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Filmhistorisch ist diese Edgar Wallace-Verfilmung aus dem Jahre 1961 von durchaus großer Bedeutung: Hierbei handelte es sich um die erste deutsch-britische Co-Produktion nach Ende des zweiten Weltkriegs. „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ oder, wie der englische Verleihtitel lautete „The devil’s daffodil“, wurde vollständig in London und den bekannten Shepperton-Studios realisiert und so besitzt der Film erfreulicherweise ein zuvor unbekanntes und angesichts des stets niedrigen Produktionsvolumens der Reihe wohl auch undenkbares internationales und authentisches Ambiente.

Zwar verursacht der ein oder andere Moment durchaus Gänsehaut (unter anderem die herrlich kitschige Pre-Title-Sequenz), dennoch geht dem Film der sanfte Grusel und das Ambiente des naiven Kriminalmärchens ab, welches in früheren Produktionen vorherrschte. Die Inszenierung des ungarischen Regisseurs Ákos von Ráthonyi, Desmond Dickinsons Beleuchtung und das Drehbuch des britischen Wallace-Experten Basil Dawson bleiben pragmatisch orientiert an der zeitgenössischen Handlung um Heroinschmuggel, die hier im Vordergrund steht gegenüber der sonst expressionistischen Optik und übertriebenen Ausstattung. Dies nehmen viele Zuschauer und vor allem Fans dem Film- ungeachtet der Tatsache das er wohl eine stilechtesten Edgar Wallace-Adaptionen überhaupt ist- bis heute übel, die echten Qualitäten des Werkes werden gerne übersehen.

Denn zugleich ist und bleibt „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ einer der spannendsten und verzwicktesten Filme der Reihe. Unzählige undurchsichtige aber eben nicht willkürlich eingestreute sondern für die Handlung signifikante Verdächtige tauchen auf, müssen später aber meist doch ins Gras beissen. Und wenn man den Fall bereits gelöst glaubt zaubert das Drehbuch jenen genialen Plot-Twist aus dem Hut, welcher im Roman Ausgangspunkt ist und hier zugunsten des Spannungsbogens ins Finale versetzt wurde. Zuvor wird dem Zuschauer zwar schnell klar, was gespielt wird, jedoch nicht von wem und in welchem Kontext. So spielt der Film genau so mit dem fleißig miträtselnden Zuschauer und seiner Erwartung, wie es sich für einen wirklich gelungenen Krimi gehört. Trotz der eher geruhsamen Erzählweise geschieht permanent etwas neues, das vorab zurecht gelegte Hypothesen entwertet, wird man immer wieder überrascht und in brenzlige Situationen geführt, die oft auch in den spannungsreichen Dialogen von dem perfekten Darsteller-Ensemble getragen werden. Konstruiert wirkt der Film aber trotz seines ausgeklügelten Konzepts nie.

Der erstaunlich actionreiche Showdown verziert den packenden und erstaunlich modernen Gesamteindruck noch zusätzlich, ebenso wie die in ihrer episodenhaften Erscheinungsform stark an die Jahre später aufkommenden italienischen Gialli erinnernden, spektakulär in Szene gesetzten Morde. Leider bleiben am Ende aber doch einige nicht ganz unwichtige Fragen offen. Der Zuschauer wird über den Inhalt eines möglicherweise kompromittierenden Telegramms ebenso im Dunkeln gelassen wie über das Schicksal eines der Protagonisten, der im Showdown schwer verletzt wurde und gleichwohl gestorben sein als auch überlebt haben könnte. Diese beiden Schnitzer sind zwar verzeihlich aber dennoch bedauerlich.

FAZIT: Einer der gelungensten der insgesamt 32 Edgar Wallace-Filme aus der Rialto-Film Produktion, der im Grund bis auf einige kleine Löcher im Drehbuch keinerlei Wünsche offen lässt. Hier stimmt einfach alles, vom Aufbau der Handlung bis zu dem spielfreudigen und ausgewogenen Ensemble. „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ ist ein Refernzwerkwerk des damaligen Kriminalfilms und zieht den Zuschauer auch fast 50 Jahre nach seiner Entstehung in seinen Bann.

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