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Deutschland braucht eine Gesundheitsreform.

In zwei benachbarten Kliniken wird der deutsche Ärztealltag demonstriert. In dem betulichen Krankenhaus "Eichwald" herrschen noch Verhältnisse wie in den seligen 60er Jahren bezüglich der Ausstattung und dem technischen Standard, allerdings auch bei der persönlichen Patientenbetreuung - in der High-Tech Klinik "St.Georg" ist dagegen schon das Effektiv-Zeitalter ausgebrochen, bei dem jeder Patient nach seinem idealen Kosten-Nutzen-Faktor eingeordnet ist und Operationen per Joystick vor einem Bildschirm durchgeführt werden können zur Einsparung von Arztstellen.

Darüber müßten Deutschlands Politiker eigentlich schon begeistert sein, denn die eine Klinik wirkt so, als erhalte sie kaum noch Geld, bei der anderen scheint das Geld dagegen gut angelegt zu sein. Trotzdem wird weiter rationalisiert, indem eine Komission darüber befinden soll, welche Klinik zumachen muß. Beide Anstalten haben zwei Wochen Zeit, ihre Vorzüge nachzuweisen, aber im Grunde ist die Entscheidung schon gefallen...

Aus dieser Ausgangspostion hätte man eine ordentliche schwarze Satire auf die Auswüchse des deutschen Gesundheitswesen machen können und die deutschen Komödienschreiber haben ja zuletzt mit "Wo ist Fred ?" bewiesen, daß sie durchaus witzig mit einem schwierigen Thema umgehen können, trotz kleinerer Schwächen.

Aber dieses Machwerk ist ein Rückfall ins deutsche "Hausmeister Krause"-Zeitalter, als man glaubte, nur mit debil und überzogen agierenden Darstellern könnte man lustig sein. Eine Satire dagegen braucht auch einen Bezug zur Realität - nur durch die Diskrepanz zwischen bestimmten überzeichneten Verhältnissen und nachvollziehbaren Charakteren kann man den Finger in die Wunde legen.

Aber hier werden sich alle Klinikleiter und Stationsärzte gemütlich zurücklehnen angesichts der dilettierenden "Kollegen", deren Intelligenzquotient schon für das klare Aussprechen eines Satzes unzureichend erscheint.

Regisseur Carsten Strauch in seinem ersten "Langfilm" und Mit-Drehbuchautor Rainer Ewerrien haben sich die Rollen der Stationsärzte Steffen und Klaus auf den Leib geschrieben, aber es ist nicht erkennbar, welche Intention sie dabei verfolgten. Zwar sind sie ganz nett und menschlich, aber gleichzeitig wirken sie völlig inkompetent und es ist fast anstrengend, dem leicht autistischen Steffen und dem sich auch noch für einen Frauenheld haltenden Klaus bei ihren Bemühungen zu folgen, ihre Klinik auf Vordermann zu bringen.
Als dann noch der Schwager (Josef Ostendorf) des Chefarztes mit einer rheinländisch-fröhlichen Daueroffensive "Neue Frische" in das veraltete Konzept bringen soll, ist das Maß an geschmackloser Klamotte fast schon voll.

Dagegen wirken die Geschehnisse in der modernen Nachbarklinik "St.Georg" geradezu entspannend. Alles steht hier unter der Knute des Professor Radwanski , von Christoph Maria Herbst im "Stromberg"-Modus gespielt zwischen Selbstüberschätzung und kindlichen Anwandlungen. Aber wenigstens kann er sich klar ausdrücken, spricht ohne zu stammeln und man nimmt ihm den Chefarzt ab. Auch seine Assistentin Christiane (Nina Kronjäger) kommt kompetent und intelligent rüber ,so daß man als Betrachter sofort wüßte, für welche Klinik - trotz aller Seelenlosigkeit, die hier an Hand einer Stahl-Glas Architektur symbolisiert werden soll - man sich als Patient entscheidet.

Aber nein! - Bei Professor Radwanski handelt es sich natürlich auch um einen Verbrecher, der mit Organhändlern gemeinsame Sache macht. Und wenn dann Radwanski und seine heimliche Geliebte Christiane sich mit "Putzilein" und "Kackbärchen" ansprechen und Herbst dabei voll den Kuscheltypen ohne Aussicht auf Erektion haraushängen läßt, wird einem ebenso schlecht wie zuvor bei Klaus und Steffen...

Nichts gegen eine ausgelassen gespielte Klamotte, aber das hier gezeigte ist weder lustig noch in irgendeiner Form kritisch gegenüber irgendwelchen bundesdeutschen Verhältnissen. Auch tun sich die Macher keinen Gefallen damit, indem sie eine veraltete, dilettantische gegen eine professionelle, aber kriminelle Klinik antreten lassen. Was wollen sie uns damit verdeutlichen ? - Das solche Zustände in Deutschland vorherrschen ? - Das glauben selbst die härtesten Kritiker nicht ,denn dann wären 90 Prozent aller Krankenhaus-Patienten schon tot.
Und indem sie dann noch sämtliche deutsche Eigenarten, bekannt aus den ältesten Klamotten vermischt mit dem Charme deutscher Homesex-Videos , auf uns loslassen, erreichen sie damit nur noch Interessenlosigkeit bis zur Übelkeit.

So ist die beste Szene auch symbolisch für den gesamten Film. "Frauenheld" Klaus hatte eine Spenderleber von einem ärztlichen Lieferservice übernommen und sie natürlich prompt auf dem Rücksitz seines Autos vergessen. Hobbykoch Steffen, der für den fetten rheinischen Motivator Vierkötter ein Essen kochen soll, verwechselt sie trotz professioneller Verpackung mit einer Rinderleber und bereitet ein köstliches Mahl daraus zu. Während Fettbacke Vierkötter noch ordentlich zulangt, sehen wir Steffen dabei zu - nachdem ihn Klaus über den wahren Inhalt aufgeklärt hatte - wie er seinen Magen leer kotzt...

Fazit : Dilettantische Klamotte, die eine Satire sein will, aber dabei ein interessantes Thema völlig die Toilette runterspült.

Auch ein Christoph Maria Herbst, der hier zwar gewohnt souverän agiert, aber kaum über bekannte Rollenklischees herauskommt, kann an diesem teilweise schmerzhaft anzusehenden Sammelsurium aus veralteten Schwulen- und sonstigen Witzen nichts mehr retten. Man fragt sich, warum er eine solche Rolle annimmt. Cosma Shiva Hagen als nah am Wasser gebaute Krankenschwester, die noch am sympathischsten wirkt als Love-Interest für "Mund-auf-Steffen", sollte sich auch andere Rollen suchen.

Politiker, laßt euch Zeit mit der Gesundheitsreform - Deutschland braucht eine Filmkomödienreform (2/10).

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