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1974 hatte „Texas Chainsaw Massacre“ das Backwoods-Genre populär gemacht und so einige Nachahmer gefunden, die sich mal mehr, mal weniger kreativ mit vergleichbaren Stoffen beschäftigten.
So ahnt man schnell, dass das Motel Hello, dessen dysfunktionale Leuchtreklame es öfter als Motel Hell anpreist (wie auch der Originaltitel) nicht nur das freundliche Familienunternehmen ist, als dass es sich in den ersten 20 Filmminuten präsentiert. Vincent Smith (Rory Calhoun) und seine Schwester Ida (Nancy Parsons) kümmern sich um die Gäste und verkaufen ihnen Wurst- und Fleischwaren aus eigener Herstellung. Beim nächtlichen Jagen beobachtet Vincent einen Verkehrsunfall und nimmt die Leiche eines Motorradfahrers sowie dessen schwerverletzte Beifahrerin Terry (Nina Axelrod) mit, die er freundlicherweise wieder aufpäppelt. Das Bild sät keine Verdachtsmomente, das Wissen des Zuschauers um das Genre des Films und der Titel „Motel Hell“ versprechen aber schon Abgründe hinter der Fassade.
So ahnt man schon, dass nichts Gutes passiert, wenn Vincent und Ida in unbeobachteten Momenten in einem versteckten Part ihres Grundstücks verschwinden. Und dass das im Umkreis bekannte Rauchfleisch vielleicht noch Extrazutaten beherbergt, von denen keiner weiß. Doch wann werden die anderen Figuren das herausfinden?

Als ausgesprochen komödiantische Version des Backwoodthemas spielt „Motel Hell“ durchweg mit offenen Karten. Die gottesfürchtigen Rednecks mit eigenwilliger Moralauslegung, Vincents unbedarfter, begrenzt fähiger Sheriffbruder Bruce (Paul Linke) und diverse potentielle Opfer (meist sexuell freizügig oder Drogen zugeneigt) entsprechen klassischen Genreklischees, die aber mit Freude überzeichnet und gerne mal ins Groteske gesteigert werden. Vor allem ein Pärchen, das mit dem Versprechen einer angeblichen Swingerparty angelockt wurde und sich im Motelzimmer für Kommendes aufbretzelt, ist da ein Highlight der schrägen Komik.
So besitzt „Motel Hell“ einen formelhaften Unterbau, aber genug eigenwillige Ideen um diesen fesch aufzubereiten. Immer wieder rücken neue potentielle Opfer an, die mit immer neuen Methoden eingefangen werden. Und mit jedem neuen Opfer sieht man einen weiteren Schritt in der schrägen Verwertungskette, die sich Vincent und Ida haben fallen lassen. Das ist bisweilen grotesk und manchmal etwas krank, aber mit viel Einfallsreichtum erdacht und umgesetzt, bis zum Showdown, in dem ein Fechtduell mit Kettensägen ansteht. Hatte ich schon erwähnt, dass einer der Kontrahenten dabei einen Schweinekopf als Maske aufsetzt?

Um zwischen den Aktionen der Farmersleut für Entspannung zu sorgen und den nötigen Plot voranzutreiben, verfolgt man immer wieder den Motelalltag, in dem sich auch die ahnungslose Terry betätigt. Diese wird von Bruce begehrt, hat aber kein Interesse an ihm, was für ein eigenwilliges Date mit Bezug auf Monsterhorror der 1950er sorgt. Ansonsten ist die weibliche Hauptfigur leider eine der großen Schwächen des Films, da sie als viel zu unbedarft und naiv dargestellt wird, erst kurz vor Ende die seltsamen Vorgänge um sich herum zu deuten weiß und in Sekundenschnelle ihre Meinung ändert, egal ob sie aufgrund einer kurzen Ansprache ihren Lebenswillen wiederfindet oder urplötzlich aus unerfindlichen Gründen in Liebe für den deutlich älteren Vincent entflammt.
Hinzu kommt, dass Nina Axelrod in der Doofchenrolle auch nicht unbedingt die stärkste Schauspielerin ist und dementsprechend hilflos wirkt. Glücklicherweise ist Rory Calhoun im Gegenzug ein echt starker Farmer Vincent, der den Film mühelos beherrscht und über Strecken zu tragen weiß. Nancy Parsons ist eher solala als fleischgewordenes Redneck-Klischee, Paul Linke bestenfalls routiniert, während Wolfman Jack in einer Nebenrolle sein prägnantes Antlitz in die Kamera hält.

Sonderlich Neues erzählt „Motel Hell“ nicht und krankt an seiner weiblichen Hauptfigur, dafür bietet Kevin Connors Horrorgroteske schwarz-humorigen wie kreativen Backwoodstoff mit einem starken Rory Calhoun, der sich durch seine schrägen Einfälle und augenzwinkernden Humor von ähnlich gelagerter Genreware abzusetzen weiß.

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