Und weiter mit den Remakes, auch wenn das Original kaum Möglichkeiten zur Verbesserung hergibt. Denn anno 1986 schuf Robert Harmon bereits einen kleinen Meilenstein des Highway-Horrors, setzte gekonnt auf Atmosphäre und die allgegenwärtige Bedrohung durch einen Psychokiller.
Aber man kennt das ja, Michael Bay und das schnell verdiente Geld, da setzt man einen Regiedebütanten ein, der sich eigentlich nur mit Musikclips auskennt und das Ganze ordentlich glatt poliert. Kann man sich ansehen, doch es fehlt das Individuelle, zumal einem, wenn man das Original kennt, inhaltlich nichts Neues geboten wird.
Dabei wirken sich die kleinen Veränderungen am Script auch nicht unbedingt positiv aus. Sah sich im Original C. Thomas Howell einem eiskalten Rutger Hauer ausgeliefert, schickt man diesmal direkt ein Studentenpaar auf den Highway um New Mexiko.
In regennasser Nacht begegnet man dem Fremden erstmals, doch der Fahrgast zückt ein Messer und nur mit Mühe kann man den Irren aus dem Auto kicken. Doch dieser lässt sich nicht abwimmeln, sorgt im Verlauf für einige Leichen rund um den Highway und lässt es für die Cops sogar so aussehen, als wären die Studenten die verantwortlichen Killer.
Flüssig erzählt wird das Ganze, innerhalb der kurzen Laufzeit entstehen keinerlei Längen und doch packt das Geschehen nur bedingt. Mit der Charakterisierung der Figuren geht man kaum in die Tiefe, ein fesselndes Psychoduell bleibt aus. Während im Original die 1:1 Situation einige Beklemmungen verursachte, tröstet sich hier ein Paar gegenseitig und scheint vom Killer ohne besonderen Grund für sein Spiel auserwählt.
Zu Beginn setzt man eher auf klaustrophobische Stimmung, später dominieren Action und vor allem detaillierte Gewaltdarstellungen, - die berühmte LKW-Szene zeigt offenkundig, was sich damals lediglich im Kopf des Zuschauers abgespielt hat.
Trotz expliziter Szenen (teilweise auch aufgrund derer) bleibt die Atmosphäre jedoch ein wenig auf der Strecke.
Die Schauplätze wirken visuell arg gestylt, ihnen fehlt einerseits das Dreckige und andererseits vermitteln sie kaum das Gefühl, in einer bedrohlichen Situation auf sich allein gestellt zu sein.
Dafür arbeitet der Score zu schwach und auch der erfreuliche Einspieler von Nine Inch Nails „Closer“ bringt das Geschehen stimmungsmäßig kaum voran.
Nun hofft man bei einem Remake ja vor allem, dass die Story noch einmal überarbeitet wurde, so dass auch ein alter Hase noch überrascht werden kann, doch leider bleiben erhoffte Plot Twists aus. Wer das Original kennt, wird hier rein gar nicht überrascht werden, der Ablauf gestaltet sich vorhersehbar und auch kleinere inhaltliche Veränderungen sorgen kaum für Spannung.
Anders dürfte es den Zuschauern ergehen, die diesen Stoff erstmals betrachten, denn an Drive mangelt es der Erzählung gewiss nicht, auch wenn die angesprochene Oberflächlichkeit der Charaktere ein auffallendes Manko bleibt.
Auf darstellerischer Seite kann man nicht meckern. Sean Bean müht sich zwar nicht sonderlich und kann auch keineswegs mit einem Rutger Hauer mithalten, das unberechenbare Auftreten als Killer gelingt ihm aber ganz gut. Eine positivere Überraschung stellt Sophia Bush da, die als kämpferische Studentin ordentlich performt und ihren Kollegen Zachary Knighton locker an die Wand spielt, der zu unscheinbar und manchmal etwas blass auftritt.
Insgesamt bietet „Hitcher“ ganz passable Unterhaltung, verläuft flüssig, bietet neben ordentlich inszenierter Action auch so manche Blutszene, doch das Potential der Story wird nicht vollkommen ausgeschöpft. Hier mangelt es primär am fehlenden Psychoduell der Figuren und der beklemmenden Atmosphäre, die das Original aufwies.
Für sich stehend betrachtet ein brauchbarer Film, als Remake allerdings ziemlich unnötig.
6 von 10