Na wenn das mal nichts ist! Vier große Schauspieler in den besten Jahren, raufen sich in einer Coming-Of-Age-Comedy zusammen und das obwohl sie eigentlich kaum wirklich zu einander passen. Da hätten wir John Travolta, schon seit jeher auf die Macho-Schiene gebügelt und eigentlich immer der "Coolste" von allen Beteiligten. Dann Tim Allen, the Godfather of Family-Comedy, der seine größten Erfolge als liebenswerter Möchtegern-Macho-Papa in "Hör mal wer da hämmert" und als grandioser Weihnachtsmann-Verschnitt in den "Santa Clause"-Movies hatte und auch sonst immer irgend eine Vater-Rolle spielt (so auch hier). Dann Martin Lawrence, der einzige schwarze Darsteller unter ihnen und auch der Jüngste, vor allem bekannt als schnell quakelndes Comedy-Genie. Und zum Schluss William H. Macy, einer der besten Charakter-Darsteller unserer Zeit. Zusammen gewürfelt sind sie hier "Wild Hogs" und spielen genauso mit als auch gegen den Strich ihrer üblichen Rollen. Herausgekommen ist dabei das erste Comedy-Highlight 2007, welches eigentlich wirklich jedem Spaß machen müsste.
Denn "Wild Hogs" ist im Grunde eine absolut gelungene Rundumversorgung in Sachen Comedy, die kaum weh tut und dabei trotzdem extrem viel Spaß macht. Die Story ist dabei nicht wirklich treffsicher, passt aber zu so einem Filmchen wirklich absolut. Es geht also, wie schon angedeutet, um vier Männer in den besten Jahren, die endlich mal wieder aus ihrem piffigen Vorstadtleben ausbrechen wollen und sich auf eine Motoradtour begeben, um mal wirklich "abzuschalten". Doch aus der geplanten Entspannung wird nicht wirklich etwas, denn aus ihrer Tour wird schon bald eine total verrückte "Tour-de-Force" (übertrieben ausgedrückt), bei der sie es u.a. auch mit ein paar nicht gerade freundlich getrimmten Hardcore-Bikern zu tun bekommen. Aufregung ist also garantiert... Ja, auch wenn diese Inhaltsangabe ein wenig seicht erscheinen mag, so lasst euch gesagt sein, dass die Geschichte doch so ziemlich alles hat, was man für einen Wohlfühlfilm dieser Art einfach braucht. Verschrobene Charaktere, verrückte, dabei aber dennoch durch und durch menschliche Szenarien und wirklich Fun bis zum abwinken. Auch wenn so manches sicherlich Klischeehaft abläuft, so interessiert es einem doch hier nicht wirklich die Bohne, ob nun wieder ein Klischee durchgebadet wird oder nicht.
Der hauptsächliche Interessenfaktor liegt hier am Spaß haben und in dieser Hinsicht funktioniert der Streifen wirklich voll und ganz. Allein schon die Zeichnung und die Gegensätzlichkeit der Charaktere lässt einem kaum aus dem Lachen herauskommen. Der eine ist stetig auf Macho und Führerpersönlichkeit gebügelt, der zweite ist ein lieber Familienvater und Zahnarzt, sprich der totale Langweiler, der Dritte hat Angst vor seiner Frau und repariert Toiletten und der Letzte im Bunde ist ein schusseliger, verklemmter Computerexperte wie er im Buche steht, der sich als Tätowierung gleich mal das Apple-Logo auf den Oberarm stechen lässt. Man grinst und feixt nur so vor sich hin, wenn den gegensätzlichen Herren durch ein Unglück gleich mal das ganze Zelt abbrennt, wenn sie nackt baden und dabei von einer Camper-Familie gestört werden oder wenn sie sich gegen die richtig üblen Kerlen mal ordentlich zur wehr setzen und dabei natürlich erst einmal alles falsch machen, was man nur falsch machen kann. Es ist einfach nur von Anfang bis Ende urkomisch, wenngleich sich auch so mancher Joke wiederholen mag und nicht jeder Witz vor der Gürtellinie halt macht. Spaß ist einfach garantiert, sofern man nicht allzu verklemmt ist und es nicht jedesmal gleich "Jackass"-Radikal braucht, damit man lachen kann.
Aber auch auf allen anderen Ebenen funktioniert der Film soweit. Zum einen kann er wunderbar als Flashback dienen, wenn man vielleicht selber in dem Alter der vier Hauptfiguren ist und durchaus mit ihnen mitfühlen kann, wenn mal wieder das ein oder andere nicht mehr ganz so gelingen mag, wie noch vor 20 Jahren. Hinzu kommt der grandiose eingespielte Soundtrack, der aber auch wirklich bei jedem Song so passt, wie die Faust aufs Auge. Egal ob es AC/DCs "Highway to Hell" ist, "Thunder Kiss 65" von White Zombie oder "Good Vibrations" von den Beach Boys. Bei jedem dieser Songs hüpft das Herz in der Rocker-Brust nur so hoch und runter. Für einen Good Feeling-Film dieser Art auf jedenfall einer der besten Soundtracks der letzten Jahre.
Aber was wäre so ein Film ohne seine Stars? Egal ob es Travolta, Allen, Lawrence oder Macy ist, man kann nicht wirklich sagen, wer von ihnen hier am besten agiert, denn selten haben sich vier so unterschiedliche und dennoch so ähnliche Darsteller so zusammengefügt wie hier. Auch wenn Macy insgesamt dann vielleicht doch ganz leicht die Nase vorne hat, was aber auch daran liegt, dass er einfach die besten Jokes abbekommen hat, so dürfte eigentlich wirklich keines dieser vier Darsteller-Puzzle-Steinchen fehlen. Sie ergänzen sich perfekt, so das der Spaß einfach keinen Abbruch findet. Hinzu kommen dann noch ein herrlich böser Ray Liotta, sowie die liebenswerte Marisa Tomei, und noch so manch andere bekannte Nase. So muss das sein!
Fazit: Herrliche Coming-Of-Age-Comedy, mit vier Hauptdarstellern, die man so gut aufgelegt nur selten erlebt hat. Die Geschichte um ein paar (Möchtegern-)Biker gibt vielleicht nicht viel her, dafür funktionieren aber die Jokes wirklich an allen Ecken und bieten vom Brüller bis zum gelegentlichen Schmunzler so ziemlich alles, was man für so eine Art von Film einfach braucht. Des weiteren sind auch nostalgische Flashbacks (für Herren im gleichen Alter) sicherlich keine Seltenheit und die rockige Musikuntermahlung stellt sowieso so ziemlich alles in den Schatten, was man in letzter Zeit an Song-Soundtracks gehört hat. Wer also mal wieder richtig viel Freude im Kino haben will und auch zu Hause immer wieder einmal schmunzelt, wenn die ein oder andere Filmszene in Erinnerung kommt, der sollte sich "Wild Hogs" jedenfalls nicht entgehen lassen!
Wertung: 7,5+/10 Punkte