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Steve Buscemi spielt einen Journalisten, der vom Polit-Bereich unter Anderem aufgrund seines Alkoholproblems in die Boulevard-Sparte verlegt wurde, was ihm natürlich sauer aufstößt. Nun soll er eine junge Schauspielerin, gespielt von Sienna Miller, interviewen, die das Gespräch schließlich in beidseitigem Einvernehmen abbricht, als sie von ihrem Gegenüber erfährt, dass dieser eigentlich gar keine Lust auf das Interview hat. Durch einen zufälligen Autounfall kommt es zum erneuten Gespräch der beiden in der Wohnung des Starlets, das deutlich intensiver wird, als der erste Interview-Versuch.

Basierend auf dem gleichnamigen Film von Theo van Gogh brachte Steve Buscemi mehr oder weniger im Alleingang als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller die amerikanische Neuverfilmung von "Interview" heraus. Dabei stellt Buscemi, der unter Anderem durch seine Rollen in "Reservoir Dogs" und "Fargo" bekannt ist, unter Beweis, dass er nicht nur ein guter Schauspieler ist, sondern auch ein konsequenter und souveräner Filmmacher.

So ist "Interview" ein gelungenes Kammerspiel geworden, was letztlich der guten Grundidee zu verdanken ist. Da hätten wir also die beiden Charaktere, die beide dunkle Geheimnisse haben, im Grunde sogar als schlechte, abscheuliche Menschen bezeichnet werden können. Der Reporter hat es nicht so mit der journalistischen Sorgfaltspflicht, hat dazu ein Alkoholproblem und setzt alles daran, sein Gegenüber, das er absolut herabwertend behandelt zu demaskieren und mit einem möglichen Skandal Aufmerksamkeit zu erregen. Auf der anderen Seite das etwas eingebildete Starlet, das sich gekonnt verstellt und bewusst mit dem Journalisten zu spielen scheint.

Während des Interviews entwickelt das Gespräch der beiden schließlich nach und nach eine starke Eigendynamik, was letztlich auf die mitunter fesselnden Dialoge zurückzuführen ist, die durchweg für gelungene Unterhaltung sorgen, wobei Buscemi permanent auf das überraschende Finale hinarbeitet, das den Film schließlich mit einer unvorhergesehenen Überraschung gelungen abrundet. Das Kammerspiel hält seine Spannung durchweg, weil man nie so recht weiß, wer nun wen an der Nase herumführt, wer ehrlich ist und wer nur sein Spiel spielt, aus welchem Grund auch immer. Dabei schleichen sich weder Redundanz noch Monotonie ein, sodass der Film durch den zentralen Dialog durchweg getragen wird.

Inszenatorisch leistet Buscemi solide Arbeit und treibt sein Kammerspiel langsam aber kontinuierlich voran und zeigt die notwendige Konsequenz für das unkonventionelle Projekt, das er beinahe über die volle Laufzeit am selben Ort spielen lässt. Dabei zeigt er aber auch keine inszenatorischen Kniffe, die "Interview" zu einem wirklich schillernden Film machen würden, so fehlen zum einen die ganz großen Momente, zum anderen wirkt das Projekt über die volle Laufzeit wie ein kleiner Independentfilm, aber dies muss ja auch nichts schlechtes sein.

Und auch darstellerisch zeigt Steve Buscemi sein volles Talent. Er spielt auch diesen zwielichtigen Charakter vollkommen überzeugend und undurchsichtig, wobei er derart präsent ist, dass man sich ihm kaum entziehen kann. Bei der finalen Beichte wirkt er anschließend derart gebrochen, dass er trotz allem noch Mitleid erregt. Dass Steve Buscemi ein starker Charakterdarsteller ist, ist aber nun nicht gerade ein Geheimnis, viel überraschender ist da der ebenso starke Auftritt von Sienna Miller. Sie spielt das eingebildete Starlet vollkommen überzeugend und bietet ihrem Gegenüber gekonnt Paroli, wobei sie auch die Gefühlsausbrüche perfekt auf die Leinwand bringt, genauso, wie die Versuche den Journalisten durch plumpe Anmachversuche zu verunsichern und auch ihr finales Geständnis könnte kaum emotionaler sein.

Fazit:
"Interview" ist ein unterhaltsames Kammerspiel, das von seinen starken Dialogen, den interessanten Hauptfiguren und seinen beiden hervorragenden Hauptdarstellern lebt und damit auf jeden Fall eine Empfehlung wert ist. Letztlich ist Buscemis Werk aber auch ein kleiner Independentfilm, bei dem es für die ganz großen Momente und Szenen nicht ganz reicht.

73% 

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