Review

Monsterkäfer wollen von einem entfernten Planeten aus die Menschheit auslöschen, woraufhin auf der Erde eine allgemeine Mobilmachung erfolgt. Casper van Dien spielt einen jungen Schulabsolventen, der sich beim Militär meldet, um seiner Freundin zu imponieren, muss nach seiner knallharten Ausbildung dann jedoch feststellen, dass ihn brutale Gemetzel erwarten, in denen viele seiner Kameraden ihr leben lassen müssen.

Eines muss man Paul Verhoeven ja lassen, er schafft es immer die Gemüter zu spalten. Nachdem die Gewaltdarstellungen von "RoboCop" und die gewagten Erotik-Szenen in "Basic Instinkt" bereits für Gesprächsstoff sorgten, tut dies auch sein Sci-fi-Actionfilm "Starship Troopers", der viele Anhänger gefunden hat, aber auch einige Kritiker. Die Fans des Films lassen sich aber auch noch einmal in zwei Lager aufteilen, den einen gefällt der Film wegen seiner Schauwerte, den anderen gefällt Verhoevens beißender Zynismus, der den Film, der auf den ersten Blick wenig Innovation hat, doch zu etwas Besonderem macht.

Die Inszenierung ist typisch für Verhoeven. Die Gewaltdarstellungen sind wie schon bei "Total Recall" und "RoboCop" kompromisslos und brutal. Viele Regisseure hätten wohl auf solche brutalen Splatter-Szenen verzichtet, um den, mit 100 Millionen Dollar sehr hoch budgetierten Film, möglichst mit einer Altersfreigabe ab 12 in die Kinos zu bringen, Verhoeven zeigt aber einmal mehr Konsequenz, stellt hart und realistisch dar, wie die Menschen ihr Leben lassen und mindestens genauso heftig, wie ganze Käfer von innen heraus explodieren und erreichte damit sogar, dass sein Film in Deutschland stark gekürzt werden musste. Die Effekte sind das Beste, was die Tricktechnik vor 10 Jahren zu bieten hatte und entspricht immer noch dem obersten Niveau. Aber nicht nur qualitativ wissen die Action- und Splatter-Sequenzen zu überzeugen, auch quantitativ ist das ganze mit einer enorm hohen Dosierung sehr gut gelungen. Zudem sind sie ohne ständiges Verwackeln überzeugend in Szene gesetzt.

Das Erzähltempo ist zügig, hinzu kommen noch ein paar ganz nette Gags, teilweise herzhafter, teilweise rabenschwarzer Humor und so könnte Verhoevens Film kaum besser unterhalten, zumal auch der Spannungsbogen, der bis zum Finale kontinuierlich ansteigt grundsolide gelungen ist. Wie bei allen anderen Verhoeven-Filmen gibt es auch hier einige erotische Szenen und hübsche Darstellerinnen zu sehen. Der hohe Schauwert wird zudem durch das hervorragende Design, die futuristische Ausstattung und natürlich die surrealen und düsteren Kulissen der fremden Planeten abgerundet. Auch am Score, der die Action-Szenen gut unterlegt und teilweise eine düstere Atmosphäre aufbauen kann, gibt es überhaupt nichts zu bemängeln und so lässt sich Verhoevens Inszenierung durchaus als perfekt bezeichnen.

Über die eigentliche Handlung lässt sich nicht viel sagen: Die Charakterkonstruktion füllt komplett das Klischee aus, die meisten Figuren sind entweder tapfere, junge Männer, oder hübsche und ebenso unerschrockene Frauen und die Hauptfigur ist natürlich der größte Held unter den Helden. Die Handlung ist vorhersehbar, hat kaum Wendungen, füllt die Laufzeit aber halbwegs sinnstiftend aus und hinzu kommen noch ein paar aufgesetzt wirkende Liebesbeziehungen.

Aber Stopp! Denn in diesem Fall ist es ausnahmsweise einmal Absicht, dass wir erneut so ein flaches Vehikel als Story aufgetischt bekommen, das lediglich von einer Action-Szene zur nächsten führen soll. Hier ist nämlich die Handschrift von Verhoeven am deutlichsten zu erkennen. Er macht sich mit der deutlichen Übertreibung der Genre-Klischees eindeutig über das Mainstream-Kino lustig und zieht über andere Materialschlachten und Zerstörungsorgien wie beispielsweise den kürzlich zuvor erschienen "Independence Day" lustig. Ob nun die Glorifizierung des Militärs und der Soldaten, oder die trashige Grundidee um die Riesenkäfer aus einer anderen Galaxie, Verhoeven präsentiert uns hier teilweise eine richtig zynische Parodie, auch wenn diese zwischen den fulminanten Action-Szenen des Öfteren verblasst und auch ich gebe gern zu, dass mir der Film primär wegen der Action-Szenen gefallen hat und nicht wegen des hintergründigen Humors.

Casper van Dien wird wohl für immer als Johnny Rico aus "Starship Troopers" in Erinnerung bleiben, zumal er ansonsten kaum mit anderen größeren Rollen in Erscheinung treten konnte. Er spielt zwar einigermaßen solide, passt auch ganz gut in die Heldenrolle und ist zudem relativ sympathisch, aber in meinen Augen fehlt ihm jegliches Charisma, das eine Hauptfigur in einem solchen Film in meinen Augen haben sollte. Möglicherweise war auch dies Absicht von Verhoeven, um einen 0815-Helden zu bekommen, aber in diesem Fall hätte er sich doch lieber einen anderen Hauptdarsteller suchen sollen, statt noch eindeutiger mit Klischees um sich zu werfen. Denise Richards, die zum Zeitpunkt des Drehs ebenfalls kaum Erfahrung hatte und genauso wie van Dien nach "Starship Troopers" wieder in der Versenkung verschwunden ist, überzeugt vor allem durch ihre charmante Art und einen ansehnlichen Köperbau, aber auch sie ist darstellerisch nicht unbedingt die beste Wahl, auch wenn sie die Rolle solide meistert und dasselbe gilt auch für Dina Meyer, die später mit der "Saw"-Reihe auf sich aufmerksam machen konnte. Der übrige Cast ist ebenfalls solide, wobei mir vor allem Michael Ironside als kerniger Anführer sehr gut gefallen hat.

Fazit:
"Starship Troppers" unterhält mit seinen zahlreichen, tricktechnisch einwandfreien und überaus brutalen Action-Sequenzen, einem Schuss Humor und Erotik, den sehenswerten Kulissen, dem starken Score und seinem schnellen Erzähltempo hervorragend. Darüber hinaus ist auch Verhoevens Kritik am Mainstream-Kino durch die übertriebene Verwendung etlicher Genreklischees hervorragend gelungen. Allerdings könnte die Handlung die eine oder andere überraschende Wendung vertragen und auch der Cast ist eher mittelmäßig. Dennoch ist Verheovens kompromisslose Zerstörungsorgie einer der besten Vertreter seines Genres und jedem zu empfehlen.

89%

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