Review

Mit diesem Streifen wird man sprichwörtlich in die Wüste gejagt, so knochentrocken, dass Staub und Hitze den Betrachter häufig zum Wasserglas greifen lassen.
Dabei geht es doch nur um zwei Personen: Den Jäger und den Gejagten.

Geraden eben noch befand sich Eddie (Luke Goss) auf der Durchreise in einem Diner, kurz darauf erwacht er inmitten der Mojave-Wüste, neben ihm ein Kompass und ein Walkie-Talkie.
Am anderen Ende meldet sich Jimmy (Lance Henriksen), der ihm empfiehlt, sich stets Richtung Norden zu bewegen, andernfalls sei das Leben von Eddies Familie in Gefahr.
Eddie ahnt nicht, warum der Fremde das mit ihm veranstaltet und welche perfiden Spielchen er in Kauf nehmen muss, um zu überleben…

Überleben ist ein gutes Stichwort, denn Jimmy will, dass sich Eddie möglichst lange windet, denn er könnte ihn problemlos aus einiger Distanz abknallen.
Über seine Motivation erfährt man bis zum Showdown nichts und auch die Zwischensequenzen einer schwimmenden Frau im Pool, die Eddie zeitweise in den Sinn kommen, tragen anfangs nicht zur Aufklärung bei.
Die Rollenverteilung scheint klar. Das Motiv kann nur Rache sein, die Frage ist letztendlich – Rache wofür?

Bis dahin wird es dem Betrachter leicht gemacht, sich in Eddies ausweglose Position hineinzuversetzen. Die sengende Hitze ist förmlich spürbar und auch die latente Beobachtung durch Jimmy, der die wenigen Möglichkeiten, in der Wüste Demütigungen zu veranstalten, komplett nutzt. Die rettende Wasserflasche ist voller Salz, wieder andere werden kurz vor Erreichen zerschossen, dann wird Eddie nackt an einen hohen Kaktus gekettet und an anderer Stelle bis zum Mund in den Sand eingegraben. Jimmy genießt seine Machtposition und dennoch erschleicht einem im Verlauf immer stärker das Gefühl, dass dieser seine fein säuberlich geplanten Aktionen auch nicht aus reiner Freude am Sadismus durchzieht.

Unterstützt wird das überwiegend spannende Unterfangen von den beiden Darstellern, allen voran Luke Goss, von dem man kaum mehr glauben mag, dass der in den 80ern als trällerndes Michael Jackson Imitat bei „Bros“ sang. Seine Performance ist durchweg glaubhaft, zumal er trotz mangelnder Charakterzeichnung das Optimum aus seiner Rolle rausholt, angefangen vom gereizten Opfer, bis hin zum sarkastischen Typen, der sogar eine Fahrt in Ketten auf der Motorhaube eines Jeeps zu genießen vorgibt.
Henriksen hat dabei weitaus weniger zu ackern, bringt er jedoch besonders zum Finale nuancierte Emotionen ins Spiel, die seine Figur beileibe nicht eindimensional erscheinen lassen.

Was man dem Regiedebüt ein wenig vorwerfen muss, ist seine Langatmigkeit, da aus der Prämisse stellenweise mehr herauszuholen gewesen wäre, als bloßes Herumgelatsche in der kargen Einöde. Auch wenn das Drehbuch noch drei Randfiguren bereit hält und finale Erklärungen einleuchten, sowie der Ausgang zufrieden stellt, so hätten ein paar Straffungen durchaus gut getan. Zumal Gründe für Jimmys Handeln erst zum Schluss geliefert werden, - eine etwas frühere Offenbarung hätte die emotionale Ambivalenz gewiss noch stärker in den Vordergrund gebracht.

Bis auf die Gesamtlänge von rund 100 Minuten ist also nicht allzu viel auszusetzen an dem Zwei-Personen-Stück in der Wüste. Man lernt sogar, wie man sich in ähnlicher Situation mit einem Not-Kompass behelfen könnte und dass nicht jeder, der sich in der Wüste auskennt auch gleichzeitig Drogenhändler ist.
Insgesamt ein wenig wortkarg, dafür aber stimmig inszeniert und vor allem Freunden kleiner Psycho-Duelle zu empfehlen.
7 von 10

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