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Die Quintessenz der Funktionalität – so könnte man den Eindruck beschreiben, der einem bei dem aktuellen Remake des 80er-Horror-Klassikers „The Hitcher“ überkommt. Fatalerweise deutet schon im Vorspann die Beteiligung Michael Bays als Produzent an, was uns in diesem Destillat erwartet: nichts mit Geschmack.

Und so kommt es denn auch unausweichlich.
Schön durchkalkuliert und seelenlos.

Regisseur Dave Meyers ist anerkannter Videoclipregisseur, was auf dem Spielfilmsektor allerdings schon lange keine Auszeichnung ist, sondern nur noch eine Bestätigung für „style without substance“.
Also gibt es schicke Bilder und jede Menge Tempo zu erwarten…
…und so geschieht es.

Das Autorentrio hat aus der innovativ-abgründigen Vorlage (der Originalautor war an der Selbstverstümmelung offenbar auch noch selbst beteiligt) alles herausgestrichen, was die spezielle Qualität des Originals war, vor allem die Gegensätzlichkeit dieses modernen Horrorfilms, in dem die Opfer sich endlich einmal NICHT in dunklen Räumen und verwinkelten Ecken einem Mörder erwehren müssen, sondern auch in der endlosen Weite New Mexicos den Angriffen eines Serienkillers ausgesetzt sind, der die letzten Posten der Zivilisation in einem perversen Spiel gnadenlos ausradiert. Licht und Weite als Fluch – auf diese simple Rechnung lässt es das Remake gar nicht erst ankommen.

Schnell und druckvoll muß es gehen, der nicht mal 90minütige Film hakt mit einer geradezu sensationellen Geschwindigkeit Szene auf Szene ab, in der das jugendliche Studentenpärchen immer tiefer ins Schlamassel rutscht. Hauptsache, die Zuschauer kommen nicht zu Atem, dann fällt auch keinem auf, dass etwa unsere Hauptfiguren so wenig Charakterzeichnung besitzen, dass es uns kackegal sein dürfte, ob und wann sie ins Gras beißen.

Aber damit nicht genug: auch der Anhalter selbst büßt fast sämtliche Substanz ein.
War Rutger Hauer im Original ein unheimliches Enigma, ein Monument der Untiefen, der ein satanisches Spiel mit C.Thomas Howell aufzog, durch welches dieser nicht durchstieg, wird dieser Punkt sogar noch weiter vernachlässigt.
Sean Bean, von der Physionomie durchaus passend als unheimlicher Brutalo, sondern hier nur noch undechiffrierbare Worthülsen ab und verkommt zum sinnfreien, funktionalen Nihilismus, denn irgendwer muß ja die Teenies jagen, Motivation überflüssig.

Inhaltlich ist aber sonst einfach alles übernommen worden, vom Diner über das Polizeistationsmassaker bis zur Truckzerreißprobe eines der Protagonisten. Eingekocht bis zum Gehtnichtmehr gibt es ein paar Autocrash, diverse Mordopfer (allerdings war hier die Schere am Werk) und reichlich Blut und Hektik, was ggf. wenigstens noch der Zielgruppe entgegenkommt, nämlich Fastfood-Zuschauern knapp über der Volljährigkeitsgrenze und mit laufender ADS-Therapie.

Man kann sich also knappe 80 Minuten von dem Ergebnis beballern lassen und von der Dauerpower anschließend sich 10 debile Grinsminuten machen (ehe man das Gesehene komplett vergisst) oder sich diesen Teenieaufguß ganz sparen und den eher ruhigen, aber wirklich sehenswerten Klassiker besorgen.
Für diesen faden Burger gibt’s nur 3/10.

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