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2005 & 2006 war ja alles in allem eher maue Zeiten für den deutschen Comedy-Bereich im Kino. Die Millionen-Blockbuster" "(T)Raumschiff Surprise", "Der Wixxer" und "7 Zwerge..." liegen schon eine ganze Weile zurück und der Erfolg dieser Filme konnte wirklich kein anderer deutscher Comedy-Streifen, in der letzten Zeit, wieder erreichen. Selbst der zweite Teil der "7 Zwerge"-Saga konnte bei weitem nicht mehr an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen, wenn er auch noch immer mehrere Millionen Zuschauer in die Kinos zog. Doch 2007 könnte dies eventuell anders werden, denn nicht nur Kalkofes Wixxer startet zum erneuten Angriff auf die Lachmuskeln, auch Bully wird, mit seinem Animationsfilm "Lissy und der wilde Kaiser", wohl wieder alle Kassenrekorde in diesem Jahr sprengen. Anfangen soll das deutsche Lacher-Jahr allerdings mit der Komödie "Die Aufschneider", in denen vor allem Christoph Maria Herbst gute Unterhaltung verspricht. Leider ist er aber so ziemlich der einzige Faktor, der in diesem biederen Stück für Lacher sorgt.

"Die Aufschneider" reiht sich leider nicht in der Liga deutscher Top-Comedy ein, sondern bietet eher Unterhaltung auf TV-Niveau der biederen Sorte, was so nie und nimmer ins Kino hätte kommen dürfen, da die daran geknüpften Erwartungen einfach nicht erfüllt werden können. Und dabei geht die Geschichte eigentlich noch so weit in Ordnung. Es geht nämlich um zwei benachbarte Krankenhäuser, die plötzlich in einen erbitterten Konkurrenzkampf verfallen, als bekannt wird, dass eines der beiden Krankenhäuser demnächst schließen muss. Während die einen probieren, hauptsächlich mit Spaß und guter Laune diesen Kampf zu gewinnen, beschließen die, wesentlich reicheren, Herrschaften der anderen Klinik, mit einigen unlauteren Mitteln an die Macht zu kommen. Und dieser Kampf scheint eigentlich auch schon so gut wie gewonnen, bis eine verschwundene Leber für Aufregung in beiden Hospitalen sorgt... Doch diese ist dann auch nicht wirklich der Hauptstorypunkt dieser Komödie, sondern eher die Naivität und Unbekümmertheit der Ärzte, welche die Geschichte auf den ersten Blick auch ganz nett durch den Kakao zu ziehen scheint. Unser Gesundheitssystem steht permanent am Pranger, warum also nicht eine Satire darüber drehen? Eine Satire schön und gut, aber doch bitte nicht so.

Denn was ist das Wichtigste an einer Satire? Richtig, der (möglichst hintergründige) Spaß. Doch in "Die Aufschneider" gibt es in Sachen Spaß leider nur wenig zu spüren. Denn die Drehbuchschreiber haben, bei all dem Chaos der Handlung, doch glatt vergessen, auch ein paar gelungene Witze mit unterzubringen. In den ganzen 90 Minuten gibt es vielleicht gerade einmal 5 oder 6 richtige Lacher, ansonsten herrscht Ebbe. Und dabei macht der Film noch nicht einmal den Fehler ständig in Fäkalien zu schwimmen, wie so viele deutsche Komödien von heute, sondern er ist schlicht und ergreifend nicht komisch. Entweder sind die Witze abgekaut, unglaublich flach oder kopieren sich stets und ständig. Und besonders der fehlende Biss fällt vollkommen Negativ ins Gewicht. Denn was nutzt all versuchter Hohn und Spott, auf unser marodes Gesundheitssystem, wenn sich wirklich niemand daran stößt. Satire heißt, grob ausgedrückt, gekonnt, pointiert und mit einem gehörigen Tritt in den Hintern zu verarschen, aber nicht mit Wattebällchen zu werfen. Die ein oder andere Spitze hier und da, geht da wirklich vollkommen unter. Wenn noch etwas zum Lachen anregt, dann sind das ab und an ein paar Dialogszenen, wie z. Bsp. das Gespräch zwischen dem Arzt Steffen Wesemann und der Schwester Sylvia Göbel, welche in einer Szene wirklich wunderbar gekonnt an einander vorbeireden und somit für einige Verwirrungen stiften, sowie der herrlich schleimige Christoph Maria Herbst, dem man so ekelhaft höchstens mal in "Stromberg" erlebt hat. Ansonsten aber schafft es das Gesicht des Zuschauers sich höchstens mal zu einem Lächeln zu verziehen, zu mehr leider nicht.

Ein wenig gerettet wird das ganze Treiben da höchstens noch durch die einigermaßen sympathisch ausgefallene Zeichnung der Charaktere. Die Ärzte und Schwestern der älteren Eichwaldklinik wachsen einem doch schnell ans Herz, auch wenn ihre Dämlichkeit manchmal keine Grenzen kennt. Ein wenig mitfiebern kann man da schon mit ihnen, wenn sie sich z. Bsp. auf die Suche nach der verschwundenen Leber machen, oder ein völlig falscher Eindruck gekonnt auf den Zuschauer herüber gebracht wird, vor allem wenn sich dieser dann zum Schluss als falsch entpuppt. Im Gegenzug sind die Ärzte der reichen St.Georg dann wirklich schön schleimig und abartig geraten, auch hier sei dabei noch einmal der Charaktere von Christoph Maria Herbst vor zu heben. Doch etwas böser hätte es eben doch sein dürfen und komischer allemal. Denn was nützen einem die sympathischsten Charaktere in einer Komödie, wenn der nötige Witz fehlt?

Zumal auch die Darstellerleistungen total durchwachsen sind. Christoph Maria Herbst und Cosma Shiva Hagen spielen hier leider wirklich alle an die Wand, was aber nicht unbedingt an ihren großartigen Leistungen liegt, vor allem Hagen ist auch hier wieder nicht wirklich als "gut" zu bezeichnen, sondern eher an den mistigen Leistungen der anderen Schauspieler. Viele Gesichter kennt man zwar, z. Bsp. Carsten Strauch (der hier auch das Buch geschrieben und die Regie geführt hat), Burghart Klaußner oder auch Nina Kronjäger, aber so richtig überzeugen kann wirklich keiner von ihnen. Und da Hagen und, vor allem, Herbst auch viel zu wenig Screentime haben, muss man den größten Teil des Films nun auch noch als schlecht gespielt auslegen. Da kommt dann doch leider einiges zusammen. Schade eigentlich!

Fazit: Äußerst biedere und auf TV-Niveau inszenierte deutsche Komödie, die an die Brüllerqualitäten eines Bully-Films nicht auch nur einmal ansatzweise heranzukommen vermag, weil es einfach an der wichtigsten Zutat einer jeden Komödie fehlt: dem Witz. Viel zu harmlos, viel zu flach und zudem meist äußerst schlecht auf den Zuschauer herüber gebracht, langweilt man sich hier eher zu Tode, als das man sich munter auf die Schenkel klopfen würde. Herbst und Hagen, sowie die durchweg sympathischen Charaktere, sind da kaum als Rettungsanker zu bezeichnen, genauso wie die Geschichte, aus der man eigentlich einiges hätte herausholen können. Somit bleibt nur die Hoffnung, dass Kalkofe und Bully dieses Jahr wieder die Korken knallen lassen, damit dieses Möchtegern-Komödchen hier, schnell in Vergessenheit gerät.

Wertung: 4/10 Punkte

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