Review

Einen wahrhaftigen B-Action-Schatz hab ich auch mit dem dritten Experiment noch nicht gehoben, aber man erfreut sich ja auch an Kleinigkeiten wie dem Lorenzo-Lamas-Klopper "Viper", der zumindest das Prädikat verliehen bekommt, ihn ohne größere Migräneanfälle durchschauen zu können.
Knappe 90 Minuten aus der Hölle der 90er-Jahre, als alle Baddies diese weiten, schlecht sitzenden Anzüge trugen und daher sich schon als Idealziele im Film anboten.

Gut, der Plot ist auch diesmal nicht hitverdächtig, aber die Story vom guten Ex-Cop, der schon mal in den Knast für seinen semi-kriminellen Bruder ging und ihm diesmal erneut vor einem Verbrecherkartell den Podex retten muß, ist zumindest ausreichend abgehangen, um leicht durchgekaut werden zu können.
Lamas ist natürlich der toughe Hero, der mit Kindern spielt und gern Cola und Wasser trinkt, wenn er nicht gerade die Unterwelt dezimiert - und das muß er natürlich, denn der jüngere Sprößling (ganz der verhätschelte Benjamin) hat mafiöses Geld aus einer Kartellbank entliehen und es prompt an einen Bauernfänger beim nächsten Landkauf verloren. Joe Son, ein schön massive Asiate, der sonst immer nur die rechte Hand spielen darf (und im ersten Austin Powers Bekanntschaft mit einer Penissaugpumpe machen durfte), spielt hier mal den Top Guy, der ungefähr 200 Kleiderständer mit dicken Wummen ins Feld führt, um a) die Kohle wieder zu beschaffen und b) die liebe Family unseres Helden samt ihm selbst auszulöschen. Das geht dank vieler alter Knastfreunde natürlich in die Hose, wenn auch die freundlichen Helferlein der Reihe nach ins Gras beißen müssen.

Das windschiefe Rachekonstrukt wickelt sich praktisch von selbst ab, allein die guten Kampfsportkünste Lamas' werden allzu oft gegen große Kaliber eingetauscht und so flext man mit reichlich Blutpacks auch Legionen von Finstermännern aus der Bahn, da hat der Fan seinen Spaß.
Wo es hapert, ist diesmal die moralische Seite, denn Brüderle ist ein kerniges Windei, der immer noch Ränke schmiedet, wenn ihm der Arsch schon brennt und ungefähr 5000 Kugeln versiebt, ohne mal einen Widersacher zu treffen, was uns zu der Frage bringt, warum Lamas' Ex-Uschi (die hier fürs Besorgtdreinschauen und Rauchen bezahlt wurde) ausgerechnet den abgegriffen hat.
Noch fragwürdiger ist, warum man den Sack überhaupt retten muß, wenn stattdessen die ganzen netten Knastkumpels, der Daddy und auch noch das blonde Bügelbrett aus der Stripbar dafür draufgehen müssen.

Das ist dann aber die einzige Ungerechtigkeit, denn nachdem uns in den ersten 15 Minuten erstmal reichlich Nippel um die Nase wehen, gehts dann zunehmend brutal zur Sache, doch jede menschenverachtende Ballerei ist gar nichts gegen den Showdown, in dem gleich eine ganze Hundertschaft zwischen explodierenden Fässern jodeln Lorenze in die Schußbahn läuft - so schön dämlich Selbstaufopferung sieht man sonst nur im Barbarenfilm.
Im Finale bemühen wir dann wieder mal die Kampfsportkünste und wenn ich sage, daß es da ein kunsteisbenebeltes Brodelbecken gibt, über dem man rumturnt, dann ist der Drops ja wohl schon gelutscht.

Lamas, der tatsächlich den Gesichtsausdruck mehrfach wechselt, ist jetzt nicht echt engagiert dabei, will aber wenigstens nicht auf Teufel komm raus lustig sein, wenn es das nun mal nicht ist und Regisseur Tibor Takacs, der vor Urzeiten mal als Talent für kleine feine Filme galt, hat hier auch noch nicht ganz die Lust verloren, gute Bilder abzuliefern.
Insofern also ein brachialer Standard aus dem Actionkasterl, das man an den Figurenausschnittkanten noch etwas schärfer hätte schnitzen können, ansonsten ist hier die Fresse dick und die Hemden ventiliert, darum gehts doch. Bloß keine Botschaften: 5 B-Punkte (5/10)

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