Aufgrund eines gefälschten Gutachtens des Irrenarztes Dr. Mangrove über seinen Geisteszustand wandert Dave Emerson, der vehement seine Unschuld beteuert, für den Mord an dem Gärtner Amery nicht lebenslang ins Zuchthaus, sondern stattdessen in Mangroves Heilanstalt... wo ihm jedoch schon bald mit Hilfe eines Unbekannten die Flucht zurück auf den Landsitz der Emersons gelingt. Dort angekommen schlüpft er in die Rolle seines Zwillingsbruders Richard, welcher just in derselben Nacht spurlos verschwindet, und kann so dem Zugriff der auftauchenden Polizei, die auf der Suche nach einem geflohenen Verrückten ist, entziehen. Lediglich Scotland Yard-Inspector Craig kann Emerson nicht täuschen, doch dieser lässt ihn mit seiner Charade gewähren, da er ihn tatsächlich für unschuldig hält. Derweil geht in dem Schloss der Emersons ein vermummter Killer mit der "blauen Hand" - einem krallenbewehrten, mittelalterlichen Folter-Instrument - um, der es offenbar auf Daves weitere Brüder Robert und Charles sowie seine Schwester Myrna abgesehen zu haben scheint. Craigs Ermittlungen führen schließlich wieder in die besagte Irrenanstalt, denn Dr. Mangrove ist ganz offensichtlich irgendwie in die merkwürdige Angelegenheit verwickelt... Nach den beiden schwachen, vorhergehenden Farb-Beiträgen zur hiesigen Edgar Wallace-Reihe "Der Bucklige von Soho" und "Das Geheimnis der weißen Nonne" knüpft "Die Blaue Hand" qualitativ wieder an einige der besseren Schwarzweiß-Gruselkrimis an... einerseits, weil durch die leichenreiche Whodunit?-Handlung wie zuvor schon bei den Highlights "Das indische Tuch" und "Zimmer 13" ziemlich deutliche Anleihen beim Horrorfilm genommen werden, die der sonst eher biederen Masche ganz gut zu Gesicht stehen, und zum anderen, weil das Ganze durch den wie immer irren Kinski in einer Doppel-Rolle mit einem ziemlich hohen Beklopptheits-Wert daherkommt, der durchaus für Unterhaltung sorgt. Als dezent vom Italo-Horror der 60er beeinflußter Proto-Slasher (die Wahl der Location und das Outfit des Killers wecken da Erinnerungen an Antonio Margeritis "Das Schloss des Grauens"...!) sorgt der Streifen darum auch für pulpig-spannende Unterhaltung, die man allerdings wieder mal nicht auf sowas wie eine innere Logik abklopfen sollte, denn in der Beziehung kracht es erneut ganz schön heftig im Gebälk. Die mittlerweile mit einiger Routine daherkommende Inszenierung von Stamm-Regisseur Alfred Vohrer, der hier bereits zum zehnten Mal (!) für die Rialto ran durfte, fegt über etwaige Drehbuch-Schwächen allerdings ganz gekonnt hinweg und konzentriert sich stattdessen auf die reißerischeren Elemente der Story wie eben einen gruseligen Body Count oder die zwielichtigen Machenschaften in der Irrenanstalt. So sind es dann auch voll und ganz die Schauwerte, die hier zählen: Neben den für die Verhältnisse der damaligen Zeit relativ graphischen Morden gibt es da auch so einige Szenen, in denen mit Schlangen und Ratten ein bisschen naturalistischer Ekel verbreitet werden soll, während die hübsche Diana Körner in der Rolle der Myrna Emerson dazu die frühe Scream Queen macht und sich ganz schön einen abkreischt. So sind die Kinogänger damals zweifellos gut bedient worden, während "Die blaue Hand" heutzutage weitaus weniger "hart" wirkt, aber dafür das Publikum mittlerweile mit einem antiquierten Charme für sich einnimmt. Vohrers Film hat es sogar in mehreren Versionen bis nach Amerika geschafft: Zunächst leicht gekürzt als "Creature with the Blue Hand"... und dann rechtzeitig zum Video-Boom nochmal als VHS-Release unter dem Titel "The Bloody Dead" in einer Fassung, für die Independent International-Chef Samuel M. Sherman wie schon bei "Raiders of the Living Dead" höchstpersönlich ein paar Gore-Szenen nachgedreht hat, um das Ganze wohl in Zeiten nach "Freitag der 13." & Co für die Splatterfilm-Crowd ein wenig aufzupeppen. Da würde ich ja gerne mal 'nen Blick drauf werfen...
6/10