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Vier Männer mittleren Alters stecken tief in der Midlife-Crisis: Öde Jobs, lästige Familien, keine "Action" mehr, wie früher einmal. Also schwingen sich die betagten Herren auf ihre Motorräder und brechen auf zu einer improvisierten Tour quer durch Amerika. Dabei stellen sie sich reichlich chaotisch an, was zu mehr als einer peinlichen Situation führt. Gefährlich wird es, als sie einer echten Motorradgang unter Führung des brutalen Jack (Ray Liotta) begegnen.

Eigentlich gehört "Born to be Wild - Saumäßig unterwegs" zu den schlechteren Komödien seines Kinojahres: Figurencharakterisierung und Gags fallen zumeist sehr platt aus, die Dramaturgie ist mehr als vorhersehbar (witzige Einleitung, ernste Entwicklung mit dramatischem Finale, Happy End) und als Witzobjekte müssen größtenteils die üblichen Opfer herhalten: Schwule, keifende Ehefrauen, Gesundheitsfreaks und alles, was irgendwie nach "alternativ" riecht. Mit immer wieder übertrieben eingeschobener Sentimentalität werden klassische amerikanische Werte wie Männlichkeit, Freiheit und bedingungslose Freundschaft als ultimativ erstrebenswert gepriesen. Klischees und Pathos gibt es hier also zuhauf, was auch dem Unterhaltungswert in einzelnen Passagen wiederholt Abbruch tut.

Dass man dennoch oft lacht - mitunter sogar schallend - liegt an den gut aufgelegten Stars, die der Vierergruppe ein Gesicht geben: John Travolta gibt den alternden Revoluzzer, der vor den Trümmern seines Lebens steht, mit so viel Energie und Härte, dass seine Performance einfach mitreißt, Tim Allen und Martin Lawrence blödeln auf ihre typische Art herum und William H. Macy brilliert sogar in seiner peinlichen Rolle, obwohl diese einem Charakterdarsteller wie ihm nicht einmal annähernd gebührt. Er hat einfach eine sympathische Art, nach einem Motorradsturz aufzuspringen und fröhlich zu rufen: "Hat nicht weh getan! Bin auf dem Arsch gelandet!", dass derlei Szenen bei weitem nicht so entwürdigend daherkommen, wie sie es bei jedem anderen täten.

Diese muntere Truppe trägt den Film über all seine Höhen und Tiefen hinweg. Als fieser Gegenspieler überzeugt auch Ray Liotta und als Höhepunkt gibt niemand anderes als "Easy Rider" Peter Fonda einen Gastauftritt als einsamer König der Biker. Dieses Personal sorgt für Witz, Schlagfertigkeit und Sympathie - alles Attribute, mit denen die Klischees, die vorhersehbare Story und sogar der allzu brave Rock-Soundtrack größtenteils überspielt werden. Witzigere, niveauvollere und auch bedeutendere Komödien gibt es trotzdem en masse, aber für einen amüsanten Abend nebenbei dürfte "Born to be Wild - Saumäßig unterwegs" allemal reichen - trotz seines blöden deutschen Titels.

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