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Manchmal haben Menschen so eine Vorahnung von einem tragischen Ereignis.

Ich erinnere mich, dass meine Uroma mir einmal erzählte, wie eine Uhr stehen blieb und sie ahnte, dass etwas Schlimmes geschehen sein müsste. Kurz darauf erhielt sie die Nachricht, dass ihr jüngster Sohn tödlich mit dem Rad verunglückt sei. Die Uhr blieb zum Zeitpunkt seines Todes stehen. Und normalerweise glaubte sie nie an „übersinnlichen Hokuspokus“.

Vielleicht erinnert das Hollywooddebüt des deutschen Regisseurs Mennan Yapo deshalb ein wenig an „Butterfly Effect“: Habe ich die Möglichkeit, ein vorbestimmtes Ereignis zu verändern, muss ich eine Kettenreaktion in Kauf nehmen. Komplizierter wird es jedoch, wenn ich zwar irgendwann weiß, an welchen Wochentagen etwas geschehen wird, jedoch nicht, welcher nun gerade heute ist.

Klingt erstmal furchtbar verwirrend und entsprechend gestaltet sich das zunächst für den Zuschauer und Hauptfigur Linda (Sandra Bullock). Denn eigentlich ist ihre Welt in Ordnung: Tolles Haus, netter Gatte, zwei süße Töchter. Doch eines Tages übermittelt ihr ein Cop die schreckliche Nachricht, dass ihr Mann Jim bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei.
Als sie am nächsten Morgen erwacht, ist jedoch alles beim alten: Jim ist unversehrt und Linda scheint einen Alptraum gehabt zu haben. Als sie wiederum am darauf folgenden Tag erwacht, befinden sich bereits die Trauergäste in ihrer Wohnung.
Was ist nun Realität, was Vorahnung und wie kann Linda Jims Schicksal entgegenwirken?

Der Stoff macht es einem Hobbykritiker nicht gerade leicht, ohne nennenswerte Spoiler auszukommen. Sind das nun alles Zeitsprünge, parallel ablaufende Realitäten, Visionen oder ist es gar eine einzige surreale Welt der Hauptfigur?
Zunächst ist man mindestens genauso verwirrt wie Linda, die sämtliche Begebenheiten bei vollem Bewusstsein und mit Erinnerung an Vorangegangenes erlebt.
Bis sie sich auf einem Kalender einen chronologischen Ablauf markiert, um die Tage bestimmen zu können, denn an einem Mittwoch starb/stirbt Jim und es gilt, Ereignisse drumherum zu verändern.

Auch wenn dem Betrachter ein „Mind Fuck“ der anstrengenden Sorte beschert wird, - es macht verdammt Spaß, ihn zu entdröseln.
Denn neben dem tödlichen Autounfall Jims, geben auch kleinere Ereignisse Rätsel auf.
Warum hat Lindas ältere Tochter tiefe Schnitte im Gesicht, was hat es mit dem toten Vogel in der Mülltonne auf sich, welche Rolle spielt ein Psychiater und hatte Jim womöglich eine Affäre mit einer Arbeitskollegin?

Dabei fügt sich natürlich nicht gleich alles in chronologisch präsentierter Abfolge zusammen. Als Linda dem Cop das erste Mal begegnet, übermittelt er ihr die Todesbotschaft. Eine Szene später hat Linda auch fast einen Unfall und derselbe Cop schaut freundlich zu ihr ins Auto, - wie bei der ersten Begegnung.
Oder der Psychiater: Einmal sorgt er dafür, dass Linda in Gewahrsam genommen und auf dem Bett festgebunden wird, später trifft sie ihn scheinbar erstmals, um ihm ihre schizophren anmutende Situation zu schildern.
Eine Menge Verwirrung.

Und trotz unterhaltsamen Miträtselns entstehen mitunter nicht geringe Plot Holes.
Von Logiklücken (Glastür mit Sticker dran oder nicht) über derbe Unwahrscheinlichkeiten (ein risikoreiches Wendemanöver) scheint das Script an einigen Stellen nicht sorgfältig genug ausgearbeitet worden zu sein.

Zudem stellen sich kleinere Längen ein, wann immer Lisa und Jim allein im Mittelpunkt stehen. Auch eine Szene, in der Linda bei einem Priester um Rat bittet, hätte nicht ganz so kitschig ausfallen müssen (ebenso, wie die allerletzte Einstellung nicht nötig gewesen wäre).

Etwas deplatziert äußert sich auch der ansonsten wohlklingende Score von Klaus Badelt. Etwa, wenn sich Linda der Person hinter einem Duschvorhang nähert und sicher sein kann, dass dies Jim ist, ertönt die Musik, als würde ein Killer mit Messer dahinter lauern.

Aber zum Ausgleich gibt es ja noch Sandra Bullock, die darstellerisch fast komplett im Mittelpunkt steht. Mal davon abgesehen, dass die Frau für Jahrgang 1964 noch immer recht knusprig aussieht, kann sie die zumeist verzweifelten und leicht depressiven Emotionen ihrer Figur glaubhaft rüberbringen.
In Nebenrollen punkten ferner Amber Valletta als eventuelle Affäre und Peter Stormare als Psychiater. Julian McMahon bleibt als Ehemann Jim hingegen etwas blass.

Doch was ist nun mit Linda und ihrer scheinbaren Parallelwelt?
Kann eine düstere Vorahnung die erkalteten Gefühle zum Partner noch einmal stärken? Oder kann man am Ende seinem Schicksal doch nicht entgehen, sondern nur lernen, damit umzugehen?
Gewiss werden diese Fragen beantwortet, auch wenn dabei kleinere und größere Logiklücken entstehen. Wer aber seit „Sixth Sense“ mit Beiträgen dieser Art seinen Spaß hatte, sollte definitiv einen Blick riskieren.

Nicht immer ganz rund, manchmal auch recht verwirrend, doch gegen Ende mit ordentlichem Drive und einer nicht unbedingt zu erwartenden Auflösung.
Insgesamt recht unterhaltsame Vorahnungen,
7 von 10

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