Auch ein ganz durchschnittlicher Hetero kann mit dieser französischen Komödie unterhalten werden, - denn das ist schließlich die erste Frage, die sich bei dem eindeutigen Titel zwangsläufig ergibt. Dabei geht es nicht darum, eine sexuell orientierte Zielgruppe speziell anzusprechen, sondern um die ausgefallene Idee, fünf homosexuelle Geister in Retro-Tanz-Outfits in einem alten Haus herumgeistern zu lassen und dem neuen Bewohner den letzten Nerv zu rauben.
Das wurde insofern auch charmant umgesetzt, nur das Poltern fehlt ein bisschen.
Der Ursprung der übernatürlichen Erscheinung wird direkt mit dem Intro verdeutlicht: In einem Szene-Club am Rande von Paris tanzten anno 1979 ein paar Typen bei einer Schaumparty bis ein Stromschlag durch die Menge ging. In der Jetztzeit beziehen Marc und Emma jenes Gebäude, ein Haus, welches seit mehreren Jahrzehnten unbewohnt war.
Jedoch nicht ganz, denn Marc nimmt des nächtens ständig dieses „Rasputin“ von Boney M wahr und sieht die Gestalten jener Tänzer, die hier seit vielen Jahren aktiv sind.
Jedoch sieht ausschließlich Marc die Erscheinungen, was seine Beziehung zu Emma auf eine harte Probe stellt.
Ganz so spooky sollte man sich die Umsetzung nicht vorstellen, mit Tobe Hoopers „Poltergeist“ hat dieser Streifen in Sachen Spuk und unheimlicher Begebenheiten wenig gemein. Das Tempo ist zwar flott, nutzt dieses jedoch eher für nette Kalauer und Situationskomik.
Zwar löst sich die Polaroid-Kamera wie von Geisterhand aus und zeigt als Resultat Marc beim Duschen und diverse Genitalien werden ins Haus gemalt, doch die Spezialeffekte beschränken sich auf ein Durch-die-Wand-gehen der Geister.
Natürlich spricht Marc mit ihnen, was für Beteiligte so rüberkommt, als würde er total abdrehen, - eine Idee, die seit „Mein Freund Harvey“ nicht mehr so taufrisch erscheint.
Aber die Prämisse wird sympathisch serviert, man fragt sich, ob Marc, nach dem Hinweis eines gelangweilten Psychiaters, vielleicht doch schwul ist um als einziger die Gestalten wahrnehmen zu können, wie die vier magischen Steine, die den Bewegungsraum der Tänzer auf das Haus begrenzen ins Pariser Nachtleben geraten und wie der Aufenthalt in einem Gay-Club für die Hauptfigur enden wird.
Armer Marc, da ruft er die Cops und kann denen nichts weiter erzählen, als dass Unbekannte seine Wäsche gebügelt und einen Schrank aufgebaut haben und in seinem Wahn haut er auch noch seinem Schwiegervater die Schaufel auf den Kopf.
Zu beneiden ist der Kerl gewiss nicht, doch er meistert seine Situation spätestens mithilfe eines Parapsychologen, der ein auffälliges Interesse für die Produkte eines populären Fast Food Unternehmens aufweist, was wiederum für kleine Schmunzler am Rande sorgt.
Schwungvoll entfaltet sich der Plot im Gesamtbild, Witze über homosexuelle Gepflogenheiten geraten nie niveaulos oder (für Heteros) abartig, denn eher mit kindlichem Humor begegnet man den fünf Geistern, die in ihrer Ausstattung schön individuell, andere würden sagen `klischeebehaftet´ auftreten. Denn nicht nur „Village People“ zeigten einst die Neigung zu Indianer und Bauarbeiter…
Am Ende fehlt dem Ganzen jedoch ein wenig der Pfiff, man versucht final, zu viele Sub-Plots zu einer harmonischen Auflösung zu bringen, Schmunzler und kleine Lacher bleiben zwar, doch der große Überraschungsmoment, der „Poltergay“ von biederen Komödien aus den 50ern unterscheidet, bleibt bis zuletzt aus.
Der Streifen unterhält auf solidem Niveau, bietet eine simple Story ohne Anspruch, weiß mit ansprechenden Darstellerleistungen und einer nicht zu verachtend guten Synchro zu punkten, nur die richtig dollen Brüller finden sich halt nicht.
Er bewirkt jedoch Heiterkeit ohne Nervfaktor und weiß mit ruhigeren Momenten außerhalb des Stillstandes zu landen, - nicht übel, um nach einem nervigen Arbeitstag abzuschalten.
6 von 10