“Back in action”
Antoine Fuqua ist kein Mann der leisen Töne. Der frühere Videoclipregisseur lies es bereits bei seinem ersten Kinofilm mächtig krachen. Replacement Killers (1998) ist zwar ein reichlich dämlicher Ballerfilm, offenbart aber bereits Fuquas Talent für kompromisslose Action. Während Plots und Figuren seiner Filme ausgefeilter wurden - Denzel Washington gewann für Training Day (2001) gar einen Oscar als bester Hauptdarsteller - , blieb er dennoch seiner Linie harter, gut fotografierter Action treu. Fuqua setzt vornehmlich auf handgemachte Action, Explosionen und Stunts, die auch wirklich ausgeführt werden. Er erinnert dabei an die Hochphase des Action-Kinos in den 80er und frühen 90er Jahren, bevor CGI, ständig wackelnde Handkamera und nervige Zeitlupen-Shootouts den Oldschool-Actionfans zunehmend die Laune verdarben. Wer genug hat von Schnittstakkato, Tarantino imitierenden Ballerorgien und pseudo-coolen Gangstersprüchen dem sei Fuquas neuester Streich Shooter wärmstens empfohlen.
Zur Story:
Ex-Scharfschütze Bob Lee Swagger (Mark Wahlberg) hat sich nach einer gescheiterten CIA-Mission in die Wälder zurückgezogen. Colonel Isaac Johnson (Danny Glover) gelingt es, den desillusionierten Gunnery-Sergeant aus dem selbst verordneten Exil für einen Spezialauftrag zu rekrutieren. Swagger soll ein geplantes Scharfschützen-Attentat auf den US-Präsidenten verhindern helfen. Als am Tag X dennoch tödliche Schüsse fallen, wird Swagger der Anschlag in die Schuhe geschoben. Zu spät erkennt er, dass er das Opfer einer politischen Intrige ist und von Anfang an als Sündenbock eingeplant war. Mit knapper Not entkommt er angeschossen seinen Häschern. Zusammen mit einem misstrauisch gwordenen FBI-Agenten (Michael Pena) und der Freundin (Kate Mara) seines Ex-Partners holt Swagger zum Vergeltungsschlag aus.
Shooter ist ein altmodischer Actionfilm im besten Sinne. Ein verbitterter Ex-Soldat /-Agent / -Elitekämpfer wird unverschuldet in dunkle Machenschaften verwickelt und greift widerwillig ein letztes Mal (bzw. erneut) zur Waffe, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Zahlreiche Filme der Herren Eastwood, Stallone, Schwarzenegger und Seagal funktionierten exakt nach diesem Strickmuster.
Natürlich entspringen diese Filme der US-amerikanischen Wild-West-Mentalität und sind meist bedenklich in ihrer politischen Grundaussage, propagieren sie doch häufig Selbstjustiz als probates und v.a. legitimes Mittel der Problemlösung. Häufig versagen demokratische bzw. behördliche Einrichtungen, so dass der Griff zur Schusswaffe als (angeblich) einzige Lösungsmöglichkeit erscheint. Dirty Harry lässt grüßen. Diesen Vorwurf muss sich auch Shooter gefallen lassen, wofür es einen Punkt Abzug gibt. Die FSK hat diesem Umstand offenbar ebenfalls Rechnung getragen und dem Film zu Recht lediglich eine 18er Freigabe verpasst. Natürlich strebte Fuqua wohl kaum ein Politdrama mit gesellschaftskritischen Untertönen an, zudem verzeiht man amerikanischen Filmen die oben angeprangerten Tendenzen auch eher als europäischen Produktionen.
Wie dem auch sei, Shooter ist in erster Linie ein Actionthriller und als solcher funktioniert er prächtig. Der Film ist spannend, hat eine fesselnde Story und einige klasse inszenierte Actionhighlights. Schießereien, Autoverfolgungsjagden, Explosionen und Faustkämpfe, Fuqua fährt alles auf, was das Actionherz begehrt. Titelheld Bob Lee Swagger kann sich aber nicht nur auf seine Scharfschützenqualitäten verlassen, sondern muss auch seine grauen Zellen ein ums andere Mal gehörig bemühen, um sich aus diversen Schwierigkeiten zu befreien. Ganz im Stil der Bournefilme oder (inzwischen auch wieder) dem Urgestein des Actionkinos - James Bond in Casino Royale - muss der Held zur Problemlösung mannigfaltige Fähigkeiten besitzen und einsetzen. Keinesfalls reicht es aus, reihenweise Gegner abzuknallen und alles in die Luft zu jagen, was nicht niet und nagelfest ist. Keine Sorge, das kann er auch.
Mark Wahlberg ist die Idealbesetzung für den wortkargen Elitesoldaten. Kompromisslos, fast schon stoisch stapft er durch einen Sumpf aus Machtgier, Unmoral sowie politischer Intrigen und sorgt auf seine Art dafür, dass die Dinge wieder ins Lot kommen. Gefangene werden sicherheitshalber keine gemacht. Dank Wahlbergs mimischer Qualitäten verkommt Swagger nicht zur Karikatur seiner selbst. Anders als seine „Vorfahren“ Stallone, Schwarzenegger und Seagal verfügt der Bostoner durchaus über ansehnliches Schauspieltalent und erhielt dieses Jahr nicht zu Unrecht seine erste Oscarnominierung (Departed, 2006).
Urgestein Danny Glover (v.a. bekannt als Sergeant Murtaugh in der Lethal Weapon-Reihe) ist endlich wieder einmal in einem vernünftigen Actioner zu sehen und schlägt sich durchaus wacker als Swaggers (Haupt-) Gegenspieler. Kate Mara (bekannt aus der fünften Staffel von 24) sieht nicht nur gut aus, sondern leistet Wahlbergs Figur wertvolle Schützenhilfe bei dessen Rückzug wie Gegenangriff. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang auch der Verzicht auf die in diesem Genre häufig planlos eingestreuten Sex- bzw. Liebeszenen. Obwohl eine Beziehung der beiden möglich scheint, wäre diese vor dem Hintergrund ihrer lediglich oberflächlichen Bekanntschaft und Swaggers Rachefeldzug völlig unglaubwürdig und deplaziert.
Fazit:
Regisseur Antoine Fuqua liefert mit Shooter einen kernigen und kurzweiligen Actionthriller der (guten) alten Schule. Der Film bietet eine ausgewogene Mischung aus Shootouts, Explosionen und diversen Verfolgungsjagden. Alles wirkt handgemacht und kommt ohne nervige Wackelkamera, Stakkatoschnitte und balletartige Zeitlupenaction daher. Die Story fesselt und bietet neben den erwähnten Actionhighlights auch ein gehöriges Maß an Spannung und Thrill. Der mit Mark Wahlberg ideal besetzte Titelheld kann sich keinesfalls ausschließlich auf Muskelkraft und Handfeuerwaffen verlassen, sondern muss auch häufiger seine grauen Zellen bemühen. Lediglich die etwas zu deutliche Propagierung von Selbstjustiz als probates und (in Ausnahmesituationen) legitimes Mittel der Problemlösung trügt etwas das Filmvergnügen. Alles in allem ein klasse Genrebeitrag.
(8,5/ 10 Punkten)