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Auch todsichere Rezepte müssen nicht zwangsläufig auch wirklich gute Ergebnisse liefern, so auch im Falle von „War“ aka „Rogue“, indem man sich auf die alte Idee berief, zwei Actionstars würden zusammen schon einen brauchbaren Kracher abliefern.
Ost und West treffen sich hier, wenn Jet Li als der geheimnisvolle Killer Rogue und Jason Statham als hartnäckiger Verfolger Crawford die Knarren bzw. die Fäuste kreuzen. Eingebettet wird dieser Zweikampf in eine Rachegeschichte rund um Stathams ermordeten Partner und eine Fehde zwischen Triaden und Yakuza.

Das klingt nach vielen Kämpfen, Schießereien und einer Menge Blut und wenn der geneigte Actionfan sich unter dem Strich das Ergebnis anschaut, dann gibt es davon auch eine ganze Menge, nicht zuletzt, weil man sich bei der Plotbasis bei einem der berühmtesten Filme überhaupt bediente: „Yojimbo“ bzw. „Für eine Handvoll Dollar“, in der sich der geheimnisvolle Mittelsmann bemüht, zwei verfeindete Clans gegeneinander auszuspielen.
Ergänzt wird das alles noch durch eine kleine Rächerstory – doch warum will der Film einfach nicht richtig zünden?

Möglicherweise, weil Regisseur Philip G.Atwill seine Rapvideoclipwurzeln einfach noch nicht abschütteln kann. Er liefert zwar solides Handwerk, was auch krachend und bisweilen sehr brutal ausfällt, aber damit gewinnt der Film dennoch weder Tiefe noch Charakter – was um so wichtiger ist, wenn der eigentliche Hintergrund persönlich ausfallen soll. Über weite Strecken läuft das Ausspielen der Gegner so mechanisch ab, das man eine Strichliste führen könnte und selbst der Westernunkundige kann recht fix ahnen, wie hier der Hase läuft und daß der Killer „Rogue“ nicht so ganz der ist, für den man ihn am Anfang halten soll.

Jet Li ist inzwischen als neuer Stammhalter der östlichen, aber völkerübergreifenden Actionstars ja schon seit einiger Zeit gescheitert, der Minimalmimiker kommt schlicht und ergreifend nicht sympathisch genug rüber, um mit ihm zu fiebern, der Mann präsentiert sich als humorlose Kampfmaschine, die noch dazu nicht der überpräsente Schweiger ist, sondern nur ein mißgelaunter oder ungerührt-überlegener Klopper. Gibt es keine Schwachstellen, gibt es auch keine Emotionen.
Statham wiederum ist immer dann gut, wenn er seine begrenzte Mimik mit der nötiger Portion Humor unterlaufen kann, doch hier er dermaßen auf grimmiger Verfolger gepolt, daß das nicht mal gut auf der One-Liner-Schiene läuft.

Und so können dann auch die finalen Überraschungen, von denen es gleich zwei gibt, nicht wirklich überzeugen, vielmehr kommen die etwas schwachbrüstig und unpassend daher, mit Gewalt ins Handlungsschema gepreßt.
Das ergibt einen todernsten und ununterbrochen auf Aktion (nicht unbedingt Action) setzenden Film mit vielen Figuren und bekannten Gesichtern, aber ohne das nötige Charisma, um einen Sixpack Bier und eine Tüte Chips im Kurzzeitgedächtnis zu überleben.
Am ehesten bleibt noch ein Schwertkampf zwischen Li und Ryo Ishibashi im Gedächtnis (der auch hinreichend brutal rüberkommt), ansonsten ist alles erlesen, teuer und doch leider nur von der Stange: Jungs in dunklen Anzügen, Dauerfeuer, dicke Autos und Maschinen und Devon Aoki, den pausbäckigen Kleiderständer aus „Sin City“, der leider weder den Gesichtsausdruck wechseln kann, noch nennenswerten Sexappeal ausstrahlt.

Natürlich kann man das unter „solide“irgendwo ablegen, aber als Nachgeschmack auf der Zunge bleibt nur der Eindruck, daß es das in Asien allein schon hundertfach gegeben hat und die das grimmiger und emotionaler auf Film bannen können. Hier sind die Asiaten nur Staffage und der Zuschauer kann sich nirgendwo einklinken, denn wirklich mögen will man hier niemanden – der Tod für einen unvergeßlichen Actionfilm. (5/10)

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