Review

Ginji – Der Schlächter
(Asian Film Network)    

Mit Ginji - Der Schlächter präsentiert uns die Firma Asian Film Network einen japanischen Film, der streng den Traditionen des Genres folgt, sich trotzdem in keine Schublade einordnen lässt.
Die Geschichte beginnt furios wie schon lange kein anderer Film mehr. Wir schreiben das Jahr 1953, und beobachten den ehemaligen Soldaten Giji Sonezaki, wie er sich mit einem Schwert durch eine Armee von Gegnern metzelt. Hier sprudeln Blutfontänen meterhoch (trotz der unglaublichen Brutalität dieser Szene wirkt sie sehr ästhetisch. Fatal, wenn Gewalt und Ästhetik so eng beieinander liegen).
Da der Film in zwei Zeitebenen spielt (genau genommen sogar noch mehr) sehen wir einen jungen Ginji, der durch den bekannten Schauspieler Riki Takeushi (einer von Takashi Miikes Stammschauspielern) dargestellt wird. Wenn Takeushi sonst eher durch ein manchmal schon nerviges Überagieren auffällt, schafft er es hier, dieses weitestgehend im Zaum zu halten, und seiner Figur eine echte Persönlichkeit zu geben.
Der alte Ginji, spielend in der Gegenwart, wird durch den sehr souverän und überzeugend auftretenden Isao Natsuyagi (welcher schon in den 60ern in einigen Samurai – Filmen auftrat, aber auch in Actionfilmen wie Der Untergang Japans glänzte) verkörpert. Dieser wird nach fünfzig Jahren Haft in eine für ihn fremde Welt entlassen. Er versucht sich zurechtzufinden, scheitert aber immer wieder an alten Emotionen und Gedanken, die wie Rückblenden sein Denken überlagern. Hier verschmelzen nicht nur für Ginji, sondern auch für den interessierten Zuschauer die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Man erlebt einen jungen Ginji als Soldat im zweiten Weltkrieg, getrieben von Pflichtgefühl und Ehre, verzweifelnd an der politischen Situation Japans, immer in der Hoffnung, etwas verändern zu können. Dies entfernt ihn von seiner Familie, und bringt ihn dazu, mit seinem Freund Kuroda einen Handel aufzuziehen, der das Volk mit allem was es benötigt, zu beliefern. Der Handel floriert, bis er bemerkt, dass Kuroda ohne sein Wissen eine mafiöse Organisation aufgezogen hat. Dies führt durch tragische Verstrickungen zu der eingangs erwähnten Bluttat. Als alter Mann erkennt er, dass Kuroda mittlerweile einen hohen Rang in der Politik innehat. Er lernt eine junge Reporterin kennen, die ihn immer mehr in eine für alle tragische endende Geschichte zieht.
Was uns Regisseur Takeshi Miyasaka (Gangsters 1&2) hier  serviert, ist intelligentes, aufwühlendes und faszinierendes Kino. Auf der einen Seite wirkt es sehr traditionell, und dabei mit Genreklassikern wie Der Pate zu vergleichen, aber andererseits liefert es eine moderne Komponente, die den Film in das neue Jahrtausend katapultiert. Der stimmige Score, die überzeugenden Schauspieler und die teils verwirrenden Zeitsprünge liefern einen in sich sehr stimmigen und runden Film. Wirkt die erste Hälfte des zweistündigen Filmes ein wenig langatmig, relativiert sich dieses Gefühl, da einem durch die Dialoge und verschiedenen Zeitebenen eine extreme Tiefe der einzelnen Charaktere geboten wird, die das Folgende um so dramatischer erscheinen lässt.
Ein Lob geht hier an die Firma Asian Film Network, da sie Ginji - Der Schlachter in seiner ungeschnittenen Fassung präsentiert. Leider wurde beim Ton nur eine Dolby Digital 2.0 Tonspur spendiert, wo wahrscheinlich ein wenig mehr besser gewesen wäre. Extras liegen keine vor. Dies ist bei solch einem wirklich hervorragenden Film traurig. Trotzdem ist Ginji wirklich ohne Bedenken zu empfehlen, da er einer der besten und spannendsten Gangsterfilme der moderneren Filmgeschichte ist!!! Also an alle Interessierten: sofort zugreifen, hier ist ein moderner Klassiker!!! Rasant, tiefsinnig, elegant, teils schwermütig und immer intelligent und mitreißend!!!

CFS

 

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