Review

Beyond The Ironside

„Neon City“ ist ein Endzeit-Actioner der frühen 90er, genauso von großen Western und Spannungsfahrten inspiriert („Stagecoach“, „Wages of Fear“, „Sorcerer“) wie vom one and only Mad Max - über eine gut gepanzerte und belagerte Fahrt in die besagte Neon City, wo ein stoischer Ironside als Kopfgeldjäger eine junge Frau, seine Beute (damaliger Popstar Vanity!), abliefern will, nachdem die Welt durch Atomkriege und anderen menschlichen Schmutz zugrunde gegangen ist…

Man merkt natürlich, dass „Neon City“ jetzt nicht unendlich viel Kohle im Köcher hatte. Vor allem die Action stinkt gegen jede Nebenhandlungsbalgerei von jedem „Mad Max“ absolut ab. Hier und da explodiert mal ein Reifenstapel oder ein Biker fliegt vom Motorrad, die Blutkapseln explodieren solide in den rostigen Lagerhallen dieser Welt. Aber vom Hocker haut einen die Action jetzt nie. Doch zum Glück hat „Neon City“ andere Qualitäten, die mich zum Teil richtig warm erwischt und positiv überrascht haben. Zum einen wäre da der immer charismatische und garstige Ironside, hier als Antiheld und Anker der ganzen Schotterpiste. Das wirkt, das funktioniert, jede Szene mit ihm fesselt. Auch wenn ich ihn insgesamt lieber als Baddie sehe. Trotzdem hier zurecht Coverboy und wortwörtlich Zugpferd. Doch auch visuell, akustisch und atmosphärisch hat „Neon City“ viel mehr auf dem Kasten und Kerbholz, als ich ihm vorher in den kühneren Träumen zugetraut hätte! Alles wirkt gebraucht und verraucht, schmutzig und roh, gelebt und vergilbt. Von den Klamotten über den Look des gesamten Films bis zu den sandigen Synthies. Die Budgetmängel werden sehr gekonnt und wertig überspielt, überklebt, verstopft. Vor allem wenn auch mal durch atomare Bomben überlichtet wird oder man sich anfangs in einer Art Drecklochmarkt mit allerlei Abschaum befindet. Da sind dann „Robocop“ oder die Kantina aus einer weit entfernten Galaxie nicht weit weg. Gerade in besserer Bildquali könnte „Neon City“ echt ein B-Movie-Hingucker werden und seine Längen nochmal besser übertünchen. Aber auch so ist das eigentlich viel unterhaltsamer, dichter und attraktiver als er jedes Recht hätte. Dieser Endzeithubbeltrip sollte nicht in der Versenkung verschwinden! 

Fazit: überraschend anguckbare, haptische und rabiate Mad Mad-Variation, hier mal aus den Staaten, nicht den Kiesgruben Italiens. Ein gar nicht mal allzu actionreicher, dafür umso atmosphärischer und klasse klingender Roadmovie. Endzeit zum Anfassen. Weniger Trash als man meint. Der hat eine würdige (HD-)Veröffentlichung verdient! 

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