Ankündigungen von Remakes verleiten Fans schon von je her nicht unbedingt zu Freudensprüngen. So wurde auch die Ankündigung mit Skepsis aufgenommen, dass man „The Hitcher“ einer Generalüberholung unterziehen wollte um ihn für die neue Generation fit zu machen. An den Kinokassen erlitt der Film einen Crash, was vielleicht auch an die doch eher verhaltenen Kritiken zurückzuführen ist. Doch ist das Remake wirklich so schlecht geworden?
Story: Frühjahrsferien am College. Was liegt daher näher als zum alljährlichen Spring-Break zu fahren? Das denken sich auch Jim und seine Freundin Grace und ruckzuck befindet man sich auf einem Road Trip gen Süden. Auf ihren Weg nehmen die beiden den Anhalter John Ryder mit, welcher auf den ersten Blick einen netten Eindruck macht. Doch der gute Eindruck verpufft bald. Kaum auf der Straße zeigt John sein wahres Gesicht und entpuppt sich als Wahnsinniger welcher von nun an den beiden Studenten nach dem Leben trachtet. Für Jim und Grace werden die Ferien zu einem wahren Höllentrip.
Der 1986 gedrehte Thriller „The Hitcher“ mit Hollandexport Rutger Hauer avancierte über die Jahre zu einem kleinen Kultfilm. Actionspezi Michael Bay sah das Potential was in dem Film steckte und zusammen mit Rogue Pictures gab er das Remake in Auftrag. Das man bei Rogue Pictures weiß wie man erfolgreiche Stoffe neu aufbereitet hat man mit dem tollen Remake zu John Carpenters „Assault on Precinct 13“ bewiesen. So sollte einem erfolgreichen Film nichts im Wege stehen. Auf den Regiestuhl nahm Dave Meyers platz, welche vorher lediglich Musikvideos für „The Offspring“ oder „Creed“ drehte.
Anders als bei anderen Remakes versuchte man keine Neuinterpretation, sondern hielt sich stark an das Original. Man erlaubte sich zwar hin und wieder ein paar Freiheiten, doch die wichtigsten Szenen und Handlungsabläufe übernahm man aus dem Originalfilm. Sei es nun der Mord an der Familie oder dem Blutbad im Polizeirevier und auch die wohl berühmteste Szene aus dem 86er „Hitcher“ wurde hier natürlich aufgegriffen: Die Szene in der Jennifer Jason Leigh zwischen den Trucks hängt. Wobei man hier dem männlichen Hauptdarsteller Jim den grausamen Tod sterben lies.
Meyers macht seine Arbeit ziemlich gut und schafft es mit dem ersten Auftreten des Hitchers eine bedrückende Atmosphäre aufzubauen und dem Film einen konstanten Spannungsbogen zu geben. „The Hitcher“ weißt keinerlei Längen auf und lässt zu keiner Minute auch nur einen Funken Langeweile aufkommen, wozu auch die recht kurze Laufzeit von knapp 80 Minuten beigetragen hat. Man kann sagen es passiert wirklich ständig etwas. Die Terrorszenen sind hervorragend in Szene gesetzt und auch an graphische Gewalt gibt es einiges zu sehen.
Hier reicht die Palette von blutigen Leichen über blutigen Kopfschüssen bis hin zu aufgeschlitzten Kehlen. Die schon erwähnte Szene in der Jim zwischen den Trucks hängt bildet dann den Höhepunkt und wurde auch verdammt hart inszeniert und der Zuschauer wird hier Zeuge wie sein Körper in zwei gerissen wird.
Der Cast ist großartig. Für die Rolle der beiden Teens hat man Zachary Knighton und Sophia Bush gecastet. Knighton liefert eine mehr als solide Darstellung ab und Sophia Bush kann auch mehr als nur hübsch auszusehen. Für die Rolle des Hitchers besetzte man niemand geringeres als Sean Bean. Doch kann er Rutger Hauer das Wasser reichen? Ja, er kann. Bean verkörpert den Hitcher echt gut und leistet als hervorragende Performance als kranker Psychopath. Hauer ist zwar besser, aber Sean Bean kommt schon recht nahe an dessen Leistung ran.
Doch um nun auf die Frage aus der Einleitung zurückzukommen. Ist der Film nun schlecht? Nein, ist er nicht. Bei weitem nicht. Denn Dave Meyers hat alles richtig gemacht. Sein Film ist spannend, atmosphärisch, hart und toll besetzt. Warum der Film nun gefloppt ist kann ich mir beim besten Willen nicht erklären und „The Hitcher“ wird definitiv den Weg in meine DVD Sammlung finden. Wirklich einer der besten Actionfilme der letzten Zeit.