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Da es relativ abstrus anmutet, dass Leute einfach mal so schmelzen, ist die Liste der internationalen Melt Movies, angeführt von „Street Trash“, nicht sonderlich lang. Das Debüt von Regisseur Gregory Lamberson kann sich immerhin in diese zweifelhafte Riege einfügen, zum Dahinschmelzen taugt er allerdings nicht.

Künstler Alex hat in einer heruntergekommenen New Yorker Gegend eine neue Butze gefunden und wundert sich über den Kontrast der alten Vermieterin und den jungen, wenig angepassten Mitbewohnern. Als Alex von einem Nachbarn zu einem Mitternachtsschmaus eingeladen wird, entwickelt er kurz darauf befremdliche Eigenschaften: Sein Körper beginnt sich in Schleim aufzulösen und um diesen Prozess zu beenden, muss Alex töten. Bald schon ist auch seine Freundin Lori in Gefahr…

„Slime City“ klingt nach einem halbwegs großen Rahmen, doch der ist wesentlich kleiner gesteckt. Viele Szenen spielen sich in der karg eingerichteten Wohnung von Alex ab, einige in den Nachbarwohnungen und eher wenige in den dreckigen Hinterhöfen der Nachbarschaft, welche mit nur wenigen Figuren recht überschaubar ausfällt. Gleiches gilt für die simple Ausstattung, bei der ein Ektoplasma-Likör und Himalaja-Joghurt in Neonfarben Auslöser des schleimigen Übels sind.

Verwandlungsszenen im eigentlichen Sinne gibt es nicht, denn der Schnitt ist eher so angelegt, dass heruntertropfender Senf so etwas ankündigt. Wahrscheinlich sind recht viele rohe Eier bei der Produktion drauf gegangen, denn der Schleim ist hauptsächlich dünnflüssig und durchsichtig, während die fester aussehende, gelbe Einheit zum Teil etwas verkrustet (Spiegelei?) aussieht. Melting wäre eher, wenn im Verlauf Auge oder Nase herabhängen würden, was hier nicht zutrifft. Da die Übergänge in gewisser Hinsicht fließend sind, ist Alex mal von Schleim umzogen, um in anderer Szene wie der Unsichtbare mit Sonnenbrille und Bandagen aufzutreten, während alles mit einem übernatürlich starken Schwitzvorgang beginnt.

Jene Trashmomente sorgen noch einigermaßen für Unterhaltung, ansonsten fallen weder die Morde, noch die späteren Konfrontationen zwischen Gut und Böse spannend aus. Die meisten Gewalttaten werden lediglich angedeutet, eine Machete im Hals sitzt schon buchstäblich tiefer und insgesamt fließt nicht allzu viel Blut, eher tropft ein wenig Honig-Senf-Sauce aus dem Pullunder. Die Hintergrunderklärungen für den faulen Zauber fallen ebenfalls mäßig aus, die Hinterlassenschaften eines Alchimisten im Keller des Hauses müssen reichen.

Natürlich sind die Mimen keine Leuchten und auch die Synchro arbeitet alles andere als lippensynchron. Wobei Formulierungen wie „Gerafft, Puppe?!?“ nicht ganz zu Unrecht seit Jahrzehnten nicht mehr Bestandteil gängiger Jugendsprache sind. Der Score kommt mit einigen schrägen Klängen um die Ecke, was allerdings recht gut zum trashigen Gesamtkonzept passt, welches unterm Strich mit einfachen Mitteln auf unbedarfte Weise umgesetzt wurde. Spannend gestaltet sich das alles nicht, doch Kassettenkinder nehmen „Slime City“ eher der Vollständigkeit halber mit.
5 von 10

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