Man erwartete ja nicht mehr viel von Hugh Grant - der Mann leidet an chronischer Arbeitsmüdigkeit, hält sein Image einigermaßen aufpoliert und haut so alle 1-2 Jahre mal einen Film raus, damit man ihn nicht ganz vergißt. Gerade mal einmal im letzten Jahrzehnt hat er etwas riskiert und das war ausgerechnet in der erfolgsarmen Prestigekomödie "American Dreamz", ansonsten bastelt Grant weiter an seinem Romcom-Flair und spielt weiterhin den etwas naiv-charmanten, wenn auch tumb neben der Spur laufenden Knuffelbär mit der vertrottelten, aber liebenswerten Note, den er nun schon 15 Jahre kultiviert.
"Mitten ins Herz" markiert dann aber doch eine Zäsur zur akuten Lustlosigkeit. "Two Weeks Notice", der 2002er-Grant hatte mit Sandra Bullock ja noch eine starke Partnerin zu bieten und daß er den nächsten Richard Curtis-Film ("Love, Actually") auslassen würde, damit hatte eh keiner gerechnet, genauso wenig wie eine Bridget-Jones-Fortsetzung, aber als tragendes Comeback ist "Music and Lyrics" dann wirklich etwas dürftig. Das ist schade, denn Drew Barrymore hat ebenfalls durchaus Talent zur etwas schusseligen Komik als verquere junge Frau, doch gerade die Ähnlichkeit der beiden öfters präsentierten Figuren verfängt in diesem Film nicht.
Ein gewisser Reiz ist sicher da, Grant als erfolglose Hälfte eines WHAM-angelehnten Ex-Duos namens "Pop" zu casten, der ein Vierteljahrhundert nach seiner Ruhmeszeit immer noch unverdrossen über Volkfeste mit 2-3 Hits tingelt und inzwischen mittelalte Muttis kurz vor der Menopause heiß macht, aber ihn mit der fast 15 Jahre jüngeren Barrymore zu paaren, funktioniert nie so ganz.
Dabei zieht hier jeder sein Ding durch, arbeitet hart an dem Skript von Mark Lawrence (der schon bei "Two Weeks Notice" auf dem Regiestuhl saß und es bei den "Morgans" wieder tun sollte), doch der Funke will nicht überspringen. Vielleicht auch, weil es kaum Konflikte und kein richtiges Zentrum in diesem Film gibt. Beide sind etwas seltsam, etwas schwierig - und passen überhaupt nicht zusammen. Sie hilft ihm bei den lyrics für seinen Comebacksong für eine junge Sängerin, die wie ein Amalgan aus Madonna, Shakira und Britney wirkt, nebenbei versucht er ihr bei ihrem Literaturtrauma zu helfen, das ungemein gewollt und forciert wirkt, dann kriegen sie sich etwas (aber auch nur ein bißchen) über eine zusätzliche Strophe in die Haare, verlieben sich mal mehr und mal weniger und als es dann aufs Ganze geht (Konzertsaal, Zuschauermasse, Gesang..."About a Boy" anyone?), da kriegt er die Kurve und sie gibt ihm ihren Segen.
Die Story ist schlicht tralala und lebt an der Schmerzgrenze von amüsanten Bissen, die zumeist Grant streuen darf, der seinen ätzend-angepaßten Oberklassenhumor hier mal an einen normalen Menschen verschwendet und an seinem alternden Popidol wohl viel Freude hatte. Zumeist reden beide gleichzeitig und aneinander vorbei, lächeln viel, tauschen nette Oneliner und es gibt tatsächlich eine nicht geringe Zuschauergruppe (überwiegend, weiblich, mittelalt, mäßig anspruchsvoll), die so etwas dann für einen enorm lustigen und zu Herzen gehenden Film hält, eben weil man an ihm nicht schwer zu schlucken hat.
Und es macht auch Freude, Grant selbst ein paar Popsongs trällern zu hören, die schwer nach Wham und Spandau Ballet knödeln, allein sättigen kann das angesichts wesentlich besserer Beiträge zum britischen Understatementhumor nicht.
Hier soll wirklich niemandem Böses angetan werden, keine wirkliche Spitze, keine beißende Businesskritik, vielmehr nehmen sich die Figuren zumeist selbst aufs Korn, das kann zwar auch amüsant sein, entbindet den Film jedoch nicht vom eklatanten Mangel an Exitenznachweisen. Heute gesehen, morgen vergessen, eine Allzweckwaffe gegen die traurigen oder langweiligen fünf Minuten, allein funkeln will das Ganze nicht. Nennen wir es doch Kleenex-Komödie... (5/10)