich an Gefährlichkeit verliert, als sich plötzlich neue bedrohliche Aspekte auftun und er irgendwie vom Zuschauer auf einmal zu den “Guten” gezählt wird. Das macht insofern Sinn, als dass die Gesellschaftskritik im Vordergrund steht und mit ihr eine undefinierbare Gestalt, die sich nicht in einem Verbrecher manifestieren kann. Man sieht, die Ansätze sind da; schade, dass sie so leichtfertig vergeben werden.

Kurioserweise begleitet kaum mal musikalische Untermalung das Gezeigte. Die Szenen stehen jeweils für sich, was dem Handeln der Protagonisten eine Wertungsfreiheit verleiht, die in diesem Zusammenhang etwas kauzig wirkt. Schließlich soll ja im Ansatz durchaus etwas bewertet werden, das hat Satirisches nun mal im Blut. Es hätte sicher nicht geschadet, wenn der schwer bewaffnete Donald mit Referenzen an die Scores der aufkommenden Stallone- und Schwarzenegger-Actioner ausgestattet worden wäre. So bleibt die Abrechnung mit der damaligen amerikanischen Gesellschaft leider etwas gedämpft.

Aus dem Material hätte man viel mehr machen müssen. Die ersten Minuten zeigen, wie es funktioniert; danach wird es schnell beliebig. Wo Williams möglicherweise noch ein klein wenig seine Form sucht - er ist zwar bemüht, verfängt sich am Ende aber doch zu sehr im Overacting - weiß zumindest der altehrwürdige Matthau zu überzeugen, kann aber nicht allzu viel gegen die wirre Figurenzeichnung ausrichten. Im Finale fragt man sich alle paar Minuten, was sich die Damen und Herren auf der Mattscheibe bei ihren Aktionen wohl denken mögen. Dass man die zunächst als gelungen zu bezeichnende Beobachtungsgabe der Autoren gegen solchen Mummpitz eintauschte, bleibt mir unverständlich...

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