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Beschreiben wir ihn einmal wie folgt: Acht Jahre alt, braunes Haar – braver Schnitt, dunkle, stechende Augen, er trägt ein weißes Hemd mit schwarzer Weste darüber und fällt nicht nur durch eine stocksteife Körperhaltung auf. In „Das Omen“ hieß er Damien, hier heißt er David.
Deutliche Parallelen oder gar direkte Kopien bekannter Szenen sind nicht von der Hand zu weisen und doch besticht die einfach gestrickte Geschichte mit einer gut getimten, sorgfältigen Inszenierung und ordentlichen Spannungsmomenten.

Die Entführer um Max (Josh Holloway) konnten ja nicht ahnen, was für einen Satansbraten sie sich mit David in die abgelegene Hütte im verschneiten nirgendwo, nahe Maine holen würden. Nicht nur die Absprachen mit dem ominösen Auftraggeber laufen aus dem Ruder, denn nach einem tödlich endenden Herzinfarkt eines Gangsters scheinen dunkle Mächte die Erpresser gegenseitig auszuspielen.

In der Tat sieht ein selbsternannter Engel beileibe ein wenig anders aus, als dieses durchtriebene Blag. Bereits die von Panik getriebene Frau im Intro, die von pechschwarzen Wölfen durch den Wald gehetzt und dann, kurz vor dem Rettungspunkt einer Baustelle, von einem Auto erfasst wird, lässt einen teuflischen Hintergrund vermuten.
Und so spielt David unter der scheinbaren Gewalt der Gangster seine dunklen Mächte aus, die gegen Ende eine etwas schwammige Erklärung erfahren.

David konfrontiert einen Entführer mit Details aus seiner kriminellen Vergangenheit, die eigentlich niemand wissen kann, gleiches gilt für das Intimleben einer Gangster-Verlobten, was innerhalb eines Dreiergespanns für arges Misstrauen sorgt. Darüber hinaus schürt der Bengel bei einigen Schurken Paranoia, indem er Visionen und Alpträume in deren Verstand einnistet, was das titelgebende Flüstern im Raum zunehmend vorantreibt. Und wenn man eventuell an Informationen über den Auftraggeber kommen könnte, lässt er per Telepathie mal eben ein Werkzeug von oben herabfallen, - Ähnliches ist Gregory Peck seinerzeit auch widerfahren.

Doch auch wenn man diesem Konzept nicht allzu viel Eigenständigkeit konstatieren kann, es sorgt innerhalb der Umsetzung für spannende Szenen, ab und an sogar für Gänsehaut.
Etwa, als jemand aus der Dusche steigt und einen knurrenden Wolf in der Hütte bemerkt und sich daraufhin in die Ecke verkrümelt oder David kurzzeitig aus der Bewachung flieht und einen der Gangster auf den gefrorenen See lockt.
Unheimlich hingegen der Einsatz der Wölfe, toter Raben und der Tatsache, dass David, nachdem er die Gesichter der Gangster gesehen hat, eine detailgetreue Zeichnung der Typen an der Wand anfertigt.

Zwischenzeitlich wird die Besatzung der Entführer dezimiert, was auf völlig unblutige Weise geschieht, allerdings auch nicht allzu spektakulär, da hätte man sich phasenweise ein ideenreicheres Vorgehen gewünscht, was auch das ordentliche Finale, mit fliegenden Requisiten, Erscheinen mehrerer Wölfe und Austricksen der visuellen Wahrnehmung nicht so recht auszugleichen vermag.

Dennoch überzeugt der Streifen insgesamt mit Kurzweil, solidem Handwerk eines Regieneulings und gut agierenden Darstellern wie Michael Rooker und Josh Holloway als Entführer, die auch mit etwas oberflächlicher Charakterzeichnung ihre Partie sehr solide meistern. Ein Lob geht indes an die Wahl für Blake Woodruff als abgebrühter Wicht, denn er neigt nie zum Overacting und garniert sein teuflisches Treiben mit zynischen Kommentaren ohne dabei zu nerven oder unglaubwürdig zu erscheinen.

Was auf den ersten Blick also wie eine austauschbare und geklaute Kombination aus „Das Omen“ und „Kevin - Allein zu Haus“ erscheint, entpuppt sich rasch als gelungener Beitrag des etwas übersinnlichen Horrors, der sowohl Fans des altmodischen Gruselns, als auch Genre-Neulinge ansprechen könnte.
Zumal die rund 90 Minuten schon allein aufgrund des Settings zum winterlichen Kuscheln unter der Decke einladen und SIE sich im Nachhinein gewiss nicht über plagende Alpträume beschweren wird. Auch schön.
7,5 von 10

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