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Stan Laurel und Oliver Hardy hatten schon ein paar kurze Tonfilme gedreht-mit kurz sind im Grunde immer ca. 20 Minuten gemeint. Bei vorliegendem Film-ihrem zweiten des Jahres 1930-versuchten sie erstmals, sich an einer halben Stunde auszuprobieren. Man könnte eventuell denken, dass dies den Spielfluss beeinträchtigen könnte, aber nicht im Fall von Blotto, mit dem sie ein weiteres Mal ein absolutes Meisterwerk hinlegten.

Offiziell Regie führte wiedermal James Parrott. Er war der Bruder von Charly Chase, der damals ebenfalls ein populärer amerikanischer Komiker war und manchmal auch mit Laurel&Hardy drehte, so z.B. 1933 Sons Of The Desert (Die Wüstensöhne)-einen der bekanntesten Filme des Duos, und der leider schon sehr früh verstarb.
Überhaupt gesellten sich zu solchen Kurzfilmen immer relativ illustre Namen, die einige Zeit später selbst zu Weltstars wurden. So schrieb auch hier Leo McCarey-der spätere zweifache Regie-Oscargewinner, 1938 für The Awful Truth (Die Schreckliche Wahrheit) mit Cary Grant und Irene Dunne und 1945 für Going My Way (Der Weg Zum Glück) mit Bing Crosby-am Buch mit und hinter der Kamera agierte George Stevens-1952 Regie-Oscar für A Place In The Sun (Ein Platz An Der Sonne) mit Montgomery Clift und Elizabeth Taylor.

In Blotto müssen unsere Freunde einmal mehr versuchen, die unbequeme Ehefrau auszutricksen, um sich heimlich davon schleichen zu können. Diese wird diesmal von der Laurel&Hardy-erfahrenen Anita Garvin herrlich herrschsüchtig und dominant dargestellt, sodass man durchaus Mitleid mit Stan bekommen kann. Mrs. Garvin, die bereits sehr früh ihre Schauspielkarriere beendete, meinte einmal, dass es eigentlich meistens Stan Laurel war, der Regie führte, da dieser immer einen sehr großen Einfluss auf das jeweilige Skript hatte und ständig Anstöße gab, wie man entsprechende Szenen filmen sollte.
Zu weiteren Höhepunkten kommt es bei den Szenen im Club, wenn unsere Freunde daran sind, unbemerkt ihre eigene mithinein geschmuggelte Likörflasche zu leeren.

Blotto ist einer der wenigen Filme, der auch in ausländischen Fassungen produziert wurde. Da das Mittel der Synchronisation damals noch nicht in Mode war, mussten Laurel und Hardy quasi per Lautschrift selbst in der jeweiligen Landessprache kommunizieren. So wurden von diesem Film außerdem eine spanische und eine französische Fassung (die noch länger, aber nicht unbedingt besser war als das Original) angefertigt.

Die Jahre zwischen 1930 und 1935 zählen zu den künstlerisch kreativsten von Laurel und Hardy, was auch in gewisser Weise an deren damaliger Arbeitsmoral lag. Unter dem Produzenten Hal Roach, der stattliche 100 Jahre alt wurde, konnte sozusagen jeder Vorschläge machen, wie er wollte, was wiederum zu einer sehr ungezwungenen und lockeren Atmosphäre am Set beitrug.
So entstanden zahlreiche Meisterwerke des komischen Films, u.a. eben der herausragende Blotto, zu einer Zeit, als das Verhältnis zwischen Roach und Laurel noch in Ordnung war.

10 / 10 Punkte

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