Aus dem Jahr 1985 stammt dieser aufwendige, sorgfältig inszenierte TV-Zweiteiler. Bei einer Laufzeit von rund 280 Minuten erlaubt man sich hier, mit der Handlung weiter auszuholen, als es bei anderen Columbus-Verfilmungen der Fall ist. Dies betrifft vor allem die Vorgeschichte: Columbus´ Ankunft in Lissabon 1476, seine vergeblichen Versuche eine Expedition nach Westen finanziert zu bekommen, und seine Reise nach Spanien, wo er unter anderem in den Krieg gegen die Mauren verwickelt wird. Das ist wunderbares, klassisches Erzählkino mit guten Dialogen, an Original-Schauplätzen gedreht, schön ausgestattet und mit tollen Schauspielern besetzt.
Bis zur großen Aufbruch-Szene, in der Columbus mit seinen drei Schiffen gen Westen in See sticht, vergehen gut 100 Minuten, und speziell diese Sequenz möchte ich hier lobend erwähnen:
Während sich am Hafen zahlreiche Zuschauer versammelt haben, laufen an Deck unter Columbus´ Aufsicht die letzten Vorbereitungen für die große Reise. Anker lichten, Segel setzten, etc. Träge und langsam gleiten die Schiffe aufs offene Meer hinaus. Das hat man sicher schon zigfach in anderen Filmen gesehen, doch es ist die Musik, die diese Sequenz zu etwas Besonderem macht. Riz Ortolani (u.a. bekannt für seine langjährige Zusammenarbeit mit Jacopetti) vermeidet nämlich musikalische Klischees. Szenen, in denen man sonst heroischen Bombast, fröhliche Chantys oder gar seichte Pop-Hymnen (Vangelis bei 1492) gewohnt ist, werden bei Ortolani zu einer Reise in die Ungewissheit. Der Komponist nimmt sein opulentes Columbus-Thema und zerdehnt es zu zeitlupenhafter Geschwindigkeit. Gleichzeitig untergräbt ein spröder Streicherteppich die zaghaften Versuche vom Blech, das Hauptthema zu formulieren. Nie klang das Auslaufen von Nina, Pinta und Santa Maria so schicksalhaft, schwermütig und gleichzeitig voller Hoffnung und Abenteuergeist. Der Höhepunkt einer prachtvollen Komposition.
Überfahrt, Entdeckung Amerikas, Rückkehr nach Spanien etc. halten das hohe Niveau der ersten Hälfte.
Alles in allem eine wirklich gelungene Abenteuer-Unterhaltung, die sich eng an historische Fakten hält, ohne übertriebene Action auskommt, und bis in die Nebenrollen sehr gut besetzt ist.
Die DVD von Koch Media bringt den Film als Zweiteiler. Die deutsche Fassung wurde damals meines Wissens nach in drei Teilen ausgestrahlt und war wohl auch etwas kürzer.