Aufstand der alten Männer: Mit einem wenig aufregenden Trailer und nicht allzu viel Blockbusterpotential versehen entpuppte sich „Born to be wild“ als Überraschungserfolg an der Kasse.
Die Wild Hogs, das sind Woody Stevens (John Travolta), Doug Madsen (Tim Allen), Bobby Davis (Martin Lawrence) und Dudley Frank (William H. Macy) – vier Männer mittleren Alters, die zusammen Motorrad fahren, gemeinsam in ihrer Stammbikerbar was trinken gehen und sich trotzdem zahm fühlen. Jeder hat häusliche Probleme und das Cruisen in der Vorstadt hat halt nicht den echten Bikerspirit.
Auf Woodys Drängen begeben sich die vier also auf einen Biketour, um frei und ungezwungen zu sein und sich wieder jugendlich zu fühlen. Doch auf dem Road Trip warten viele Komplikationen...
Eine Sternstunde der Drehbuchkunst ist „Born to be wild“ sicher nicht: Die Motorradtour dient als lose Folie für einige Gags, damit überhaupt so etwas wie ein Spannungsbogen zustande kommt, forciert der Script einen Krach zwischen den Wild Hogs und der Bikergang von Jack (Ray Liotta). Nebenbei wird noch eine von den Bikern unterdrückte Stadt befreit und die Diner-Besitzerin Maggie (Marisa Tomei) von Dudley erobert, womit noch ein paar Westernmotive vorkramt. Westernmythen und Bikertum haben ja von je her eine enge Verbindung, doch originell ist das Ganze kaum, gegen Ende wird es sogar ein wenig kitschig.
Doch trotzdem ist „Born to be wild“ ein wirklich unterhaltsames Stück Comedy geworden, denn wenngleich die Geschichte vorhersehbar ist, so gilt hier doch die alte Weisheit: Der Weg ist das Ziel. Selbiger wird dann auch flott zurückgelegt, im Hintergrund erklingt gute alte Rockmusik von AC/DC und Co., wie es halt zum Thema Motorradfahren passt. Während der Fahrten und Stops wird auch flott gewitzelt, egal ob man eine prüde Camperfamilie verschreckt, einem aufdringlichen, schwulen Motorradcop entkomemn muss oder feststellt, dass einem nicht nur der Fahrtwind ins Gesicht geweht wird. Der Slapstick und die Wortgefechte sind stets gut getimt, jeder Gag sitzt. Feingeistig ist der Humor nicht unbedingt, aber Gross Out Witze werden hier nicht gerissen, selbst über die Reinigung einer ekelhaften Toilette oder Dudleys eigenartige Art der Dung-Entsorgung wird nur geredet.
Neben dem Humor hat „Born to be wild“ aber noch einen Vorteil auf seiner Seite: Die Charaktere, die keine Witzfiguren, sondern durchaus glaubwürdig sind. Woody ist ein Playboy am Rande des Ruins, der den tiefen Fall kaum verkraftet. Dougs Leben ist kaum aufregend, er ist übervorsichtig und Sohnemann hält ihn deswegen für uncool. Bobbyhasst seine Job als Klempner, wird von seiner Ehefrau geknechtet, wird von seinen Kindern nicht respektiert und ist mit seinem Versuch Autor zu werden gescheitert. Tollpatsch Dudley hingegen hat das Problem keine Frauen ansprechen zu können, obwohl er sich nach einer Beziehung sehnt. Alles verständliche realitätsnahe Probleme und Figuren, weshalb das Quartett so sympathisch ist, vor allem dann, wenn es bereit ist für seine Überzeugungen auch mal was auf die Fresse zu bekommen.
Schauspielerisch ist „Born to be wild“ auch wirklich toll. John Travolta spielt den Übermütigen des Quartetts, sogar mit Tanzeinlage als Hommage an seine frühen Rollen, und das recht ordentlich. Tim Allen erweist sich mal wieder als erstklassiger Comedian, ebenso Martin Lawrence. Auch der sonst eher als Charakterdarsteller bekannte William H. Macy wirkt hier urkomisch, selbst bei dem Running Gag mit den Motorradunfällen. Marisa Tomei macht das Beste aus ihrer Rolle als Love Interest, Ray Liotta als fiese Sau ist große Klasse. John C. McGinley ist ganz gut, hat aber eine extrem klischeehafte Rolle, Peter Fonda hat einen Gastauftritt. In Nebenrollen noch Jill Hennessy und Stephen Tobolowsky zu sehen.
Das Script hat seine Mängel und ist wenig originell, aber der Rest stimmt: Sympathische Charaktere, tolle Schauspieler und vor allem wirklich witzige Gags machen „Born to be wild“ zu einem unterhaltsamen Komödienspaß mit hoher Videoabendtauglichkeit.