Der junge und etwas idealistische Künstler Alex (Robert C. Sabin) zieht in ein Appartment eines etwas heruntergekommenen New Yorker Hauses. Seine Freundin Lori (Mary Huner) ziert sich jedoch noch etwas, das elterliche Nest zu verlassen, was mit ihrer klischeeartigen, braven Optik durchaus harmoniert. Die anderen Mieter stellen sich relativ freundlich vor, jedoch handelt es sich um wild anmutende Gestalten in Lederkluft, darunter der Teilzeitpoet Roman (Dennis Embry), den Alex schon bald beim Müllwühlen ertappt, sogleich jedoch auch zum Abendessen eingeladen wird, welches sich für Slime City als entscheidend herausstellt. Roman ist nämlich an eine sehr spezielle Diät gewöhnt, die aus grünem, beziehungsweise blauem, Himalaya Joghurt und einem giftgrünen Likör – als Elixir vorgestellt – besteht. Die Folge: Alex erlebt einen sehr speziellen Trip. Seine Nachbarin Nicole (ebenfalls Mary Huner) hat ihm schon vorher schöne Augen gemacht. Jetzt gibt er sich ihr jedoch willenlos hin. Als er am Morgen erwacht, ist er mit Schleim bedeckt. Erst, als er einen Obdachlosen erschlägt, kommt sein Körper wieder zum Normalzustand.
Was hier vielleicht schon wie eine Mischung aus Der Planet Saturn läßt schön grüßen und The Driller Killer klingt, sieht genauso aus, wie man es bei den Szenehintergründen zu Greg Lambersons Regiedebüt erwartet. Er selbst hat ein Jahr an der School of Visual Arts studiert und sich am Set von Atomic Thrill erste Sporen verdient. Ferner arbeitete er als Assistant Director an Plutonium Baby und Elmer, bei denen auch Dan Frye aus dem Effektteam zugegen war, welches den ultraniedrig budgetierten Film, bei dem die Darsteller und Crew nicht mal Gage bekamen, ziemlich amtlich anmuten läßt. Obwohl vorher erschienen fallen diese Arbeiten jedoch schon in den Erstellungszeitraum von Slime City, der mit 35.000 Dollar, an 21 Drehtagen und auf 16 Milimeter gedreht wurde.
Die Special- und Make-up-Effects in Slime City stammen neben Dan Frye, der auch schon bei Die Wiege des Schreckens Hand angelegt hat und kurz darauf Richtung Ghostbusters II und Nightmare 5 – Das Trauma abstartete, von Tom Lauten, der zum Beispiel an Atomic Hero und Class of Nuke ‘Em High gearbeitet hatte, sowie Scott Coulter, der neben Slumber Party Massacre II, Nightmare on Elm Street 4 oder Freitag der 13. – Todesfalle Manhattan eben auch den kurz vorher fertig gestellten, thematisch nicht unähnlichen, Meltdown-Movie Street Trash in seiner Biographie vorzuweisen hat. Dessen Regisseur J. Michael Muro bedient hier übrigens auch die Steadicam, was zu seiner Berufung wurde, übte er diesen Job doch bald in großen Produktionen aus.
Natürlich ändert dies nichts daran, daß der Film Ansprüchen an ein Oberligaprodukt nicht gerecht werden kann, ist jedoch ein erstes Indiz dafür, daß mit ein wenig Ambition, die teils eben Früchte trug, trotz klarer Grenzen ein einigermaßen respektables Werk entstehen kann. Obwohl Slime City aufgrund der Metamorphose und den damit verbundenen Schleim- und Splattereffekten, darunter auch eine im Bauchbereich des Hauptdarstellers platzierte Vagina Dentalis, ohne weiteres im Programm von Troma hätte Platz finden können, haben die Spielszenen hier doch ein erstaunlich hohes Gewicht. Der spärlich eingerichtete Hauptschauplatz erinnert zudem an einige in New York entstandene Independentfilme, darunter zum Beispiel Permanent Vacation. Anstatt Jim Jarmusch ähnelt das Sujet natürlich eher Frank Henenlotter Produktionen – wohin die Spuren, wie oben erwähnt, ja nebst Troma auch führen.
Es ist nur logisch für eine frühe Arbeit, daß die Darsteller trotz außerordentlichem Engagement über Hürden stolpern, die sie vielleicht nur bedingt selbst zu verschulden haben. Darunter fallen so unfreiwillig komische Momente wie ein plötzliches Zusammentreffen an einer Ecke, wobei man klar erkennt, wie eine Figur auf den Einsatz wartet. Kontinuität ist ebenso ein Fremdwort. Da fällt schonmal eine Dose Schleim auf den Boden, von dessen Inhalt beim Aufheben nichts mehr zu sehen ist.
