Review

Was macht ein Regisseur, der gerade eine der qualitativ hochwertigsten Rachetrilogien der neueren Vergangenheit abgedreht hat? Setzt er dem ganzen noch die Krone auf, indem er einen harten Thriller hinterher schiebt?
Vielleicht mancher, aber nicht wenn er sich geschlaucht und vergiftet fühlt, wie Park Chan Wook nach seiner Trilogie. Ausgelaugt und Abgehärtet.
Es ist an der Zeit für eine leichte Brise, eine Abwechslung, um wieder frische Kraft zu tanken.
Und genau das tut er hier auch mit "I'm a Cyborg, but that's ok", wohl noch nie war Park Chan Wook so verspielt wie er es hier ist.
Und doch....

Aber erst mal zum Film:
Er ist wie immer bei PCW wunderschön anzusehen, hat verschiedenste Spielerien auf der optischen Ebene und er ist augenscheinlich ein Prestige-Objekt, das teuer gedreht wurde. Die CGI sind auf jeden Fall für so eine kleine (von der Story her) Independent-Produktion sehr anspruchsvoll.
Wieder einmal scheint es so zu sein, da er das Aushängeschild seines Landes ist, dass er Carte Blanche hatte, und sich frei ausgetobt hat.
Und wie schon damals mit Sympathy for Mr Vengeance ist dieser Film anders als man es von PCW erwarten würde. Es ist eine skurrile Liebesgeschichte, die in einer Irrenanstalt statt findet, erinnert an manchen Szenen an die skurrilen Johnny Depp-Filme aus seiner Independent-Zeit oder an die fantastischen Filme von Emir Kusturica.
Sehr häufig balanciert er seine Story am Trash vorbei, an der Tragödie und an der Langeweile, immer ganz knapp, manchmal sogar am Psycho-Thriller. Denn eigentlich will ja die Protagonistin alle Ärzte und Personal der Anstalt erschiessen.... Und doch ist sie so süß, dass es einem egal ist.
Irgendwie geht die Geschichte auch dann noch weiter wenn man denkt, dass es jetzt aber mal langsam vorbei sein sollte, nur um dann am Ende doch zu früh zu enden.
Die Bilder, die einem da aufgetischt werden vermischen sehr häufig Traumsequenzen mit surrealem Einfluß und tatsächlichen Ereignissen, so dass man nicht immer weiß, was vor sich geht.
Und grandios ist auf jeden Fall der Einfall, in dem der männliche Protagonist alle möglichen Utensilien und Eigenschaften von den Mitpatienten "klaut", um dann mit der Protagonistin singend und jodelnd (!!!! in einem koreanischen Film!!!) - und das nicht mal schlecht!!! - über die Berge zu fliegen.
Nun denn, um es vorweg zu nehmen, irgendwie hat der Film dann natürlich, da es ja leichte Kost sein will, irgendwie auch ein Happy End.
Ja, irgendwie....
Und das bringt uns nun wieder zu Park Chan Wook...

PCW ist ein begnadeter Regisseur, der nicht nur ein grandioses differenziertes Rache-Epos geschaffen hat, sondern gleichzeitig auch intellektuell sein Publikum immer wieder fordert, manchmal auch überfordert. Einfach hat er es seinem Publikum eigentlich nie gemacht. Das liegt wohl auch nicht in seiner Art.
Sieht man Interviews mit ihm, hat man mitunter das Gefühl, einen Autorenfilmer vor sich zu haben, der auch mal verquere oder zumindest etwas diskussionswürdige Ansichten zur Gesellschaft
an den Mann bringen will. Man muß seine Ansichten nicht teilen, um anzuerkennen, dass er was von seiner Arbeit versteht.
Aber er ist halt ein sehr starker Kopfmensch (Bitte merken....)

Wenn so einer also versucht, verspielt in der Gegend herum zu wüten, so wird er dies mit Sicherheit vorher alles durch exzerziert haben, also im Prinzip das genaue Gegenteil von verspielt. Sehr häufig läuft man dann Gefahr albern zu wirken. PCW läuft diese Gefahr nicht, keine Sorge, aber er überstrapaziert hier und da mal eine gute Idee mit seiner in die Länge gezogenen Ausführung einer Idee (so zum Beispiel der eingebildete Amoklauf unseres Cyborgs, der merh als nur einmal statt findet). Das ist teilweise so, als würde er uns die sache mit dem Holzhammer einzubläuen versuchen.
Andere Situationen auf der anderen Seite deutet er nur ansatzweise an, da er von seinem Publikum das Mitdenken verlangt.
Andere talentierte Regisseure standen auch schon häufig vor einem ähnlichen Problem: Sergio Leones Revoluzzerschinken Todesmelodie ist anfangs vie zu geschwätzig und anspruchsvoll als dass es komödiantisch rüberkommen würde. Quentin Tarantinos Death Proof ist in keinster Weise in der Lage, ein Grindhouse-Movie (billiger Sex-Action-Trash-Exploitation-Film der 60er und 70er) zu reproduzieren, eher reproduziert sich QT selbst. Von John Huston gibt es sogar mit Ausnahme von African Queen auch keine einzige leichte Komödie - und wer Weißer Jäger, Schwarzes Herz gesehen hat, weiß auch, dass der Film eugentlich auch gar kein Happy End haben sollte.
Alle diese Filme von diesen Regisseuren sind überdurchschnittlich gut, nur halt schwerer verdaulich als Popcorn-Kino, da sie qualitativ halt auf einer anderen Ebene spielen. So auch PCW...

In keinster Weise wird jemals die Unbekümmertheit einer launig frischen Sommerkomödie erreicht, immer bleibt der fahle Beigeschmack des intellektuellen Arthouse-Kinos beibehalten.
Keine Frage, gut ist I'm a Cyborg but that's ok mit Sicherheit, aber es ist auf der anderen Seite auch nicht im Geringsten Verwunderlich, dass er noch keinen deutschen Verleih gefunden hat, auch wenn der Film es absolut verdienen würde, und auch sein Publikum finden würde, wenn auch ein anderes als das bisherige Publikum PCW's. Weil Fans seiner Rache-Trilogie sind mit Sicherheit nicht unbedingt die Zielgruppe dieses Films, eher Fans von solchen Filmen wie Arizona Dream, Benny and Joone oder Science of Sleep, Stranger than Fiction, vielleicht sogar Einer flog über's Kuckucksnest.

Kategorisierung in ein Punktesystem ist bei diesem Film mitunter sehr schwer, da er eigentlich zu gut für Mittelmaß ist, aber zu seltsam für ganz große Wertung ist.

Hmm, fassen wir mal zusammen:
Skurril, Süß, Niedlich, mit ernsten Untertönen, manchmal etwas lang, am Ende zu kurz, nichts für Kinder, nichts für "Erwachsene" (soll heißen Lurchis, die zum Lachen erst mal in den Keller gehen müssen), Melancholisch, Intelligent, Nicht ganz Einfach...

 Aber das Lächeln auf meinem Gesicht, wenn ich noch heute an den Film denke, macht es dann doch einfacher: 8 Punkte

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