Über schlechte Filme hab ich jetzt ja schon oft geschrieben und häufig kann man sich daraus einen lustigen Kopfkarneval machen, es gibt aber auch Ausnahmen, die so unbeholfen, kaputt UND langweilig sind, dass man permanent nur auf den Minutenzeiger starrt.
Einer dieser berühmten Schüsse in den Ofen ist eindeutig „Hydra – Verschollen in Galaxis 4“ akas „The Doomsday Machine“, ein garantiertes Scifi-Gurkengewächs, welches, man glaubt es kaum, fünf Jahre vor „Star Wars“ rauskam und dabei wirkt, als habe man es 30 Jahre früher gedreht.
Gut, früher gedreht wurde es schon, denn das Veröffentlichungsdatum von anno 1972 gibt nicht darüber Auskunft, dass man den Großteil (wenn es denn bei 78 bzw. 83 Minuten einen solchen gibt) des Films bereits 1967 im Kasten hatte, bis den Verantwortlichen offenbar die Mittel ausgegangen waren und die Filmrollen für einige Zeit dann im Lagerraum landeten. Offenbar hatte dann irgendwann die Idee, dass man das Projekt ja noch fertig stellen könnte, aber leider hatten die Macher lediglich die Trinkgelder aus ihrem Kellnerjob zur Verfügung und so erhielt „Hydra“ ein Ende, welches in allen Scharnieren kracht.
Los geht’s erstmal mit mehreren Minuten Vorspann, was immer ein schlechtes Zeichen ist. Anschließend macht eine chinesische Spionin mehrere sensationell schlechte Kinderaufnahmen einer experimentellen Wasserstoffbombe und transportiert diese aus Irwin-Allen-Kulissen in die Vereinigten Staaten. Dort erkennen führende Laiendarsteller, Wissenschaftler simulierend, anhand dieser Bilder sofort, dass infolge einer Zündung eine weltvernichtende Kettenreaktion denkbar wäre.
Weil man 1967 von so etwas wie einem Genpool noch nie etwas gehört hat, verfallen nun die US-Politiker (noch nie ein Beruf mit Weitsicht) auf den haarsträubenden Plan, ganz kurzfristig die kurz vor dem Start stehende Venusmission der NASA einzugreifen (bzw. einer anderen depperten Raumbehörde) und mal eben drei Männers gegen drei Weiblein auszutauschen, damit der Nachwuchs gesichert ist, falls es demnächst Bumm macht.
In Sachen nötiger Fachkompetenz bzw. fehlender solcher verlässt man sich auf die Personalbögen und so fliegt sogar noch eine Russin mit, die schon auf dem Mond war. Wir schreiben übrigens das Jahr 1975, laut Vorspanntext haben wir immerhin 1992, wie dem auch sei.
Um noch mal auf den Genpool zurück zu kommen, es fliegen hier also sieben Persönchen, darunter ein ziemlich alter und sehr kranker Technikspezi, der aber wohl irgendwas als Einziger ganz toll kann und prompt schon bei der zweiten Schubzündung fast verreckt. Der Rest vom Fest darf sich in einer typischen 60er Mixtur anzüglich-hirntot männlich oder eben kokett genervt weiblich geben, bis dann nach zwei Tagen tatsächlich die Erde BUMM macht, in einer Szene, die FX-Techniker vermutlich schlaflose Nächte bereitet, einmal brennt sogar einen Sekundenbruchteil der Planet in offener Flamme (im Vakuum).
Danach ist nichts mehr mit großartiger psychischer Evaluierung, denn angesichts des nun eingetretenen Neubevölkerungsplan auf der Venus dreht einer der Herren im Samenstaurausch durch und geht einer der Damen an die Wäsche, nachdem zusätzlich (Ganz Was Neues!) ruchbar wurde, dass man nur mit drei Figuren an Bord auf der Venus landen kann (wieso auch immer).
Egal: der probate Vergewaltigungsversuch führt dank eines kecken Airlock-Schalters, der ungeschützt irgendwo in der Gegend rumhängt, dazu, dass sich ein Fenster freundlich und schnell öffnet und die Kombattanten ins All saugt, wobei sie etwas sinnfrei aus den Körperöffnungen bluten.
Irgendwann nähern sich die restlichen Buben und Mädeln der Venus und haben sich auch für ein Landeteam entschieden, als der Chef bekannt gibt: alle oder keiner, obwohl dann bereits „keiner“ feststand, aber logisch ist ja fast gar nichts in diesem Film. Ja, und dann geht ein Pärchen eine Antenne von außen reparieren und driftet beim Durchstarten ins All ab.
An dieser Stelle endete das fertige Material und die gewieften Produzenten, die schon vorher munter auf „stock footage“ zweier anderer schlechter Scifi-Filme zurück griffen, verfielen auf eine kostensparende Idee, da der Cast nicht mehr verfügbar war: sie ließen zwei andere Darsteller – jetzt in anderen Raumanzügen und undurchdringlichen Helmen – als das driftende Paar agieren und in ein treibendes russisches Raumschiff einsteigen. Die Audiospur teilt uns dann mit, wie die Hydra zerstrahlt wird und ein Überbewusstsein der Venusianer oder sonst irgendein Top-Alien-Übermotz nimmt das Pärchen in seine Daseinsebenendimension des Unbegreiflichen auf, womit dann endlich Schluss ist.
Was hier lustig klingt, ist ein ziemlich öder Schinken, der nur durch seine Absurditäten und die beschissenen Kulissen und Tricks auffällt, die auf billigstem Mit-Fünfziger-Niveau liegen, aber durch die Wahl, den Film in Farbe zu drehen, noch schundiger aussehen. Hauptsächlich wird sexistisches Zeug gesabbelt oder man sitzt in seinen Spar-Raumanzügen in seinen Sesseln herum oder läuft durch die Hydra, welche hier wahlweise in Raketenform oder als Raumstation auftaucht, kommt halt auf das jeweilige Stück Stock Footage an. So ziemlich alles hier macht absolut gar keinen Sinn und lässt jeden Physiker hohnlachend zurück.
Werfen wir aber noch einen Blick auf den erstaunlichen Cast, den man hier versammelt hat, denn an Bord sorgt Schmunzelbär und Musicalnebendarsteller Bobby Van für noch die lustigsten Jokes (was nicht viel heißen soll); Mala Powers, Allzweckwaffe der 50er, ist die Russin Bronski (wie sonst?) und der „Incredible Shrinking Man“ Grant Williams gibt hier nahe dem Ende seiner Karriere den Busengrapscher Mason. Dazu noch Henry Wilcoxon, der häufig mit DeMille dreht, dem Hollywoodveteranen James Craig (in seinem letzten Film) und in Kleinstrollen der „MASH“-TV-Protagonist Mike Farrell und der damals berühmte Radio-DJ Casey Kasem, der hier bei Mission Control die Knöpfe drückt. Potential wäre also dagewesen, aber alle spielen wie die Holzpuppen und wer konnte es ihnen bei diesem Projekt verdenken, welches schon 1967 zum Dreh mindestens zehn Jahre zu spät kam.
Da das Copyright von diesem Etwas ausgelaufen ist, kann man sich den Käse frei überall im Netz anschauen, darf sich aber nicht wundern, wenn man 1-2x wegnickt, dafür gab es dann doch zu wenig Schauwerte und wahnwitzig genug für so etwas wie „MST3K“ ist er dann auch wieder nicht. Ach so, wer die besagte "Galaxis 4" findet, bitte melden. (2/10)