Review

London: Zum wiederholten Mal wird die Leiche eines wohlhabenden Ausländers aus der Themse gefischt... und sämtliche Toten hatten kurz zuvor noch bei der Versicherungsfirma von Stephen Judd eine Police abgeschlossen. Ein Zettel mit Blindenschrift, der bei einer der Leichen gefunden wird, weckt bei Scotland Yard-Inspektor Larry Holt Erinnerungen an die "Toten Augen von London", eine Bande blinder Verbrecher, die immer nur in Nebelnächten zugeschlagen hat. Die Spur führt schließlich in ein Blindenheim, das von dem Reverend Paul Dearborn geleitet wird und das der letzte bekannte Wohnort des "blinden Jack" ist, eines Mitglieds der besagten "toten Augen". Jener geht des Nachts tatsächlich immer wieder auf Mordtour, ist jedoch nur der Handlanger... wer ist der kriminelle Mastermind, der im Hintergrund die Fäden zieht...? Alfred Vohrer klopft mit seinem Einstieg in die Edgar Wallace-Reihe nochmal viele Elemente fest, die man heutzutage immer noch mit diesen Filmen assoziiert: Nebelverhangene Londoner Locations (haha, gedreht wurde in Hamburg!), die in stimmungsvollem Schwarzweiß eingefangen werden, dazu eine gruselige Mordserie, der irre Klaus Kinski in einer Nebenrolle als Verdächtiger und Joachim Fuchsberger als Scotland Yard-Ermittler, der nach und nach Licht ins Dunkel der Ereignisse bringt. "Die toten Augen von London" ist dabei durchaus einer der besseren Beiträge innerhalb der hiesigen Grusel-Krimi-Flut der 60er Jahre geworden, denn hier geht es Horror-mäßig ungelogen doch ziemlich gut zur Sache und der (un)freiwillige Humor hält sich in Grenzen: Selbst ein Eddi Arent hält da als lustiger Assistent den Ball verhältnismäßig flach und überzieht seine Comedy-Nummer nicht ganz so arg, wie es in einigen anderen Wallace-Streifen der Fall ist... und dazu passt dann auch die relativ unzimperliche Darstellung der Morde, die für damalige Verhältnisse wohl noch recht schockierend gewesen sein mag. Das Highlight schlechthin ist dann aber doch Ady Berber als "blinder Jack", der da bisweilen rüberkommt wie eine psychotischere Version von Ed Woods Stamm-Darsteller Tor Johnson und dessen markante Erscheinung sich durchaus in der Erinnerung des Kino-Publikums festgesetzt haben dürfte. Dem Spaß am pulpigen Erzählen steht die relative Ernsthaftigkeit jedoch nicht im Weg und Vohrers Inszenierung ist da bisweilen von einigen auffälligen Regie-Einfällen geprägt, die die Angelegenheit nicht unerheblich auflockern. Auch wenn der Zahn der Zeit an "Die toten Augen von London" natürlich ebenso genagt hat wie an allen anderen damaligen Rialto-Produktionen auch, so ist hier doch zumindest, was den schieren Unterhaltungswert anbelangt, immer noch einiges drin. Fazit: In Sachen Wallace-Adaptionen recht weit vorne mit dabei und auch längst nicht so trashig wie das (trotzdem - oder deswegen? - amüsante) 1968er-Quasi-Remake "Der Gorilla von Soho".

7/10

Details
Ähnliche Filme