Review

Die nicht abebben wollende Schwemme überflüssiger DTV-Sequels kredenzt dem geneigten Zuschauer mit „Walking Tall 2“ nun einen furchtbar belanglosen, aber wenigstens solide inszenierten und nicht im öden Osteuropa abgedrehten Neuaufguss des kommerziell wenig erfolgreichen Remakes, das als The Rock – Vehikel seinerzeit deutlich hinter den Erwartungen blieb. Mit seiner, wenn auch zahm ausgeprägten, Old School – Mentalität konnte es aber noch einige Fans auf seine Seite ziehen.
Für die in Auftrag gegebene Fortsetzung verpflichtete B-Movie-Produzent Andrew Stevens im Dienste Sonys Ex-Model Kevin Sorbo als mauen Ersatz. Der immer sympathische Mime hatte seine beste Zeit in Sam Raimis „Hercules: The Legendary Journeys“, hält sich seitdem aber nur mühsam über Wasser, wird auch nicht jünger und dürfte für diese Rolle dankbar gewesen sein. Sein früheres Charisma hatte er ohnehin schon vor langer Zeit auf der Andromeda ins Weltall gebeamt.

In 85 Minuten verfährt Regisseur Tripp Reed („Rapid Exchange“, „Manticore“) nach dem unglaublich einfallslosen Drehbuch von Steven Seagals Haus- und Hofschreiberling Joe Halpin („Into the Sun“, „Shadow Man“) wenigstens kurz und knapp nach bewährtem Prinzip ohne Schnörkel. Man geht die Schose ja ohnehin.
In Nicks Heimatstadt terrorisiert ein großmäuliger Lokalgangster die Einwohner, um ihnen zu Spottpreisen ihr gesamtes Hab und Gut abzukaufen. Wer nicht spurt, der wird erst eingeschüchtert und dann halt umgebracht. Ein Grundstücksmagnat aus der großen Stadt ist mit ihm im Bund und hält ihm den Rücken frei, weil er seine Geschäftsinteressen gewahrt wissen möchte. Als Nicks Vater, der dortige Sheriff, dem Treiben ein Ende setzen will und ermordet wird, kehrt Nick zurück um reinen Tisch zu machen.

Was sich nach einem straighten Actioner in altgedienter Manier anhört, entpuppt sich als relativ eintönige Revenge-Story, in deren Verlauf Nick eigentlich noch viel zu beherrscht agiert anstatt den lauten Otto zu machen.
Neben einigen halbgaren Explosionen, formschönen Kloppereien, einer kurzen Verfolgungsjagd und einem feurigen Finale, das dezent an Western gemahnt, bietet „Walking Tall 2“ dem Action-Fan leider nichts allzu viel Sehenswertes an. Und wenn es dann endlich mal rund geht, wirkt das Gezeigte ganz frei von Effet und einer attraktiven Choreographie wie eine hastig heruntergekurbelte Pflichtaufgabe. War es ja auch. Auch aufgrund der total vorhersehbaren Geschichte wird der Film seinen puren Kommerzcharakter deshalb nie los, denn so sehen mit Leidenschaft inszenierte Filme selten aus.

Sitzfleisch braucht man trotzdem nicht, doch „Walking Tall 2“ gehört zu diesen Filmen, bei denen man sich ständig an bessere Genreverwandte erinnert fühlt, die die selbe simple Prämisse doch wesentlich schmissiger anzugehen wussten und damit dem Publikum ein paar schöne Stunden schenkten.
Wenigstens zeugen Optik, Ausstattung und Schauplätze von einem moderaten Budget, wobei ich nicht einmal glaube, dass alle Explosionen auch wirklich für diesen Film gedreht wurden.


Fazit:
Ich bin wirklich einer der letzten, der sich darüber mokieren würde, dass altbewährte Grundideen wieder aufgegriffen werden, aber „Walking Tall 2“ rechtfertigt sein Sequel-Dasein in keinster Weise. Sicherlich von Sony ausgeschrieben und dann von Andrew Stevens initiiert, stinkt der Film 10 Meter gegen den Wind, wie so ziemlich jede DVD-Fortsetzung, die ein Kinofilm in den letzten Jahren über sich ergehen lassen musste.
Sicherlich formell überaus professionell, aber genauso überflüssig und belanglos. Autor Joe Halpin versucht der bekannten Ausgangslage erst gar nicht neue Seiten abzugewinnen, sondern verwurstet nur längst bekannte Ideen wieder und wieder.
Bevor man vor langer Weile umkommt, kann ein Blick riskiert werden, ansonsten Finger weg. „Walking Tall 2“ krankt an den üblichen Symptomen jener DTV-Sequels. Außerdem mangelt es an Drive, guter Action und Tempo. Man darf gespannt sein, welche Franchise Sony als nächstes ausplündert.

Teil 3 wurde übrigens back to back gedreht und befindet sich schon in den Startlöchern. Kevin Sorbos nächste Aufgabe wird einen ähnlichen Verlauf nehmen. Irgendwie ganz schön langweilig.

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