Neben dem jährlichen Sommerbluckbuster verdingt sich Action-Spezialist Michael Bay auch als Produzent von Neuaufgüssen alter Horror- und Thrill-Klassiker („Texas Chainsaw Massacre“, „Amityville Horror“), die bei Kritikern zwar nur mäßig ankommen, aber dank zahlender Teenies die Kinokassen klingeln lassen. „The Hitcher“ ist ein Remake aus den 80ern – Sean Bean ersetzt Rutger Hauer und etwas besseres konnte dem Projekt nicht passieren. Denn der Brite liefert, wie so oft, eine brillante Vorstellung und macht aus der Urlaubsfahrt eines Liebespaars den blanken Highway-Horror.
Zwei Studenten, ein Oldsmobile 442 als fahrbarer Untersatz – und ein irrsinnger Killer mitten in der Einöde New Mexico/USA.
Mehr braucht ein Thriller heutzutage nicht – und Regie-Neuling Dave Meyers macht daraus einen typischen amerikanischen Horrorthriller, wie ihn das junge Publikum sehen will. Optisch orientiert sich der Regisseur dann auch direkt an Michael Bay – Videoclip-Ästhetik, schnelle Schnitte, pralle Farben. Das Ganze sieht richtig klasse aus und macht richtig Spaß.
Doch leider gibt’s auch die Kehrseite – der Inhalt. Klar handelt es sich um ein Remake, aber leider ist das Ganze sehr sehr vorhersehbar. Ich persönlich kenne das Original nicht und so wird es auch dem jungen Publikum gehen, an das sich der Film richtet. Aber mit- und erraten lässt sich die Story leider Gottes auch so. Positiv ist die Kurzweiligkeit, denn von Anfang an gehts hier knallhart zur Sache, temporeich und fesselnd – trotz Klischees.
Der Film verlässt sich auf Sean Bean und der spielt den Psychopathen mit Bravour – sein Motiv bleibt bis zum Ende völlig offen bzw. wird auch da nicht wirklich plausibel. Das unterstreicht die Krankheit des „Hitchers“.
Schockmomente gibt es wenige, man verlässt sich ganz auf den Nervenkitzel und zeigt außer der LKW-Szene nur wenig körperliche Gewalt. Das soll jedoch nicht heißen, dass es sich um einen Kindergeburtstag handelt. Die beklemmende Atmosphäre der beiden Studenten Grace und Jim wird überdeutlich und das verdeutlicht, dass es sich nicht nur um einen faden Aufguss für die MTV-Generation handelt. Klar ist der Film auf Grund seiner (gelungenen) Optik dort einzuordnen, aber er gibt mehr her als man vermuten mag.
Zwischendurch gibts Bay-typische Carstunts und Highway-Karambolagen, die recht hübsch anzusehen sind. Der Showdown hat seinen Namen wirklich verdient und ist packend und actionreich inszeniert. Ohne Kompromisse – und das ist auch gut so. Selten hat mir ein Remake so gut gefallen. „The Hitcher“ ist eine schöne Abwechslung zu den aktuellen Slashern und Horrorpornos, welche die Leinwände überfluten. Hier wird fast ausschließlich auf Thrill, Atmosphäre und Nervenkitzel gesetzt. Dies gelingt durchweg und ist der große Pluspunkt des Films. Blutleer geht es jedoch dennoch nicht zu. Die Shoot-Outs sind blutig, Kopfschüsse keine Seltenheit. Man merkt sie eben doch, die Handschrift des Michael Bay. Auch wenn er „nur“ als Produzent fungierte, man erkennt deutlich die Merkmale, die Bay-Filme normalerweise auszeichnen. Schaden tut dies dem Remake keinesfalls.
Fazit:
Sean Bean rettet den Film und so reicht es für „The Hitcher“ zum überdurchschnittlichen Thriller, der ohne Kompromisse und sinnloses Geplänkel direkt zur Sache kommt – und das nicht grade zimperlich. Der Härtegrad ist nicht ohne, die Spannung wird bis zum Schluss aufrecht erhalten und die Jungdarsteller um Glanzpunkt Sean Bean liefern gute Leistungen. Nur die Story ist eben zu durchschaubar um aus dem heutigen Einheitsbrei heraus zustechen. Spannend ist’s trotzdem. Ein kurzweiliger und packender Thriller, der gut unterhält.