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„Decoy“ ist die zweite Regiearbeite des Regisseurs Vittorio Rambaldi, der zuvor noch den Affenhorror „Primal Rage“ drehte und danach weitestgehend in der Versenkung verschwand. Für „Decoy“ konnte er immerhin zwei bekannte B-Stars als Leads gewinnen.
John Wellington (Peter Breck) hat ein Problem: Er hat den Gangster Jenner (Scott Hylands) bei einem Geschäft betrogen. Dieser will nun mit 50 Millionen Dollar entschädigt werden – andernfalls entführt er Johns Tochter Diana (Darlene Vogel). Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, überfällt seine Goon Squad unter der Leitung von Katya (Charlotte Lewis) Wellingtons Anwesen als Machtdemonstration. Man fragt sich, ob das nicht einfacher gegangen wäre, aber immerhin gibt das eine nette Auftaktactionsequenz, mit der man auch mal etwas Zeit überbrückt, denn danach geht die Actionkurve erst einmal herunter.
Denn zuerst lernt der Zuschauer die beiden Profis näher kennen, die Wellington zum Schutz Dianas anheuert. Gut, eigentlich es nur der Söldner Jack Travis (Robert Patrick), der den Auftrag aber nur unter der Bedingung annimmt, dass er seinen Freund Baxter (Peter Weller) als Partner mitnehmen darf. Man erfährt, dass Wellington, Jenner, Jack und Baxter schon zuvor miteinander zu tun hatten, was auch die erste Sequenz verdeutlicht – eine Rückblende, in der Baxter Jack vor Jahren aus den Fängen Jenners befreite. Baxter hat sich seitdem zurückgezogen, lebt in einer Hütte, von der aus allerdings mit Spekulationen auf mehreren Rechnern gleichzeitig Aktiengewinne macht, andrerseits aber ein spiritueller Naturbursche, der eine alte Indianerin als Bedienstete und Seelenverwandte gleichermaßen bei sich wohnen hat.

Der Name Jenner bringt Baxter dann doch an Bord, denn er möchte seinem Peiniger von einst einen auswischen. Also verstecken sich Jack, Baxter und Diana in den Wäldern, doch schon bald ist ihnen die Killerhorde unter Katyas Führung auf der Spur…
„Decoy“ profitiert auf jeden Fall von seinen beiden Leads, die nicht nur großartig harmonieren, sondern auch mit ihren etwas schrägen Rollen glänzen können: Robert Patrick ist der frühere Gepeinigte, der sich überwinden muss, Peter Weller die seltsame Mischung aus hartem Krieger und New-Age-Öko-Hippie. Die beiden spielen sich hervorragend die Bälle zu und gehören zu den Gewinnen des Films. Auch die Schurkenriege hat mit Anführer Scott Hylands, seiner rechten Hand Charlotte und Vladimir Kulich als Vollstrecker ein paar charismatische Mimen zu bieten, während sich auch Peter Breck und Darlene Vogel in weiteren wichtigen Rollen durchaus überzeugend anstellen.
Sonst hat man hier fast das kleine Einmaleins eines typischen B-Actioners der 1990er: Der schurkische Gangsterboss als Gegner, die in Leder gekleidete Killerin als dessen rechte Hand, die Superwumme der Bösen (die dann kaum anders als ein normales Maschinengewehr funktioniert), der Stichwaffeneinsatz, damit man nicht nur Einschüsse als Härten hat. Interessant ist die Handkameraarbeit, mit der Regisseur Rambaldi und Kameramann Jon Kranhouse bereits Jahre vor der Bourne-Reihe ein Mittendrin-statt-nur-dabei-Gefühl erzeugen wollen, das Ganze aber weniger elaboriert und weniger subtil als die duftmarkensetzende Spionage-Reihe machen – manchmal wirkt die Inszenierung unbeholfen und verwackelt statt involvierend.

Außerdem leidet der Film unter dem geringen Baddie-Angebot, weshalb bei vielen Actionszenen Luftlöcherschießen bzw. bleihaltige Waldrodung angesagt ist, aber keiner stirbt. Die Action ist meist kleiner skaliert und eher kurzer Natur, wobei einige Szenen wie die Busverfolgungsjagd oder der Sprung von der Brücke mit ihrem Aufwand klar herausragen. Am besten kommt der Showdown daher, in dem das dynamische Duo in einem Bürokomplex mit ein paar Gegnern mehr aufräumt, es einen coolen Stickfight und ein paar nette Gegner-Beseitigungen gibt.
Rambaldi drückt während des Films immerhin ordentlich aufs Gas, sodass man sich am Ende wundert, dass rund 90 Minuten um sind, obwohl kaum etwas Signifikantes passiert ist. Sonderlich spannend ist das nicht, die Überraschung des Films verrät eigentlich schon der Titel, nur das ungewöhnliche Ende kommt unerwartet, kann aber nicht lange nachwirken. Außerdem muss man damit leben, dass das Budget nicht gerade üppig war, was sich auch an den sich stets gleichbleibenden Kulissen äußert.

Geneigte B-Actionfans können sich „Decoy“ durchaus geben, denn die beiden Hauptdarsteller machen Laune, die Schurken sind gut gecastet und einzelne Actionszenen wie der Showdown haben durchaus Power. Aber lange satt macht „Decoy“ nicht, denn leider ist die Action etwas sparsam gesät, das Schurkenaufkommen gering und sonderlich spannend ist das Ganze nicht, auch wenn Rambaldi dies durch das hohe Tempo etwas kompensiert.

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