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DVD-Fortsetzungen von mehr oder weniger erfolgreichen Kinofilmen sind bekanntlich sind der neue Trend der Traumfabrik. „Walking Tall“ mit dem Wrestler The Rock blieb 2004 zwar hinter den finanziellen Einspielerwartungen zurück, wurde aber von Genrefans aufgrund seines Härtegrades und der knallharten Action gefeiert.
Also versucht Soney Home Entertainment aus diesem Fakt noch ein paar Dollar zu machen und gab nicht nur eine, sondern gleich zwei Fortsetzungen für den Videomarkt in Auftrag. Wer das hört denkt nichts Gutes - doch aufgrund der Tatsache, dass man das Projekt dem erfahrenen Produzent Andrew Stevens (Ex-Eigner von Royal Oaks & Franchise Pictures) anvertraute, dürfte zumindest ein halbwegs ansehbares Endprodukt entstehen. Denn im Sektor der B-Actioner kennt sich der Mann aus. Hauptdarsteller Kevin Sorbo ist hingegen nur den wenigsten Filmkennern ein Begriff.

Storymäßig bewegt man sich bei „Walking Tall 2 – The Payback“ auf abgelatschen Pfaden. Eine US-Kleinstadt wird von bösen Buben terrorisiert, welche die Bewohner von ihren Grundstücken vertreiben wollen. Der ansässige Sheriff versucht dies zu unterbinden, wird jedoch ebenso wie manche Einwohner abgemurkst. Sein Sohn kehrt nun in die Heimatstadt zurück um mal ordentlich aufzuräumen...

Außer den deutlich auffallenden Ähnlichkeiten in der Kleinstadt-wird-bedroht-Story hat diese DTV-Produktion absolut nichts gemeinsam mit ihrem Vorgänger. Ein komplett neuer Cast, ein neuer Regisseur und neue Produzenten - immerhin ist die Fortsetzung etwas länger als der erste Film (dieser war mit knapp 75 Minuten Netto-Laufzeit auch unverschämt kurz). Es lässt sich auch nicht bestreiten, dass das Ganze astrein und sauber inszeniert wurde. Die Optik stimmt, Regisseur Tripp Reed und sein Kameramann Jas Shelton liefern einige für diese Budget-Klasse nicht zu erwartende Bilder und fangen die Atmosphäre und das Flair der US-Südstaaten lobenswert gut ein (der Vorspann ist sehr gelungen).

Ein echter Hingucker ist die Verfolgungsjagd auf dem Highway zu Beginn des Films. Dynamisch gefilmt, technisch sauber und gekonnt inszeniert und mit sehenswerten Autostunts gesegnet. Ein echter Hingucker und deutlicher Beweis, dass hier Leute mit Ahnung am Werk waren. Die wenigen Explosionen sehen auch ganz annehmbar aus und sind zur Abwechslung auch selsbt gedreht. Ansonsten ist die Action meist nur semi-spektakulär und kommt auch nur recht sparsam und wohl dosiert als Abwechslung zur 08/15-Rache-Story. Das ist alles ohne Frage schön anzusehen, reißt einen aber auch nicht vom Hocker. Genre-Durchschnitt eben – auch wenn man dafür dankbar sein muss, schließlich gibt es in letzter Zeit nur noch wenige gelungene Actionfilme aus der zweiten Liga.

Kevin Sorbo macht bei den Kloppereien eine erstaunlich gute Figur, den rauen Kerl kauft man ihm durchaus ab – auch wenn er nicht die Klasse von The Rock erreicht. Trotzdem fügt er sich ganz annehmbar in den Film und die Story, deren Härtegrad nicht ohne ist. Denn wie die bösen Jungs hier zu Werke gehen, ist schon ziemlich brutal. Oneliner gibts zu Genüge und so fühlt sich der Actionfan wie zu Hause. Das Ganze erinnert schon ein wenig an alte Tage und hat sogar den Hauch eines modernen Western, alles in allem fehlt jedoch die zündende Idee.

Erfreulich ist, dass der Film nicht im öden Osteuropa, sondern tatsächlich in Texas gedreht wurde (Osteuropa hätte sich für diese Story auch nicht wirklich geeignet). Geld scheint bei dieser Produktion wirklich da gewesen sein, leider ändert dies nichts an der einfältigen Story vom Reißbrett.

Zum Ende des Films nimmt auch die Story nochmal an Fahrt auf, ohne dabei auch nur annähernd ein Klischee auszulassen und Haudegen Prescott schlüpft – ganz in texanischer Manier – in die Rolle des Cowboys samt Pferd als Fortbewegungsmittel. Beinhart geht es zur Sache, auch wenn das Ganze schon fast lächerliche Züge annimmt. Die Westernzeit ist vorbei – so oder so. Zu loben gilt es noch AJ Buckley, der den sadistischen Psychopath Harvey mit Bravour verkörpert und dabei dem immer gleich guckenden Kevin Sorbo schon fast die Show stiehlt. Die restliche Besetzung bewegt sich, genau wie der Film, im Durchschnitt. Nicht schlecht, aber eben auch nicht wirklich gut.


Fazit:
Kein misslungener, aber auch kein hervorragender B-Actioner, dessen Story zu wenig Neues bietet. Die Actionszenen sind durchweg gelungen, wenn auch spärlich gesäht und der Hauptdarsteller kann sogar halbwegs überzeugen. Spannung oder Innovation des Genres jedoch sucht man vergebens – dennoch darf man das Sequel als guten Durchschnitt bezeichnen. Über die Daseinsberechtigung dieser und ähnlicher Produktionen darf jeder selbst entscheiden. Actionfans können jedoch aufgrund der blitzsauberen Inszenierung zugreifen und der dritte Teil kann kommen.

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