Jetzt kommt mir innerhalb kürzester Zeit schon wieder diese urbane Legende von „Bloody Mary“ unter, hier wird sie halt „Dead Mary“ genannt.
Also, Kerze an, ab vor den Spiegel und dreimal ihren Namen sabbeln, dann fährt der Geist eines Dämons in einen der Körper von Freunden, die sich für ein feuchtfröhliches Wochenende in einer Waldhütte am See getroffen haben.
Klingt abermals nach „Evil Dead“ und dessen Kopie „Cabin Fever“ und stellt insofern nichts als ein weiteres belangloses Plagiat dar. Schlimmer noch, der Streifen spart am falschen Ende und setzt für die angesprochene Zielgruppe die vollkommen falschen Prioritäten.
Denn lange Zeit kommt die Handlung überhaupt nicht in Gang. Es dauert sage und schreibe über eine halbe Stunde, bis die erste Person das Ritual im Bad vollzieht.
Bis dahin erfährt man ein wenig über die sieben Leute, die sich am Wochenende betrinken, baden und Musik hören. Es wird über alte College Zeiten gesprochen, Ansichten über Treue und Vertrauen werden ausgetauscht, einige Paare kämpfen mit Problemen in Sachen Fremdgehen, aber inhaltlich passiert eigentlich gar nichts. Dafür sind die Personen auch viel zu uninteressant, als dass sie soviel Raum für eine Einleitung benötigten, beim üblichen Teenie Slasher ginge das in wenigen Minuten vonstatten, was hier über eine gefühlte Laufzeit von einer Stunde betrieben wird.
Da die Stimmung in der Gruppe also depressiv angeschlagen ist, schlägt Dominique Swain vor, das Spiegelritual durchzuziehen. Drei Leute machen das der Reihe nach, aber bis auf ein lautes Poltern ist zunächst nichts weiter auszumachen. Doch noch in derselben Nacht wird ein Typ ermordet, die Frage ist nur, in wessen Körper der Dämon gefahren ist, denn nach außen hin scheinen alle unverändert.
Es folgt also ein Dämonenratespiel, da jeder jeden verdächtigt und im Weiteren ein paar Leute sterben, als Untote erwachen und erneut Misstrauen und falsche Beschuldigungen verbreiten.
Prinzipiell eine gute Prämisse, doch der Verlauf kann nur unzureichend mit Spannung aufwarten.
Recht schnell ist die Identität der besessenen Person aufgedeckt, wieder stehen persönliche Zwistigkeiten auf dem Programm und dem Ganzen mangelt es komplett an Tempo und Romms Bomms.
Denn spätestens jetzt würde man eine temporeiche Dämonenjagd erwarten, zumindest ein paar ordentliche Splattereffekte und einen dramatischen Showdown. Bleibt aber alles aus.
Da ist zu wenig Bewegung drin, welche immer wieder von langen Dialogen und Close Ups der Darsteller herausgenommen wird. Zudem traut sich die Kamera nicht, eine Gewalttat explizit festzuhalten, die meisten Aktionen geschehen im Off, lediglich eine einzige Einstellung im Zusammenhang mit einer Gartenkralle ist für einen Moment im Bild.
Ja, und dann das Finale: Nichts mit Verfolgung und Weglaufen, nein, die beiden Überlebenden warten geduldig, bis die besessene Person auftaucht, es fällt ein Schuss, Abspann. Wenn da nicht einige Masken-FX auf Dämonen hinwiesen, könnte man den Streifen auch für einen zaghaften Whodunit Krimi ohne Miträtseln halten.
Was dem Werk letztlich zugute kommt, sind die Darsteller, von denen niemand negativ auffällt. Dominique Swain und ein gewisser Jefferson Brown agieren sogar überdurchschnittlich und können dem teilweise belanglosen Treiben zumindest noch eine gewisse Authentizität verleihen. Auch die Passagen des Untotenspiels fallen nicht dem Overacting zum Opfer, lediglich einige Dialoge kommen zu klischeehaft rüber.
Doch was nützt es, bis endlich mal ein wenig Spannung aufkommt, ist bereits fast die Hälfte der Laufzeit vorüber, etwa zwanzig Minuten gegenseitiger Verdächtigungen sind okay, aber der Showdown kommt viel zu abrupt und ideenlos daher, - das verstärkt die Enttäuschung über das Vorangegangene erneut.
Im Endeffekt bekommt der Genrefreund keinen Slasher geboten, sondern ein Kammerspiel ohne nötigen Drive, dem es von vorne bis hinten an fesselnden Szenen mangelt.
Mag sein, dass den einen oder anderen Zuschauer die dialoglastige Form von Spannungsaufbau überzeugt, ich für meinen Teil ziehe das gewohnte Niedermetzeln nach dem „10 kleine Negerlein“- Prinzip vor.
In nächster Zeit werde ich Filme, die den Namen Mary beinhalten, tunlichst meiden.
3 von 10