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Neben allerhand Neuauflagen von Splatter-Klassikern kam im Zuge von Michael Bays Remake-Schmiede auch dieser Genre-Geheimtipp in neuem Gewand ins Kino: Ende der 80er hatte Rutger Hauer als ebenso namen- wie gnadenloser "Hitcher - Der Highwaykiller" für Angst und Schrecken gesorgt. Für das neue Jahrtausend wurde die Story etwas erweitert. Jetzt geht es um ein junges Pärchen, das den Psychopathen unwissend im Auto mitnimmt und ihn bald nicht mehr los wird. Eine Spur aus Tod und Verwüstung hinter sich herziehend, beginnt ein knallhartes Duell zwischen den dreien.

Die Grundstory hat sich auch im Remake einiges von ihrer Unbequemlichkeit bewahrt. Die Anonymität und Grundlosigkeit der grausamen Gewalt, die vom Killer ausgeht, sorgt auch hier für ein mulmiges Gefühl. Und Sean Bean macht seine Sache richtig gut, gibt den Irren mit dem finsteren Grinsen als geradezu dämonisches Monster, das wie nebenbei ganze Familien abschlachtet. Seine düstere Präsenz verleiht dem Film noch die mit Abstand intensivsten Szenen.

Allerdings gibt es davon nicht allzu viele. Denn wo das Original noch mit konsequenter Härte und Kompromisslosigkeit punktete, ergeht sich das Remake in altbekannten Stereotypen und Handlungsmustern. Das fängt schon mit dem jungen, attraktiven Pärchen an, das durch einsame Gegenden einem austauschbaren Ziel entgegenfährt und dort nie ankommt. Irgendwie scheint sich "The Hitcher" dabei nicht für ein Genre entscheiden zu können: Anfangs dominieren typische Teenie-Slasher-Motive (der unheimliche Fremde, die verlassene Landschaft, gruselige Szenen im Dunkeln), dann kommen immer mehr kurzweilige Actionsequenzen zum Tragen, bevor es im Finale noch einen Hauch von mystischer Verklärung und ein altbewährtes Rache-Shootout gibt. Auch der Rutger Hauer-Film ließ sich nicht eindeutig einordnen, nutzte diese Freiheit aber zu seinem Vorteil. Das Remake wirkt die ganze Zeit eher unentschlossen.

Und lustlos dazu. Da steht der Killer nachts im strömenden Regen auf der Straße und taucht auch immer wieder an den unmöglichsten Orten auf - solcherlei Klischees kennt der Fan zur Genüge aus zahlreichen Horrorstreifen. Anstatt auf Atmosphäre setzt "The Hitcher" auf billige Schocks, anstatt auf eine ausgefeilte Dramaturgie auf ausgelutschte Storyentwicklungen, anstatt auf heftige Gewalt auf sadistische Grausamkeit, wobei bis auf das Finale die Gewalt meist nur angedeutet wird: Allenthalben liegen blutverschmierte Leichen herum, wenn der Killer unterwegs und gleich wieder verschwunden ist.

Überhaupt wirken viele einzelne Elemente nicht wirklich zusammengehörig. So wird die düstere Grundatmosphäre in einer Szene völlig ausgehebelt, wenn der Killer im Alleingang mit seinem Sportwagen eine ganze Polizei-Armada ausschaltet (inklusive Helikopter!) und dabei von hipper Pop- und Rock-Musik begleitet wird. Bei dem Versuch, ihn als dämonische, ungreifbare Gefahr zu inszenieren, entgleitet den Drehbuchschreibern auch die innere Dichte der Story. So wirkt alles ziemlich belanglos und beliebig, zwar nicht immer vorhersehbar, aber aufgrund seiner Sinnlosigkeit zu keinem Zeitpunkt wirklich spannend. Klischeehafte, kaum beachtete Nebenfiguren und völlig zweckfreie Szenen verstärken diesen Effekt noch (das Auto, das wie aus dem Nichts vor den beiden Teenies von einer Klippe herabstürzt).

Sean Bean überzeugt als unheimlicher Psychopath und die verlassenen Highway-Landschaften der USA sind immer noch eine dankbare Kulisse, aber angesichts der blassen Story, billigen Schockeffekte und unausgegorenen Dramaturgie kann das Remake eines der heftigsten Killer-Reißer kaum überzeugen. Ein paar stylishe Actionszenen allein reichen eben nicht!

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