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Die folgende Kritik beinhaltet SPOILER!

In der Normandie, gegen Ende des 2. Weltkriegs, verliebt sich der anständige Widerstandskämpfer Robert Desgrieux (Michel Auclair) in die junge Manon Lescaut (Cécile Aubry), welche von den erzürnten Dorfbewohnern beschuldigt wird, mit den Nazis kollaboriert zu haben. Die beiden gedenken zu heiraten & träumen von einem angenehmen Leben in Paris. Dass es dazu nicht kommen wird, erfahren wir bereits zu Beginn, als das sich auf der Flucht befindliche Paar in einem Schiff aufgegriffen wird...

Ein düsteres, freudloses Noir-Drama von Henri-Georges Clouzot über eine toxische Liebe, die ins Verderben führt. Manon mag eine unschuldig wirkende & engelhaft aussehende Kindfrau sein & sie scheint Robert auch tatsächlich zu lieben, doch der Drang nach Reichtum torpediert die Gefühle der in armen Verhältnissen aufgewachsenen Frau. "Ich kann nicht lieben, wenn ich kein Geld habe", meint sie an einer Stelle. Dass Manon ihren Körper verkauft, führt fast zum Bruch. Die Femme fatale ist sich ihres schäbigen Verhaltens bewusst ("Ich weiß, wie schlecht ich bin"), kann aber nicht aus ihrer Haut, die nach Luxus lechzt.

Und dann kommen die letzten 15 - 20 Minuten. Nichts, absolut nichts, was davor passiert ist, kann einen auf dieses wuchtige, an die Nieren gehende Finale vorbereiten, welches unser Pärchen vom Paradies (ganz kurz) direkt in die Hölle (elendig lang) führt, in eine karge, trostlose, apokalyptisch anmutende Landschaft, die alles ist, nur nicht lebensfreundlich. Das einzige positive Element des Martyriums ist, dass Robert & Manon vereint sind & es auch bleiben, mit dem Wermutstropfen, dass sie diese Gemeinsamkeit nicht (lange) erleben. Und obwohl Manon alles andere als eine Sympathieträgerin ist, so hatte ich bei ihrem Tod doch Tränen in den Augen.

9,5/10

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