Mit einiger Skepsis kaufte ich mir den Buckligen von Soho, den ersten Farbfilm der deutschen Edgar-Wallace-Krimireihe. Denn mit den bunten Wallace-Filmen verbinde ich eher die schwachen Vertreter der Reihe, aber DVD rein und mal schauen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Dieser Wallace macht einfach Spaß, denn er ist in vielem anders als die Filme, die ich als Wallace-Klassiker bezeichnen würde.
Als erstes fällt der äußerst unaufgeregte Inspektor (Günther Stoll) auf, der im
Gegensatz zu Fuchsberger mit viel Zurückhaltung und weniger Lautstärke agiert. Allerdings bringt er auch nicht den Sarkasmus eines Heinz Drache mit sich. Trotzdem: eine herzlich willkommene Abwechslung. Zudem glänzt der Film mit poppigen Farben, die aber dank ihrer Weichheit dem Auge nicht wehtun. Und auf der Ufa-DVD sieht das Bild toll aus. Nach der Restaurierung ist es gestochen scharf, ich war sehr beeindruckt. In jeder Ecke des tollen Setdesigns findet sich eine geheime Tür, durch die die
Bösewichter verschwinden können. Auch der Mordgehalt dieses Wallace' schien mir sehr hoch. Ständig wird gewürgt, geschossen und gefoltert. Und das Bordell und die Gangster geben dieser version eine sehr verruchte Atmosphäre.
Siegfried Schürenberg, Agnes Windeck und Hubert von Meyernick bringen den Humor in den Film, den man von einem echten Wallace erwartet. Nur Starkomiker Eddi Arent entpuppt sich diesmal als weniger komisch, als man ihn kennt. Das ist ein toller Twist im Cast, der den fehlenden Klaus Kinski gut ersetzt. Auch sonst machen die Schauspieler trotz ihres Wallace-typischen Overactings ihre Sache gut, die Frauen sind nicht nur am Schreien, dennoch befinden sie sich in ihrer klassischen Opferrolle.
Der Bucklige von Soho, der tatsächlich eher nur eine Nebenrolle erfüllt,
funktioniert als trashiger Krimi im 60er-Charme ganz vorzüglich, auch wenn ihm die Gruselatmosphäre anderer Wallace-Filme fehlt.
Insgesamt merkt man dem Film an, dass die Macher sich viel Mühe gaben, den Wallace-Filmen ein farbiges Gesicht zu geben. Erst später, sagen wir mal in der Horst-Tappert-Ära, wirkten die Farbfilme sehr lieblos. Im Buckligen von Soho kommt aber eine wunderschöne Atmosphäre auf, die mit ihren reichhaltigen Twists die Geschichte durchaus „spannend“ macht. Allerdings sollte man keine zu hohen Erwartungen an das Drehbuch haben. Dennoch: So schwach wie das der seltsamen Gräfin oder des Hundes von Blackwood-Castle ist es nicht.
Fazit: Buntes Vergnügen mit vielen Hintertürchen, sowohl im Set, in der
Geschichte als auch im Cast. Auch wenn die Logik und der dramaturgische Bogen etwas bemüht wirken, ein tolles Schauspieler-Ensemble, die sichere Regie, der nette Humor und die tolle Optik machen diesen Wallace zu einem der vergnüglichsten der Reihe. 8/10