SPOILER!!!
Ein solider, für einen Edgar Wallace-Film etwas zu blutrünstig.
Der Kopfjäger erschüttert London: Immer öfter werden die Köpfe einflussreicher Personen in Paketen verschnürt aufgefunden. Der Detektiv Michael Brixan (bester Wallace-Auftritt: Heinz Drache) tappt im Dunkeln. Die Verdächtigen kommen aus der Filmszene. Dramaturg Lorenz Voss (Klaus Kinski) scheint mehr zu wissen, als er zugibt. Was hat denn Ruth, die Nichte eines der Opfer, mit dem Fall zu tun? Und welche Rolle spielt der unsymphatische Sir Gregory, der Ruth den Hof macht? Ist es wichtig, dass alle Opfer des Rächers Kriminelle waren, die nie gefasst wurden? Und was hat es mit den Zeitungsannoncen des "Wohltäters" auf sich?
Dieser Film ist die erste Rialto-Wallace Produktion, durch sein Erscheinungsjahr 1960 einer der ersten der Wallace-Filme überhaupt.
Gekonnt schaftt es der Film mehrere Handlungstränge miteinander zu verbinden und mit einem überraschenden Ende aufzuwarten. Dass das bei nicht allen Wallace-Filmen so ist, hebt den Film in die vorderen Reihen und macht ihn zu einer der besten Wallace-Filme überhaupt.
Die Schauspieler machen ihre Sache gut, solide sind alle Nebenrollen besetzt.
Doch 2 fallen deutlich raus aus der Mittelmäßigkeit:
Heinz Drache und Klaus Kinski.
Drache verkörpert den ironischen, zynischen, draufgängerischen Inspektortypus, dem der von Joachim Fuchsberger gespielte Frauentyp entgegengesetzt ist.
Hier beweist er Hartnäckigkeit, immer am Ball zu bleiben. Mutig schleicht er sich nachts in fremde Schlösser, und rettet so manches Leben. Auch die Verhöre der Verdächtigen sind sehr genau und tiefgründig dargestellt. Hier stechen die Gespräche zwischen Lorenz Voss und Michael Brixan heraus. Kinski und Drache leisten erstklassige Arbeit und treiben das psychologische Spielchen bis zum Exzess.Es ist klar, dass Voss mitschuldig ist, doch Brixan braucht Beweise. Spätestens nachdem Voss Kopf aufgefunden wird, ist klar, dass er nicht der Rächer ist. Kinski gibt wie immer den unschuldig Verdächtigten, der vom Bösen gehetzt und instrumentalisiert wird. Sein obligatorischer Wallace-Tod ist diesmal leider nicht so spektakulär.
Die Atmosphäre ist sehr gruselig gestaltet, die Schlösser und die dazu gehörigen Katakomben sind der Grund, warum hier wieder die Wallace-typische Gruselstimmung aufkommt. Die Mordwaffe ist sehr spektakulär und sticht aus den anderen Wallace-Filmen hervor:
Der Kopfjäger geht mit einer Guillotine vor und schmeißt die Köpfe einfach in den Graben. Sehr blutrünstig, dürfte nichts Alltägliches für den Kinogänger von damals gewesen sein.
Details wie die verdächtige Schreibmaschine, bei der ddie Buchstaben hochgerutscht sind, oder die Schwerter, die in Sir Gregorys Schloss hängen, und ihn damit zum Hauptverdächtigen machen, tragen zur Wirkung des Films bei.
Auch die Tatsache, dass alle, die die Kraft für einen Mord haben, am Ende als unschuldig darstehen, ist aussergewöhnlich. Dass der alte, gebrechliche Lord sich als der "Rächer" erweist, zeigt mal wieder, dass es unmöglich, ist von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein.
Man durchbricht das typische Mörderbild, und zeigt, dass auch die Leute, die am harmlosesten aussehen und praktisch unschuldig sind, die Mörder sein können. Damit stößt der Film für die weiteren Wallace die Tür der Möglichkeiten weit auf, und dürfte den Kriminalfilm der 60er geprägt haben.