Das deutsche Gesundheitswesen: Zur Zeit schon wieder Opfer einer Reform. Ärzte gehen für mehr Lohn bei aktuell nahezu ausbeuterischen Arbeitsbedingungen auf die Strasse, der Service in den Kliniken ist schlecht und ökonomisches Arbeiten steht im Vordergrund. Da kommt doch ein Film wie „Die Aufschneider", welcher diese aktuell prekäre Situation gnadenlos persifliert, doch gerade recht - sollte man meinen. Doch gnadenlos ist hier letztendlich leider nur wenig.
Zur Story: Die altehrwürdige Eichwaldklinik muss sich gegen die Klinik St. Georg, welche in unmittelbarer Nachbarschaft eröffnet hat, behaupten. Ein Prüfungsausschuss steht an, der schließlich aus Kostengrünen eines der beiden Hospitäler schließen muss. Die Frage ist nur, welches. Der versnobt-arrogante Prof. Reinhold Radwinski (köstlich: Christoph Maria Herbst), Chef der hochmodernen Klinik St. Georg steht jedenfalls dem verlotterten Personal der Eichwaldklinik gegenüber und hilft mit Versprechen und Korruption nach, um den Wettstreit, bei dem es um die Arbeitsplätze geht, zu gewinnen. Ein scheinbar aussichtsloser Überlebenskampf beginnt für die Belegschaft der Eichwaldklinik (u.a. Cosma Shiva Hagen, Carsten Strauch)...
Regisseur und Co-Autor Carsten Strauch („Coming Out", 1996) beginnt makaber: gleich zu Beginn fällt einem Arzt - dargestellt von ihm selbst - eine Kontaktlinse bei einer OP in die Wunde eines Patienten. Nach reichlich Gekröse findet man sie wieder - neben der Milz. Kurze Zeit später bekommt man einen Eindruck davon, wie böse Christoph Maria Herbst auch jenseits von „Stromberg" sein kann: Bei einem Rundgang rationalisiert er eine ältere Krankenschwester richtig mies, aber äußerst witzig hinweg. Doch nach diesem furiosen Beginn baut „Die Aufschneider" leider etwas ab. Ein gebratenes und verzehrtes Transplantationsorgan sowie eine Reiner-Calmund-Parodie um einen Animateur im Krankenhaus (!) gehören noch zu den besseren Gags. Die Story um Korruption und allerlei Biestigkeiten verliert aber etwa ab der Mitte des Film zunehmend an Tempo, das Drehbuch offenbart all zu offensichtliche Lücken und stürzt ab bis hin zur Beliebigkeit. Dabei begeht Carsten Strauch den wohl größten Fehler, wenn er Stottern und unvollständige Sätze mit Humor verwechselt, was auf Dauer etwas anstrengt. Unterhaltend ist das alle Mal (zwei Running Gags: „Mir ist sooo schlecht." und die ewig ignorierte Patientin), nur hätte man sich angesichts der Thematik gerne auch noch etwas (mehr) Sarkasmus, Seitenhiebe auf das Gesundheitssystem und makabere Gags wünschen können.
Fazit: Die Gesundheitsreform ist witzig, aber leider nicht gallig genug, um wirklich zu polarisieren. „Die Aufschneider" ist oftmals leider nur ein recht braver Ulk, bei dem nicht jeder Gag zündet und man leider die ätzende Satire nahezu vollkommen vermisst, die sich angeboten hätte. Ein netter, kurzweiliger deutscher Kino-Spaß mit einigen (Drehbuch-)Schwächen.