Review

Nach Harald Reinls "Der unheimliche Mönch" durfte Alfred Vohrer wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen und mit "Der Bucklige von Soho" Rialtos ersten Edgar Wallace in Farbe inszenieren.


Nach einem Drehbuch von Herbert Reinecker entstand ein rauer und sehr brutaler Krimireißer, der bis auf frische Farben und Günther Stoll als unverbrauchten Yard-Ermittler wenig Innovation zu bieten hat.
Der Vorgänger bot bereits die Mischung aus Erbschaftskrimi gepaart mit den Machenschaften einer Mädchenhändlerbande und auch Reineckers Schurkenstück bleibt der alten Mischung treu ohne sich einmal die Mühe zu machen, Verbrechen und Rollenklischees auszutauschen. 
Lediglich die ländliche Umgebung des noch im atmosphärischen schwarz-weiß gedrehten "Mönch"-Krimis wurde ins nebelige Londonder Sündenpfuhl Soho verlegt und sorgt für einen leichten Anstieg an bieder inszenierten Nuditäten, während sich die Ereignisse wie gewohnt überstürzen, die Handlung notdürftig konfus gestrickt ist um den Zuschauer vom Übeltäter abzulenken, dessen Identität hier weit weniger überraschend ist als jemals zuvor.

Alfred Vohrer, meist beschäftigter Regisseur innerhalb der Wallace-Reihe, "enttäuscht" mit einer ungewohnt unspektakulären Inszenierung, die viele Fragen offen lässt und im Finale keine überzeugende Aufklärung bei der Enttarnung des Hauptschurken liefert. 
Stattdessen verkommt "Der Bucklige von Soho" zum Ende hin zu einer stumpfsinnigen Gewaltorgie, die Morde im Sekundentakt bietet, aber jegliche Raffinisse und überraschende Wendungen vermissen lässt.

Auf der darstellerischen Seite überzeugt vor allem Eddi Arent mit seinem wandlungsfähigen Spiel, der sich innerhalb weniger Sekunden vom naiven Reverend David Perkins zum durchtriebenen Unterweltboss wandelt. 
Pinkas Braun, dessen Rolle im späteren "Im Banne des Unheimlichen" noch undurchsichtiger gestaltet ist, wird dem Zuschauer von Beginn an als kaltblütiger Handlanger und Befehlsempfänger einer Organisation präsentiert, während Arents Doppelrolle bereits zur zweiten Filmhälfte enttarnt wird. 
Die Frage, wer denn nun im Finale als der Schurke aller Schurken entlarvt wird, gestaltet sich für den geübten Zuschauer als leichtes Spiel, zumal angesichts des hohen Bodycounts die Auswahl an Verdächtigen bis zur endgültigen  Auflösung nicht mehr sehr groß ist.
Ansonsten ist mit Günther Stoll als Inspector Hopkins ein neuer Ermittler beim Yard am Start, der nicht annähernd das Charisma und die Coolness eines Blacky Fuchsberger erreicht, zumindest aber charismatischer als Harald Leipnitz ist. 
Günther Stoll sollte noch einmal in "Das Gesicht im Dunkeln" einen Yard-Beamten spielen, während er in zwei weiteren Wallace-Krimis ("Die Tote aus der Themse" und "Das Geheimnis der grünen Stecknadel") die Seiten wechselte und den Täter spielte.
Siegfried Schürenberg sorgt für die gewohnt trockenen Humoreinlagen als trotteliger Sir John, der zwei Jahre später von Hubert von Meyerinck als neuer Scotland Yard-Chef Sir Arthur beerbt werden sollte - eine der - meiner Meinung nach - unsinnigsten Fehlentscheidungen der ganzen Filmreihe.
Von Meyerinck gibt in "Der Bucklige von Soho" noch den General Perkins und kämpft zusammen mit Joachim Teege als Rechtsanwalt Stone um den ersten Preis beim Overacting-Wettbewerb: zwei gnadenlos schlechte Performances, die angesichts der ernsthaften Umsetzung der Handlung, deplatziert wirken. So verkommt der reißerische Thriller streckenweise zur unfreiwillig komischen Krimiposse.
Ilse Page, hier noch Mordopfer, durfte wenig später Sir John und Sir Arthur als drollige Sekretärin Maible Finlay zur Seite stehen.

Ansonsten punktet "Der Bucklige von Soho" trotz altbewährter Handlungselemente mit einem abwechslungsreichen Score von Peter Thomas, der das Tempo und den Thrill dieses Krimis wie immer perfekt zur Geltung bringt.

Insgesamt gesehen ein unterhaltsames Wallace-Produkt, bei dem erstmals Abstriche in Qualität und Einfallsreichtum sowohl bei Drehbuch und Regie erkennbar sind, der Gesamteindruck dieser Wallace-Verfilmung dadurch aber nur minimal getrübt wird.

7/10

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