Im Wesentlichen baut Slime City auf der sexuellen Frustration der Hauptfigur Alex auf, funktioniert insbesondere durch kleine Unzulänglichkeiten auch tatsächlich auf einer surrealen Ebene. Im Gegensatz zu Lambersons Intention, den Film als einen feuchten Traum von Alex wirken zu lassen, entwickelt der Film jedoch ein Eigenleben, der den Niedergang einer Person beschreibt, die nicht auf die geliebte Person warten konnte und stattdessen den Versuchungen flügge geworden im Moloch der Großstadt erliegt. Dies basiert vermutlich aber auch darauf, daß die beiden Figuren Mary Huners dank völlig gegensätzlicher Garderobe, Make-up und Spiel kaum als dieselbe Schauspielerin identifizierbar sind, was – obwohl ebenso nur wegen fehlender Besetzung unbeabsichtigt entstanden – im erkennbaren Zustand einer Phantasie nahe gekommen wäre.
Der beim Vorstellungsdinner bei Loris Eltern von Alex Haupt tropfende Schleim fungiert so auch als Angstschweiß, da er den positiven Beschreibungen seiner Freundin just nicht mehr entspricht. Wörtlich entfremden sich die beiden Figuren Slime Citys und Alex geht im bewußt Der Unsichtbare nachempfundenen Verband durch die Straßen New Yorks – ein typischer Großstadtbürger, trotz Exzentrik unscheinbar und möglicherweise doch mit erschütterndem Hintergrund.
So erklärt sich auch, weshalb einerseits eine Straßengang Anstoß an seinem Äußeren nimmt, nämlich weil sie jeden Anlaß zur Stänkerei benutzt hätten, und andererseits die Straßenhure mit in Alex Appartment geht. Sie stört sich nicht an dem triefenden Glibber, entfernt sogar noch seinen Verband – ein unschöner Blick auf die Gesellschaft, da die Prostituierte selber angibt, für ihr Studium zu sparen und es so für Geld anscheinend wirklich jedem besorgt. Auch die Herkunft des Joghurts scheint auf Greg Lambersons Beobachtungen zu basieren, betont er in den Liner Notes doch als einen seiner ersten Eindrücke der Stadt die Gefolgschaft Sun Myung Moons. Das später als Ectoplasma bezeichnete Produkt stammt wie auch das Elixir der Geschichte nach aus dem Nachlaß einer okkulten Sekte.
Wer sich bei dem vielversprechenden Titel nun tatsächlich eine pausenlose Matschbombe erwartet hat, wird in Slime City zumindest durch ein relativ unterhaltsames Gesamtergebnis entschädigt, wobei die ursprüngliche Fassung für die Video-Neuveröffentlichung zunächst einiger Füllszenen entledigt worden war. Lamberson hat für die DVD-Version zwar wieder einige der Szenen eingefügt, da er nachträglich der Meinung war, der Film hätte nicht mehr richtig funktioniert, auf Grund des künstlerischen Ausdrucks wäre es aber durchaus interessant, die restlichen Bilder zu betrachten, in denen sich Alex unter anderem mit der Temperierung seiner Dusche beschäftigen soll.
Der reine Splatterfan freut sich hingegen über ein erhöhtes Tempo, was über einige ganz nett umgesetzte Effekte schließlich zum famosen Finale führt, welches zwar in seiner Realitätsferne heutige Gorehounds bestimmt kein Zucken mehr entlockt, insgesamt aber doch ein technisch interessantes Comic-Massaker bietet. Greg Lamberson berichtet, daß es ihm selber erst später aufgefallen ist, mit Slime City eine Komödie gedreht zu haben, ein Umstand, der Trashfans nur gelegen kommt.
Aufgrund des Budgets und dem nicht zu vernachlässigenden Drehstart (immerhin schon 1986) wirkt der Film, der zudem politisch korrekt auf jegliche Nacktheit verzichtet, etwas handzahmer als beispielsweise Street Trash oder Bad Taste. Daß Slime City jedoch nicht unbedingt zu den nostalgisch angehimmelten Relikten aus den Achzigern zählt, hat eher etwas mit dem Vertriebsgeschick zu tun.
Laut Lamberson hätte Vestron einen Vertriebsdeal über $ 120.000 angeboten, sich jedoch vorher aus dem Low-Budget-Horror Geschäft zurück gezogen, da mit Dirty Dancing ein guter Treffer gelandet werden konnte. Die Firma Camp Video habe daraufhin 5.000 Einheiten auf Video produziert, von denen rund die Hälfte abgesetzt werden konnte, bevor das Lagerhaus der Firma die restlichen Exemplare verkaufte, da Camp noch Schulden bei ihnen gehabt hätte. Der Besitzer habe sich daraufhin aus dem Staub gemacht und es seien nie Tantiemen gezahlt worden.
Während der Film einige Vorstellungen in kleineren Kinos erfuhr und einige Exportdeals geschlossen werden konnten, wobei es Slime City nie nach Deutschland geschafft hat, gab es erst Ende der Neunziger eine kleine Neuveröffentlichung auf Video in den USA. Genrefans freuen sich über die 2005er US-DVD Veröffentlichung, die es wesentlich leichter macht, Slime City in das für kleine Produktionen offene Herz zu schließen.