Review

Einer der wenigen Versuche der DDR auf dem Sektor SF-Film stellt die hochinteressante Verfilmung „Der schweigende Stern“ dar, der auf dem Roman „Die Astronauten“ von Stanislav Lem basiert.
Lem postuliert dort die Reise eines wissenschaftlichen Teams zur Venus, als anhand einer Magnetspule von einem fremden Planeten ersichtlich wird, dass die Venusianer offenbar Böses im Schilde führen. Auf unserem Nachbarplaneten angekommen sehen sie sich merkwürdigen Bauten, seltsamen Phänomenen und den Resten einer fremdartigen Zivilisation gegenüber, die sich wohl anscheinend versehentlich selbst vernichtet hat.

Was die sechs Autoren des Films schließlich daraus fabriziert haben, hat nur noch wenig Ähnlichkeit mit Lems Strukturen, auch wenn man das Konstrukt der Story gerettet hat.
Während Lem mit Figurenzeichnung ein wenig hadert, dafür aber ein paar physikalische Phänomene zaubert, die dem Leser vor Einfallsreichtum die Puschen ausziehen (auch wenn der Roman längst nicht mehr up to date ist), ergeht sich die Verfilmung in wiederholten Warnungen vor Atombomben und den damit verbundenen Ängsten.

Zwar ist die Menschheit im Film inzwischen befriedet, aber kleine Spitzen kann sich der Film nicht ersparen, wenn etwa Europa, Osten, Ferner Osten und Afrika flott zusammenarbeiten, der Amerikaner allerdings von einem hinter ihm stehenden Konsortium (offensichtlich die NASA, ein Haufen alter, konspirativer Männer) nicht unterstützt wird, weil die Russen ihr Raumschiff eher fertig haben.
An Bord arbeitet man dann auch fern jeglicher Ressentiments miteinander, wie man sich das jenseits der eisernen Vorhangs immer so gern gewünscht hat (und hier auch, wenn wir ehrlich sind). Natürlich geht das nicht ohne persönliche Schicksale ab, hier einen Bruder auf dem Mond verloren, dort so verstrahlt, dass man keine Babys bekommen kann.

Wenn auch die Absichten gut sind, heutzutage kann man nur noch grinsen über Aus- und Absichten der Figuren, weswegen man sich auch auf die Story konzentrieren sollte.
Die jedoch wird durch solche Einwürfe oft nur gestreckt, obwohl zur Bewertung die nur 80minütige TV-Fassung vorlag (das Original ist noch 45 länger, obwohl der Film so schon zähl wirkt). Die aufregenden Ideen Lems verkommen in einer recht zähen Inszenierung, in der die mitreisenden Wissenschaftler immer nach und nach erklären müssen, was wir jetzt sehen oder sehen sollten (ein Fehler, den schon Lem im Buch macht).

Highlight des Films ist die Venus selbst, bei der man nie so recht weiß, ob man das als Schrott abtun oder als Trash feiern soll.
Eine düstere, unmenschliche Landschaft, psychedelisch leuchtende Schwaden in der Luft und allüberall zeigen sich die Überreste von Technik und Strukturen, die kein Mensch begreift: ein gläserner Wald, Metallspinnen (an deutlichen Fäden), lange Schläuche, eine schlammartige energetische Masse, Trümmertürme und Ruinen.
Obwohl das als Gemisch aus Rückprojektion, Miniaturbauten und Hallenkonstruktion gebastelt wurde, sieht es gar nicht übel aus, vor allem der Angriff des Schlamms ist sehr spannend.
Die beste und unheimlichste Szene zeigt die Protagonisten in ihrem Venusgefährt (ein sehr langsamer Trabbi in einer neuen Verschalung, möchte man schätzen), wie sie an einer Felswand die eingebrannten Schatten der Venusier sehen, die die Atomkräfte umgebracht haben.

Am Ende hilft nur Opfermut gegen ein mörderisches Magnetfeld, bei dem die knackigsten Charaktere auch noch draufgehen dürfen, samt triumphaler, wenn auch müder Rückkehr zur Erde, wo natürlich noch mal deutlich gewarnt wird, während die Mitarbeiter alle bunte Overalls mit großem T (wohl für Techniker) und A (Aufsicht?) tragen und aussehen wie die Guten und die Bösen in einem 007-Schlußkampf.

Am Ende weiß man nicht, ob man die Macher für die Produktion bewundern oder auslachen soll, aber die meisten Effekte sind brauchbar und gut improvisiert (wenn man auch den kleinen sprechenden Roboter kaum verstehen kann), dafür die Menschen um so statischer und die gefühlvollen Szenen einfach aufgesetzt. Dass es an einem Spannungsfaden und an Struktur fehlt, um ein wirklich dauerhaft spannendes Erlebnis draus zu machen, zieht den Film leider etwas unter Durchschnitt, aber als Zeitdokument sollte man sich die Möglichkeit, ihn anzusehen, nicht entgehen lassen. (4/10)

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