Review

So langsam ist man vom typischen Asia-Grudge-Grusel übersättigt, denn den ganzen Verschnitten und Nachahmern ist auf Dauer nichts Neues mehr abzugewinnen.
„Ghost Train“ ist auch so ein innovationsloser Versuch, an dem der Zug schon längst vorbei gerauscht ist. Einer jener Beiträge, bei denen man als Zuschauer am Ende ratlos dasitzt und sich fragt:“ Was sollte das jetzt? Deswegen der ganze Aufwand? Und was hat es damit auf sich? Und wo ist die Person geblieben?“
Viele Fragen, aber kaum Antworten.

Prinzipiell geht es um eine Geisterfrau, die ihre verlorenen Gegenstände zurück will und die jeweiligen Finder mit einem Fluch belegt oder sie ins Nichts verschleppt.
So ergeht es auch Nanas kleiner Schwester, die eine Zugfahrkarte findet und kurz darauf spurlos verschwindet. Gemeinsam mit einem Zugführer, einer Mitschülerin und einer einäugigen Mutter kommt sie dem Geheimnis der Zugtunnel auf die Spur.

In den ersten Minuten weckt das Geschehen durchaus Interesse, wenn ein Junge eine Fahrkarte findet, kurz darauf von der schwarzgekleideten Geisterfrau aus dem Zug gezogen wird, um danach seiner eigenen Mutter als Dämon zu erscheinen. Doch dieser Dämon ward anschließend einfach nicht mehr gesehen.
Und genauso fahrig verliert sich die zunächst geradlinige Erzählweise.
Man wechselt zum Zugführer, der wegen einer Gestalt auf den Schienen bremste und Nanas verschwundene Schwester zu sehen glaubte. Zum Kern der Handlung kann er aber vorerst nichts beitragen, so taucht er passagenweise völlig unter.
Ähnlich verhält es sich mit Kanae, der Mitschülerin unserer Heldin. Weil sie einen Armring trägt, der im Zug gefunden, aber als gekauft ausgegeben wurde, bekommt sie den nicht mehr ab und wird fortan ebenfalls von der Geisterfrau verfolgt.
Sprunghaft wechselt man von einer Figur zur anderen, ohne aus den einzelnen Passagen etwas mitnehmen zu können.

Bei alledem will bis zum Finale überhaupt kein Tempo aufkommen. Nur selten taucht die Geisterfrau auf, zischt ihr ewiges „Gib es zurück“, um die Protagonisten zu erschrecken, was dem erfahrenen Asia-Grusel-Publikum beileibe keinen Schauer mehr über den Rücken jagt.
Auch die übrigen Schock – und Gruseleffekte sind abgestanden, bis einfach schlecht inszeniert. Erstmal tauchen während der kompletten Laufzeit lediglich zwei Szenen auf, die man als Darstellung von Gewalt einordnen könnte und alles andere wiederholt sich einfach nur.
Man hat schon zu oft gesehen, dass sich Fotos, die Freunde zeigen, immer dann verändern, wenn denen etwas Übles widerfährt.
Auch Kinder, die erst mit gesenktem Kopf, danach mit entstelltem Gesicht erscheinen, bringen da nicht viel Schaudern, - obgleich die Gestaltung der dämonischen Fratzen noch als gelungen bezeichnet werden kann.

Erst in den letzten Minuten, als man gemeinsam gegen den Fluch antritt, spürt man, was bis dahin möglich gewesen wäre.
Denn urplötzlich erhalten die Kulissen einen leicht surrealen Touch mit Leichenberg und tiefem Schlund. Plötzlich bewegen sich die Figuren wahrnehmbar und sehen sich einer Gefahr ausgesetzt, - man könnte schon fast von spannenden Momenten sprechen, wenn einige Szenen denn wenigstens Sinn ergäben und Fragen beantworteten.
Doch am Ende wirkt alles halbgar zusammengeflickt, viele Zusammenhänge ergeben keine nachvollziehbare Logik und wenn Erklärungen fehlen, bedient man sich hanebüchener Ausflüchte, die schon fast in den Fantasybereich hineinreichen.

Was bleibt, ist mit Erika Sawajiri eine halbwegs brauchbare Hauptdarstellerin, die ein oder andere atmosphärische Szene im Untergrund und eine annehmbare Sounduntermalung.
Zum Mitfiebern reicht es aber von vorne bis fast hinten nicht, da das Drehbuch nur Bruchstückhaftes liefert und mit sinnvollen Erklärungen nichts am Hut hat.
Müde, tempoarm und unausgegoren, - das hat mich alles nicht so recht angesprochen.
3 von 10

Details
Ähnliche Filme