Review

kurz angerissen*

„City“ bedeutet hier eigentlich nur: Klinker vorstädtischer Hausfassaden in abgeranzten Vierteln und vielleicht noch eine schwarze Bande in einem Hinterhof. „Street Trash“ war da schon der temporeichere und chaotischere Metro-Schauplatz, um den Schleim triefen zu lassen; so trägt sein gemäßigtes Pendant „Slime City“ gerade in den ersten Minuten vor allem den authentischen Mief eines Gelegenheits-Amateurfilms mit sich, der von den tristen Bildern verlassener Wohngebiete, grauer Mietflure und karger Linoleum-Fußböden dominiert wird. „Basket Case“ lässt grüßen.

Wahre Fans des Schmelzfilms lassen sich von derlei Oberflächlichkeiten natürlich nicht abschrecken, sondern heißen sie womöglich sogar als geeignetes Ambiente willkommen. Spätestens als der Protagonist sich mit seinem Nachbar, einem schrägen Punk-Verschnitt, zum abstrusen Dinner in dessen Wohnung trifft, geht der Spaß los: Das Abendessen besteht aus bläulicher und grünlicher Joghurt-Pampe, als wäre die Einladung als solche nicht schon abstrus genug. Und dann tanzt noch eine Rockerbraut in schwarzen Strapsen durch die Hausflure, eine typische Gestalt vieler Coming-Of-Age- und College-Filme jener Zeit.

Spät wird es, bevor die Effektleute sich endlich austoben dürfen. Lange Zeit bestehen die Schleimeffekte daraus, Hauptdarsteller Robert Sabin mit zähflüssiger Masse einzureiben und als Hommage an den „Unsichtbaren“ zu bandagieren, um ihn in der nächsten Szene wie aus dem Ei gepellt einen neuen Tag beginnen zu lassen. Die typische Dramaturgie anderer Filme über körperlichen Verfall (vgl. „Der Planet Saturn lässt schön grüßen“, „Die Fliege“) wird somit vermieden, vielmehr verfolgt Greg Lamberson eine an Superhelden im Anfangsstadium, Werwolffilme oder ganz spezifisch Jekyll & Hyde angelehnte Linie, die einen permanenten Wechsel zwischen Normalzustand und (unkontrolliertem) Alter-Ego mit sich führt.

In den Exzess steigert sich Lambersons Arbeit zu keiner Zeit, was seinen gegenüber den genannten Vertretern etwas unbekannteren Stand erklären dürfte: Weder in Sachen Ekel noch Splatter oder Sex schlägt sie über die Stränge, gleichwohl das Finale eines der durchaus beachtenswerten Sorte ist, wird hier doch auf einfallsreiche Weise mit doppelten Böden, aufwendiger Maske und liebevollen Details gearbeitet. Doch auch der Weg dorthin macht Spaß, sofern man auf absurde Begegnungen unterschiedlichster Menschenschläge irgendwo in den tiefsten Winkeln der New Yorker Gedärme steht.

*weitere Informationen: siehe Profil

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